Ein Statue von Martin Luther. Im Hintergrund ein Plakat zum Lutherjahr mit einer Aufschrift.
500 Jahre Reformation – das wird in Wittenberg ausgiebig gefeiert. Doch das zieht auch Kritik auf sich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Reformationsjubiläum Stura der Uni Halle kritisiert Kult um Luther

Luther war nicht nur der große Reformator, sondern auch eine der streitbarsten Personen der Geschichte. Sein offener Hass auf Juden ist vielen Menschen bis heute ein Dorn im Auge. So auch dem Studierendenrat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

von André Strobel

Ein Statue von Martin Luther. Im Hintergrund ein Plakat zum Lutherjahr mit einer Aufschrift.
500 Jahre Reformation – das wird in Wittenberg ausgiebig gefeiert. Doch das zieht auch Kritik auf sich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

2017 ist Luther-Jahr. Das 500-jährige Reformationsjubiläum wird in Wittenberg ausgiebig gefeiert, die Stadt rechnet mit Hunderttausenden Besuchern. Die Werbemaschine läuft ebenfalls auf Hochtouren: In Wittenberg gibt es alles zu Luther, was das Herz begehrt: Luther als Playmobilfigur, ein Likör, der den Namen des Reformators trägt und auf der offiziellen Internetpräsenz "luther2017.de" wird ein Luther-Brettspiel angeboten: "Darin treten die Spieler in die Fußstapfen des Reformators", verspricht der Herausgeber. 30 Euro soll es kosten.

"Nicht unser Held, nicht unsere Reformation"

Um Luther werde - gerade in diesem Jahr - ein Kult betrieben, der nicht gerechtfertigt sei, findet der Studierendenrat der Martin-Luther-Universität in Halle. Mitte Januar erschien auf seiner Internetseite eine seitenlange Erklärung, die sich vor allem um die Judenfeindlichkeit Luthers dreht. "Nicht unser Held, nicht unsere Reformation - Lutherjahr kritisieren!", steht oben als Überschrift. Im Text wird dargelegt, warum die Verehrung des Reformators zu unkritisch ist: "Luther war Judenfeind, seine Menschenverachtung wird in vielen seiner Schriften deutlich.

Ein junger Mann
Geschichts- und Philosophiestudent Lukas Wanke hat den kritischen Text verfasst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir möchten dazu aufrufen, dass auch diese Seite thematisiert wird und die Feierlichkeiten nicht allein auf die Person Luther fixiert werden.", sagt Lukas Wanke, der den Text verfasst hat. Der 24-Jährige Geschichts- und Philosophiestudent möchte mit seinem Text zeigen, wie Luthers Hass auf die jüdische Gemeinschaft über die Jahre immer größer wurde. Die Studierenden kritisieren, dass um das Thema "Luther und die Juden" ein weiter Bogen gemacht werde.

Wittenberg nimmt Kritik gelassen

In Wittenberg reagiert man gelassen auf die Kritik aus Halle. Der Studienleiter der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, Alf Christophersen, findet nicht, dass Luthers bekannte Judenfeindlichkeit zu kurz komme. Immer wieder gebe es öffentliche Diskussionen dazu, Bücher zu dem Thema seien veröffentlicht worden.

Ein Mann spricht in eine MDR-Mikrofon
Alf Christophersen, Studienleiter der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Christophersen selbst hat Ende 2016 ein Buch mit dem Titel "Luther und wir. 95x Nachdenken über die Reformation" herausgebracht. Darin geht es auch um den Antijudaismus Luthers, so ist dort ein Text des jüdischen Historikers Michael Wolfssohn zu lesen, dieser schreibt: "Mit dem Mann Martin Luther, dem Nicht-, dann aber doch und bis ans Lebensende Antisemiten, auch Anti-Moslem, diesem verstockten Intoleranten, habe ich, nicht nur als Jude, so manches Problem...". Martin Luther, sein Leben und Wirken, werde durchaus kritisch und differenziert betrachtet, meint Christophersen.

Diskussionsrunde am Gedenkfeiertag für NS-Opfer

Ein Beweis dafür ist aus seiner Sicht die Diskussionsrunde, die am 27. Januar 2017, am nationalen Gedenkfeiertag für die Opfer des Nationalsozialismus, in Wittenberg stattfand. Ein Datum, welches bewusst gewählt wurde. Thema: "Die Judenverspottung an der Wittenberger Stadtkirche". Wieder einmal geht es um die "Judensau", ein Schmähplastik, die um 1300 an der Stadtkirche in Wittenberg installiert wurde. Das Relief zeigt einen Rabbiner, der einem Schwein unter den Schwanz schaut und Juden, die an den Zitzen der Sau trinken.

In den Augen des englischen Theologen Richard Harvey sei das "ein Angriff auf Juden und verspotte ihren Glauben". Er hatte eine Internet-Petition gestartet, die als Ziel die Demontage der Schmähplastik ausruft. Auch die 1988 enthüllte Gedenkplatte unterhalb des Juden-Reliefs kann den gläubigen Juden nicht beschwichtigen. Mit der Gedenkplatte wollten die Stadt Wittenberg und die Stadtkirchengemeinde ein Mahnmal setzen. Bis heute finden dort jährlich Gedenkfeiern statt.  

Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2017, 21:11 Uhr

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11 Kommentare

29.01.2017 18:22 Benno Herschel 11

Ich finde es wirklich gut, wenn sich Studenten mit Luther aus unterschiedlichster Perspektive beschäftigen. Luther war leider zu seiner Zeit keine Ausnahme. In seiner Weltsicht war noch ganz dem Spätmittelalter verhaftet.
Sein Judenhass wurde erst öffentlich als er einsehen musste, dass sein Werben und sein massives Engagement, um ganze jüdische Gemeinden und allgemein die Juden zu christianisieren misslang. Dieser Misserfolg entfachte seine Wut. In zwei hasserfüllte Schriften, aber auch in einigen Briefen echauffierte er sich über die Juden, teils in drastisch rassistischem Vokabular. Aus diesem Link [Fremdlink entfernt] kann man in einem kurzen Aufsatz gut entnehmen, wie Luther sich den Umgang der Gesellschaft des „Neuen Glaubens“ mit den Juden vorstellte. -
Viel merkwürdiger und sehr nachdenklich finde ich die Tatsache, dass 1941 die Universitätsleitung sich für die Umbenennung in Martin-Luther-Universität entschied. Hier sollte man genauer untersuchen, warum und weshalb!

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT: Wir haben den Link entfernt, bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien unter http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html

28.01.2017 12:08 Franz Richter 10

Jeder vierte Deutsche hat jüdische Wurzeln. Mit der Kirche haben wir Gott sei Dank nichts am Hut. Hat die Kirche nicht noch auch die beiden dt.Weltkriege gesegnet?

28.01.2017 12:04 Mustermann 9

Martin Luther der alte Antisemit - es ist schon interessant wie sein Judenhass hier von vielen heute ausgeblendet wird. Naja, jeder redet sich halt seine Welt so zu recht wie er sie versteht u. gern hätte.

Oder wie pflegte Pippi Langstrumpf zu singen: "Zwei mal drei macht vier,
widewidewitt und drei macht neune,
ich mach mir die Welt,
widewide wie sie mir gefällt."

28.01.2017 11:48 Uwe 8

Wenn ich lese was für Probleme die Studenten so haben wird mir Himmel Angst !!
Dazu noch der Terror den die verbreiten und für welchem die nie betraft wrden weil die Beweise nie reichen.
Bitte lieber Gott ! Lass nicht zu das diese Typen jemals etwas zu melden haben !!!
So Schlimm kannst du uns doch nicht bestrafen !!!

28.01.2017 11:14 Rasselbock 7

Das typische Dilemma sogenannter
Geisteswissenschaften: Es gibt keine Kriterien zur objektiven Bewertung wie z. B. in Physik oder Mathe, die sich an objektiven Naturgesetzen orientiert. Manche Leute definieren die Geisteswissenschaften auch als Geschwafeldisziplinen.

28.01.2017 10:58 Preussischer Patriot 6

Mögen ja recht haben, die Damen und Herren Studenten.
Martin Luther war kein ausgesprochener Freund der Juden. Kritik ist erlaubt.
Zeitgemäß wäre es, wenn man jetzt einmal den Koran gründlich durchlesen würde. Da kann man auch so einiges finden...

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT: Der Koran hat aber nichts mit dem Thema der Kritik zu tun.

28.01.2017 10:42 colditzer 5

Eigenartig, aber mit den Juden hatten viele in den vergangenen Jahrhunderten so ihre Probleme. Warum nur?
Aber betrachten wir doch mal alle Aussagen im Kontext der Zeit.
Oder wollen die Studenten nun beginnen eine Aktion zu fahren, weg mit dem Namen Martin Luther Universität ?
In Greifswald hat man es gerade geschafft. Der Name Ernst Moritz Arndt wurde der Uni entzogen. Hauptverursacher, 12 " studentische Senatoren".

28.01.2017 10:41 Anonymous 4

Luther war sehr klug und seiner Zeit weit vorraus. Er hat viel bewirkt!! Es grenzt an Unverschämtheit wie er von einigen verbohrten Linksgrünen hingestellt wird!! Die Zeit gab ihm Recht....

28.01.2017 09:51 Hor Es Te 3

Es wird immer wieder Leute ; Menschlein geben die alles und jedes in Frage stellen.Na gut jetzt war dieses Jüngelchen in aller Öffentlichkeit, die Medien haben ihm eine kurze " Plattform " gegeben.Nun soll er weider weiter studieren damit mal was aus ihm wird.

28.01.2017 08:15 Anne Wand 2

Naja, wenn "der Lukas" meint, Martin Luther "bewaeltigen" zu muessen, dann fangen wir besser gleich damit an.
Dann wird bis zu seiner Doktorarbeit wenigstens nicht zuviel Zeit verloren und "Professor Wanke" kann sich dann spaeter unverzueglich mit Jesus` "antisemitischen Ausfaellen" gegenueber den Geldwechslern auf den Stufen des Tempels befassen.
Auf eine solche "geistige Elite" hat Deutschland seit Adorno und Horkheimer nur gewartet!