Kulturlandschaft in Halle Bühnen-Chef sieht sich nicht als "General Rotstift"

Seit 100 Tagen ist der neue Geschäftsführer der halleschen Theater, Oper und Orchester GmbH, Stefan Rosinski, im Amt. Er steht vor der Herausforderung, mehr als 40 Mitarbeiter zu entlassen. Ein Zwischen-Fazit.

Auf den ersten Blick ist es kein beneidenswerter Job, den Stefan Rosinski im September 2016 übernommen hat. Er ist Geschäftsführer der Theater, Oper und Orchester GmbH (TOOH) in Halle. Seine schwierigste Aufgabe: Die städtischen Bühnen auf kommende Kürzungen vorzubereiten. Das trifft vor allem die Staatskapelle Halle. Von momentan 134 Musikern sollen nur noch 99 übrig bleiben. Das wäre das Aus für Aufführungen der Musik von Richard Wagner oder Richard Strauß, für die man bedeutend mehr Musiker braucht – und wohl auch für das Händelfestspielorchester.

Kein "General Rotstift"

Stefan Rosinski
Stefan Rosinski: Geschäftsführer der Theater, Oper und Orchester GmbH (TOOH) in Halle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Trotzdem sieht sich Stefan Rosinski nicht als "General Rotstift". Er sagte dem MDR, er wolle eine strategische Neuausrichtung. Deshalb überlegt er: "Wenn wir Personal abbauen müssen, wie tun wir das intelligent in Hinsicht auf die Ziele, die wir haben?". Man müsse sich die Frage stellen, welche Aufgaben und welche Größe das zukünftige Orchester haben soll und wie man mit der Händelpflege umgeht. Wird sie ein Schwerpunkt oder gibt man sie auf?

Alle vier Sparten der TOOH will und muss Stefan Rosinski neu ausrichten. Sind die Ziele und Wege für Orchester, Oper, Schauspiel und Ballett für die nächsten Jahre definiert, könnten eventuell weniger Stellen gestrichen werden. Momentan sind 35 Kündigungen beim Orchester geplant. Bei den anderen Sparten sollen deutlich weniger Stellen eingespart werden. Stefan Rosinski denkt, "dass im Grunde alle sehr froh wären, wenn es einen alternativen Vorschlag zu den Kündigungen gibt".

Land wird Zuschuss um mehrere Millionen Euro senken

Etwa 30 Millionen Euro benötigt die TOOH pro Jahr. Eine Neuausrichtung ist unumgänglich, weil das Land seinen Zuschuss um mehrere Millionen Euro senken wird. Bisher kommen ein Drittel der Gelder vom Land, zwei Drittel von der Stadt Halle. Vier Millionen Euro nehmen die Theater ein. Möglichkeiten zum Einsparen sieht Stefan Rosinski derweil, verrät aber noch nicht, welche. Nur: "Man braucht ein Inhaltskonzept, das sehr plausibel macht, warum das Orchester zukünftig eine spezifische Größe haben soll, die über 99 liegt und wie das zu finanzieren ist. Daran arbeiten wir". Ende März könnten die ersten Vorschläge schon auf dem Tisch liegen und dann mit Stadt und Land diskutiert werden.

Dieses Thema im Programm: • MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18.01.2017 | ab 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2017, 11:11 Uhr

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1 Kommentar

19.01.2017 11:57 Was für ein absurder Euphemismus... 1

"Er steht vor der Herausforderung, mehr als 40 Mitarbeiter zu entlassen."

Es dürften wohl eher die "Mitarbeiter" sein, die vor der "Herausforderung" stehen. Natürlich wird es des Rosinskis Herzelein brechen (iss klar, hammwa auch angenommen, muss ja), aber der arme Mann bekommt ja ein wenig Geld zum Trost. Da kann er sich mal ein Bier kaufen und sich auf neue "Herausforderungen" vorbereiten.

Und natürlich und ganz gleich, wie er sich selbst sieht, der Herausgeforderte, ist das seine Hauptaufgabe. Merke: Je mehr jemand bestreitet, für eben das eingestellt worden zu sein, was seine vorläufig bedeutsamste Tätigkeit darstellt, desto gewisser trifft zu, was er bestreitet.