Ein Pizzabote wird von Maskierten überfallen.
Sie bestellten Pizza und griffen dann die Fahrer an: Ein Täter wurde jetzt verurteilt. (Symbolfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Überfälle auf Lieferanten 20-jähriger Pizza-Räuber verurteilt

Monatelang fuhr die Angst bei Pizzaboten in Halle mit – nun ist das erste Urteil gefallen: Ein junger Mann ist wegen mehrfachen schweren Raubes zu zwei Jahren Gefängnis verurteil worden, allerdings auf Bewährung.

Ein Pizzabote wird von Maskierten überfallen.
Sie bestellten Pizza und griffen dann die Fahrer an: Ein Täter wurde jetzt verurteilt. (Symbolfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Halle waren über Monate hinweg immer wieder Essenslieferanten überfallen und ausgeraubt worden. Das Landgericht Halle verkündete am Donnerstag nun das erste Urteil in der Serie von Angriffen auf Pizzaboten: Ein 20-jähriger wurde wegen mehrfachen schweren Raubes zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Strafe setzten die Richter zur Bewährung aus. Während der dreijährigen Bewährungszeit muss der 20-Jährige allerdings einen Anti-Drogen-Kurs besuchen und Schmerzensgeld zahlen.

Das eher milde Urteil erklärte Verteidiger Wolfgang Müller nach der Urteilsverkündung damit, dass sein Mandant umfassend ausgesagt hatte. Müller sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Er hat nicht nur eine geständige Erklärung in seinem Verfahren abgegeben, sondern hat in einem Parallelverfahren als Zeuge dazu beigetragen, dass der Tatbeitrag seiner Mittäter deutlich nachweisbar ist." Somit konnte die sogenannte Kronzeugenregelung angewendet werden. Außerdem wurde der Angeklagte noch nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Es lohnt sich auszusagen

Der junge Mann aus dem Kosovo, der seit 2010 in Deutschland lebt, war an insgesamt sieben Überfällen beteiligt. Bei zwei weiteren Raubzügen hatte er das Fluchtauto gefahren. Ein Erwachsener wäre dafür zu mindestens sieben bis acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Bewährungsstrafe ist laut einem MDR-Reporter, der den Prozess verfolgt hatte, auch als Signal an andere Angeklagte zu werten: Es lohne sich auszusagen. Zwei weitere Verfahren laufen gerade, mindestens drei weitere Prozesse werden vorbereitet. Doch die Angeklagten dort sagen bisher kaum etwas.

Pizza wird an den Pizzaboten zum Ausliefern überreicht.
Jetzt können die Pizza-Lieferanten wieder gefahrlos ihren Job machen. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Polizei hatte eine acht Mann starke Ermittlungsgruppe namens "Pizza" eingerichtet. Ein Lieferdienst hatte sogar eine Belohnung von 2.000 Euro für Hinweise ausgesetzt. Im Mai 2017 konnte die Polizei dann acht Tatverdächtige festnehmen – junge Männer im Alter von 18 bis 23 Jahren aus Halle und Umgebung. Sie stammen aus Deutschland, Armenien, Russland und dem Kosovo. Die Gruppe hatte sich immer wieder zusammengefunden, um Straftaten zu begehen.

Übersicht der Überfälle auf Lieferdienst-Fahrer: 28.01.17 – 21:20 Uhr Am Kirchteich / Halle-Neustadt / Pizza-Lieferdienst
02.02.17 – 19:08 Uhr Ernst-Abbe-Str. / Halle-Neustadt / Pizza-Lieferdienst
04.02.17 – 20:50 Uhr Andalusier Str. / Halle-Neustadt / Pizza-Lieferdienst
06.02.17 – 20:25 Uhr An der Feuerwache / Halle-Neustadt / Sushi-Lieferdienst
09.02.17 – 20:13 Uhr Mühlgasse / Innenstadt / Pizza-Lieferdienst
10.02.17 – 21:18 Uhr Elsa-Brändström-Str. im Süden von Halle / Pizza-Lieferdienst
12.02.17 – 20:20 Uhr Grenobler Str. / Südstadt / Pizza-Lieferdienst
26.02.17 – Pizza-Lieferdienst
26.03.17 – 20:30 Uhr Lise-Meitner-Straße / Neustadt / Pizza-Lieferdienst

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | Studio Halle | 09.11.2017 | 12:30 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09.11.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/lk

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2017, 16:35 Uhr

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18 Kommentare

13.11.2017 16:49 ein Witz 18

Das ist eine Verhöhnung der Opfer und unseres Rechtsstaates, oder das was davon noch übrig geblieben ist. Ich bin sprachlos. Die legitimierte Gewalt zieht in unsere Gesellschaft ein. Für mich ist nur noch der absolute Wahnsinn.

11.11.2017 20:24 Jennifer Schmidt 17

Ich die Strafe zwei Jahre auf Bewährung ist viel zu mild, immer hat der Pizza Räuber die Pizza Boten von Halle Monate lang in Angst und Schrecken versetzt. Die Strafe hätte meiner Meinung nach 5 Jahre ohne Bewährung sein müssen. Der Angeklagte hätte dann genug Zeit zum nach denken!

10.11.2017 18:38 John Silver 16

Kurzen Prozess machte der parteilose Oberbürgermeister Bernd Wiegand mit einem Antrag der CDU/FDP Fraktion. Die wollte, dass das Ordnungsamt in Zukunft rund um die Uhr 24 Stunden lang besetzt ist. Kommt nicht in Frage, viel zu gefährlich für die Mitarbeiter, befand Wiegand. Es sei ihnen nicht zumutbar, ab 23 Uhr auf der Straße im Außendienst tätig zu sein.
Damit widerspricht er der Kriminalstatistik der Polizei, deren Verbrechenskurve nach unten zeigt.
Noch im März hatte die Polizei für Halle verkündet, dass die Zahl der Verbrechen sinke. Rohheitsdelikte, wie Körperverletzung (12%) und und Mord, Totschlag und Sexualstraftaten (1%) kämen laut MZ „nur selten“ vor.

10.11.2017 13:37 maria 15

...warum wird er überhaupt nach Jugendstrafrecht bestraft, der Mann ist 20 Jahre alt und war anscheinend Erwachsen genug um so schwere Überfälle zu begehen....Warum werden solche Täter nicht wie Erwachsene behandelt??
Das kann doch alles nicht wahr sein oder....wenn schon strafmildernd durch seine Aussagen, dann halt 3 Jahre statt 6 Jahre Gefängnis....aber doch nicht Bewährung....

10.11.2017 11:06 K.Morasch 14

@ Anmerkung MDR Sachsen-Anhalt.
Das habe ich schon auch gelesen. Es steht aber nicht im Widerspruch zu meiner Wahrnehmung, dass offenbar immer alles mögliche an Hebeln angesetzt wird, bei Gewaltverbrechern ein möglichst geringes Strafmaß zu rechtfertigen. (Außer bei Verbrechen die man Rechtsradikalen oder sogenannten "Reichsbürgern" anlastet.) Es bleibt ein Stück weit der Eindruck einer politischen oder selbstherrlichen Justiz, die maßgeblich nach eigenen ideologischen Einstellungen urteilt. Als Opfer kann man hier doch nur den Glauben an Staat, Recht und Gesetz verlieren.

10.11.2017 10:36 K.Morasch 13

Ach noch was: Im letzten Artikel des mdr war zu lesen: "Im Fall einer Verurteilung drohe dem Angeklagten eine Mindeststrafe von fünf Jahren, sagte Gerichtssprecher Ehm."
Soviel zur Glaubwürdigkeit deutscher Gerichte. Es werden immer alle Hebel in Bewegung gesetzt um möglichst niedrige Strafen zu verhängen. (Es sei denn es geht um Straftaten vermeintlich rechtsradikaler Motive.)
Kann mir ein Kommentator sagen woran dies liegt, was sind hier die Beweggründe? Gefängnisse zu teuer?

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT: "Das eher milde Urteil erklärte Verteidiger Wolfgang Müller nach der Urteilsverkündung damit, dass sein Mandant umfassend ausgesagt hatte. Müller sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Er hat nicht nur eine geständige Erklärung in seinem Verfahren abgegeben, sondern hat in einem Parallelverfahren als Zeuge dazu beigetragen, dass der Tatbeitrag seiner Mittäter deutlich nachweisbar ist." Somit konnte die sogenannte Kronzeugenregelung angewendet werden. Außerdem wurde der Angeklagte noch nach Jugendstrafrecht verurteilt."

10.11.2017 10:29 K.Morasch 12

Welch ein braver Richter. Wieder nur Bewährung für einen Täter der mehrfach "schweren Raub" begangen hat. Diese Kuscheljustiz trägt maßgeblich dazu bei, dass hier immer mehr einreißt. Gerade ausländische Straftäter wissen doch garnicht was Bewährung ist, sie gehen aus dem Gericht raus und sind praktisch frei. Das diese sich über den deutschen Staat dann lustig machen kann man denen doch garnicht übel nehmen. Na ja...immer nur weiter so. Wir schaffen das.

10.11.2017 07:55 Kritiker 11

Solche Urteile zerstören jedes Vertrauen in die Justiz!!!

10.11.2017 07:14 Ralf 10

Warum wird jedesmal das Urteil auf Bewährung ausgesprochen? Das hat doch mit angemessener Strafe nichts zu tun. Sind die Gefähngnisse zu voll? Da lacht sich jeder Straftäter ins Fäustchen.

09.11.2017 22:04 Andreas 9

Jugendstrafrecht. Als Erwachsener 8 Jahre ins Gefängnis. Als Jugendlicher bekommt man Bewährung für das gleiche. Ich hätte verständnis wenn er sich gestellt hatte aber so doch nicht. Ein Trost bleibt mir. Wenn seine Kumpels wieder da sind dann muss er aber gut zu Fuß sein.