Sexualität
Ein Paar beim intimen Kontakt. Sexualberater aus Merseburg könnten in Zukunft helfen. Bildrechte: colourbox.com

Neuer Studiengang Hochschule Merseburg bildet Sexualberater aus

Ab April gibt es in Merseburg einen Studiengang, den es so vorher in Deutschland nicht gab. An der Hochschule können Studenten Sexologie studieren. Zielgruppe sind neben Psychotherapeuten auch Ärzte und Sozialarbeiter. Professor Harald Stumpe von der Hochschule Merseburg berichtet, was in dem Studiengang zu erwarten ist.

Sexualität
Ein Paar beim intimen Kontakt. Sexualberater aus Merseburg könnten in Zukunft helfen. Bildrechte: colourbox.com

Ab April bildet die Hochschule Merseburg besondere Sexualberater aus. Der neue Studiengang heißt "Sexologie - Sexuelle Gesundheit und Sexualberatung". Im Mittelpunkt soll der Körper stehen, sagte Professor Harald Stumpe vom Institut für Angewandte Sexualwissenschaft.

Außenansicht der Hochschule Merseburg.
Bildrechte: Hochschule Merseburg

Die Studenten lernen, dass Sexualverhalten nicht nur über die Psyche, sondern auch über den Körper beeinflusst werden kann. Dazu beschäftigen sie sich etwa mit speziellen Atem- und Entspannungstechniken. Später beraten die Absolventen vor allem Paare, deren Lust verloren gegangenen ist. Das körperorientierte Konzept soll erstmals an einer deutschen Hochschule gelehrt werden. Der neue Studiengang richtet sich vor allem an Psychotherapeuten, die Paare beraten wollen. Aber auch Ärzte oder Sozialarbeiter können den berufsbegleiteten Master-Studiengang belegen. Die Hochschule kooperiert dabei mit einem schweizerischen Institut für Sexualtherapie.

Die Deutsche Presse-Agentur hat Professor Stumpe interviewt.

Professor Harald Stumpe (Mitte) unterschreibt den Vertrag über den Studiengang Sexologie an der Hochschule Merseburg.
Professor Harald Stumpe (Mitte) unterschreibt den Vertrag über den Studiengang Sexologie. Rechts der Rektor der Hochschule Merseburg, Professor Kirbs, links Esther Elisabeth Schütz vom Kooperationspartner, dem Institut für Sexualpädagogik und Sexualtherapie aus Uster in der Schweiz. Bildrechte: Hochschule Merseburg

Wer kann später zu den Sexualberatern gehen?

Eigentlich jeder - Frauen, Männer und Paare. Menschen, die feststellen, dass sie Fragen oder Probleme mit ihrer Sexualität haben. Wie zum Beispiel: Wie viel Sex braucht es, damit eine Liebesbeziehung hält? Was passiert, wenn die sexuelle Lust in der Paarbeziehung verloren ist? Wenn der Mann zu früh kommt, die Erektion wegbleibt oder die Frau keinen Orgasmus erlebt? Welche Auswirkungen haben eine Prostataerkrankung oder Brustkrebs auf das Erleben der Sexualität und welche Möglichkeiten gibt es, die Sexualität wieder lustvoll zu machen? Welchen Einfluss hat das Internet auf Sex?

Was ist das Besondere an dem neuen Studiengang?

Wir arbeiten vor allem mit dem Modell «Sexocorporel». Das ist ein Konzept, das von Professor Desjardins an der Universität Montréal entwickelt wurde. So wie die Psyche das Sexualverhalten beeinflusst, kann dies auch über den Körper verändert werden. Der Körper ist ein zentrales Element des Studiengangs. Es werden beispielsweise Atem- und Wahrnehmungsübungen oder An- und Entspannungstechniken gelehrt. Es soll gezeigt werden, wie Sexualverhalten über persönliche Lernschritte verändert und lebenslang weiterentwickelt werden kann.

Wie groß ist eigentlich der Bedarf an Sexualberatern?

Sehr groß. Gesellschaftlich ist die Meinung verankert, alle seien gut über Sex informiert. Das stimmt aber nur zum Teil. In der Sexualberatung zeigt sich immer wieder, wie allein Menschen mit ihren Fragen unterwegs sind und wie Unwissen auch heute zu Belastungen führt. Viele sind mit den unendlichen Angeboten zu Sexualität überfordert - etwa durch Tipps aus dem Internet. Fachleute aus der Psychotherapie und der Sexualmedizin bemühen sich, die Menschen entsprechend zu begleiten. Den meisten fehlt jedoch eine fundierte Ausbildung in der Sexualberatung. Da besteht ein Handlungsbedarf in Deutschland, den wir schließen.

Zur Person: Professor Harald Stumpe ist studierter Humanmediziner. Zu DDR-Zeiten arbeitete er zwölf Jahre lang an der Universität in Jena und bildete unter anderem Medizinstudenten als Sexualaufklärer für Schulen aus. Nach der Wende ging der heute 65-Jährige an die Hochschule nach Merseburg. Dort etablierte er Angewandte Sexualwissenschaft in der sozialen Arbeit.

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2016, 11:51 Uhr

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22 Kommentare

06.02.2016 10:39 V2Knut 22

@21. [VT88]: Der linksgrünrotknallrote Zeitgeist der 68er-Erben mit kräftigen Links-CDU-Einsprengseln als DDR-Mitgift greift immer weiter aus; hier eine besondere Abart der Genderideologie. Ich frage mich: Wenn das denn unbedingt sein muß - Was hat das an einer Fachhochschule zu suchen?

05.02.2016 22:16 VT88 21

Bis 1993 war die TH Merseburg eine Hochschule an der sehr gute und anerkannte Ingenieure und Naturwissenschaftler und WiWis's ausgebildet wurden. Das waren 5 Jahre die ich nicht missen möchte. Ich könnte heulen, wenn ich sehe, was die aus der Hochschule von damals gemacht haben.

05.02.2016 11:47 pille 20

Sexualberaterinnen gibt es doch schon zu Hauf auf den einschlägigen Liebesplattformen und in den Laufhäuser nach Stundenhonorar....

05.02.2016 08:30 Atheist - aus Mangel an Beweisen 19

Mein Enkel 8Jahre geht in Thüringen in die Schule sagte letztens zu mir "Oma soll ich dir mal eine Massage geben, haben wir in der Schule im Fach Ethik gelernt da müssen wir uns gegenseitig massieren" ich war mehr als sprachlos.

04.02.2016 22:43 Phrasenhasser 18

Na, lasst denen doch ihren Spaß! Denn angesichts der Karneval-Saison kommt mir in den Sinn: In 15 Jahren ist alles vorbei, in 15 Jahren, da sind wir nicht mehr so frei, in 15 Jahren...

04.02.2016 22:02 Andy Zephyr 17

Beruf: SEX Master ................. :-) herrlich

04.02.2016 20:54 muthase 16

Wird sicher von der EU gefördert, so wie manch anderer Blösinn. Wir haben ja keine ernsthaften Probleme in D.

04.02.2016 18:40 poldi 15

Die Verklemmten sind ja wohl diejenigen die so einen Quatsch studieren oder in Anspruch nehmen. Hier werden die Paare wieder unzufrieden geredet und müssen sich dann wohl eingeredet selbst reflektieren damit dann Kohle mit den neuen Unzufriedenen verdienen zu können. Den tatsächlichen Bedarf an dieser Leistung ist nicht erkennbar.

04.02.2016 17:27 Querdenker 14

Wo soll das Problem liegen? Außer das die Gebühr für den eher weiterbildenden Studiengang für Fachkräfte mit abgeschlossenen Hochschulstudium aus bestimmten Bereichen bei über 19.000 Euro liegt (siehe „Berufsbegleitender Masterstudiengang Sexologie (M.A.)“.

04.02.2016 15:52 winfried 13

Im Rheinland gibt es den Spruch: "Saufen, poppe, Karten kloppe." ... Wie man daran erkennt, sind die Rheinländer schon weiter, denn sie haben einen gesamtheitlicheren Denkansatz "auf dem Schirm".