Anzeigetafel der Deutschen Bahn mit dem Hinweis auf eine Verspätung Richtung Halle.
Bildrechte: MDR/André Plaul

Bahnverkehr in Halle und Magdeburg Nach Brandanschlägen viele Verspätungen

Die Anschläge auf die Bahn haben am Montag in Sachsen-Anhalt erhebliche Störungen im Bahnververkehr ausgelöst. Auf wichtigen Strecken gab es Verspätungen und Zugausfälle. In Magdeburg fiel zudem ein Stellwerk aus. Am späten Abend normalisierte sich die Lage wieder.

Anzeigetafel der Deutschen Bahn mit dem Hinweis auf eine Verspätung Richtung Halle.
Bildrechte: MDR/André Plaul

In Sachsen-Anhalts Zugverkehr ist es nach den Bahn-Anschlägen den ganzen Tag über zu Behinderungen im Bahnverkehr gekommen. Verspätungen gab es vor allem auf der Strecke zwischen Halle und Leipzig sowie zwischen Halle und Magdeburg. Insgesamt waren in der Nacht zum Montag 13 Anschläge auf Bahnanlagen verübt worden, darunter im Raum Leipzig, aber auch in Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Meist waren Kabel angezündet worden.

Der Tag ist für die Reisenden dadurch von Beginn an unberechenbar gewesen, Verspätungen und Zugausfälle gab es auch auf den Strecken zwischen Leipzig, Bitterfeld und Dessau. Die Bahn setzte dort auch Busse ein, um eine Weiterfahrt der Reisenden zu ermöglichen.

Stellwerksproblem in Magdeburg legt Hauptbahnhof lahm

Am Montagabend sorgte außerdem eine Stellwerksstörung am Magdeburger Hauptbahnhof für massive Verspätungen und Ausfälle. Wie eine Bahnsprecherin MDR SACHSEN-ANHALT sagte, gab es keinen Zusammenhang mit den bundesweiten Anschlägen.

Auch Störungen im Telefonnetz

Durch die Brandanschläge auf Bahnanlagen war in Mitteldeutschland auch das Telefon-Netz in Mitleidenschaft gezogen worden. Eine Sprecherin von Vodafone teilte auf MDR-Anfrage mit, in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt seien 14.000 Haushalte betroffen gewesen. Sie konnten nicht in gewohnter Qualität telefonieren und im Internet surfen. Auch der Anbieter Primacom meldete Störungen.

Reaktionen der Fahrgäste in Halle

Trotz der teilweise gravierenden Verspätungen kam es am halleschen Hauptbahnhof zu keinem Chaos. Lange Schlangen an den Informations-Ständen der Deutschen Bahn oder verärgerte Fahrgäste hielten sich nach Angaben einer MDR-SACHSEN-ANHALT-Reporterin in Grenzen.

Die meisten Berufspendler waren letztlich froh, endlich an ihrer Haltestelle angelangt zu sein. "Ich habe eh ein Jobticket, erstattet wird mir demnach nichts", sagte eine Frau, die am Morgen in der S-Bahn von Leipzig nach Halle unterwegs war. Die Verspätung sei zwar nervig, aber man könne ja leider nichts daran ändern. Nach der Ankunft wollte sie nur so schnell wie möglich weiter, um nicht noch später in die Arbeitswoche zu starten.

Ein weiterer Zugreisender, der ebenfalls täglich von Leipzig mit der S-Bahn nach Halle pendelt, ist sichtlich genervter, sieht es aber ähnlich: "Es ist natürlich ärgerlich, wenn man am Montagmorgen früh aufsteht und dann wegen irgendwelcher Vandalen trotzdem eine Stunden zu spät zur Arbeit kommt." Aber sich über die Bahn zu ärgern, nütze in dem Fall ja nichts.  

Bekennerschreiben aufgetaucht

Die Ermittler gehen davon aus, dass zwischen den Anschlägen ein Zusammenhang besteht. Eine politische Motivation wie ein Bezug zum G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg könne nicht ausgeschlossen werden, erklärte die Polizei in Sachsen. Das dortige operative Abwehrzentrum, eine für die Aufklärung extremistischer Straftaten zuständige Polizeieinheit, nahm Ermittlungen wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr auf.

Währenddessen haben sich Anhänger der linksextremen Szene offenbar auf der Internet-Plattform "indymedia.org"zu den Anschlägen bekannt. Als "Anlass" der Anschläge wird der Anfang Juli anstehende G20-Gipfel in Hamburg hier genannt. Die Echtheit des Schreibens durch die Behörden ist jedoch noch nicht bestätigt.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19.06.2017 | ab 07:30 Uhr

Quelle: MDR/sp/cw/mg

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 21:01 Uhr

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13 Kommentare

21.06.2017 18:26 Corinna 13

@11

man sieht es mal wieder: die öffentlich Rechtlichen mit ihrem Bildungsauftrag immer das letzte Wort.

21.06.2017 18:01 Mediator an HEribert Hanke(11) 12

Also ich finde die Anmerkungen des MDR-Sachsen-Anhalt meist sehr gelungen.
Die Kommentarrichtlinien des MDR sind in meinen Augen so weit gefasst, dass die Diskussionskultur massiv darunter leiden würde, wenn jeder Kommentator den zur Verfügung gestellten Spielraum maximal ausnutzen würde.
Mit jemandem, der nur seinen Hass hochwürgt und keinerlei Belege für seine strammen Behauptungen bringt, ist keine Diskussion möglich.
Wer so tut als wäre die Benennung einer Linken Gruppe in einem Bekennerschreiben bereits der Nachweis der Täterschaft, der irrt gewaltig. Wer nicht erkennen will, dass auf indymedia.org JEDER und JEDEM Namen ALLES völlig ANONYM posten kann, der hat entweder keine Ahnung von modernen Medien oder ist massiv voreingenommen. Wer so tut, als wäre indymedia.org lediglich eine Plattform deutscher Linksextremisten, der hat die Seite wohl noch nie besucht. Den Einfluss deutscher Ermittlungsbehörden auf eine Webseite in Sao Paulo sollte man auch nicht überschätzen.

21.06.2017 14:58 Heribert Hanke 11

Liebe mdr-Praktikanten, spart Euch doch den Kommentar zu den Kommentaren.

Denn ein Kommentar im Journalismus ist ein namentlich gekennzeichneten Meinungsbeitrag eines Autors, so wie es hier zur Verfügung gestellt wird.

Wenn Ihr das widerum kommentiert, weil es Euch nicht genehm ist, dann stellt doch die Kommentarfunktion ein.


Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:

Wie in jedem Bereich des gesellschaftlichen Lebens gibt es auch für die Kommentare dieser Webseite gewisse ethische Standards, die in unserer Netiquette festgehalten sind: http://www.mdr.de/service/rechtliche-hinweise/artikel124572.html
Und wir "Praktikanten" wollen mit unseren Anmerkungen eine Diskussionskultur fördern, die diesen Standards entspricht.

20.06.2017 22:19 Klaus 10

Es können doch nur die Linken gewesen sein, denn die Fakten sind klar:

1. Bekennerschreiben
2. Zeitpunkt (G20 Hamburg)
3. Ort: Leipzig (Hochburg)
und vor allem
4. so viel Unreife kann nur von den Linken kommen.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:

Bitte überlassen Sie das Ermitteln dennoch der Polizei.

20.06.2017 21:30 Gerda 9

warum benutzt man nicht endlich die Begriffe wie Linksterrorismus oder Linksfaschismus für diese Taten? Passt das nicht ins Bild?

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:

Die Ermittlungen der Polizei laufen noch. Die Polizei vermutet Linksextremisten hinter den Anschlägen. Konkrete Hinweise auf die Täter soll es jedoch noch nicht geben.

20.06.2017 18:37 Mediator an Barbara (7) 8

Liebe Barbara, auf indimedia.org kann jeder völlig anonym Inhalte einstellen.

Ich hoffe du verlierst deinen Glauben an die rechte Welt nicht, wenn da morgen ein Bekennerschreiben von Björn Höcke auftauchen sollte, der alle Schuld für die Anschläge auf sich nimmt und als Begründung angibt, dass ein deutscher Volksgenosse nicht Bahn fährt sondern mit seinem Volkswagen die Straßen des Führers nutzen sollte.

Scherz beiseite: Solange in dem Bekennerschreiben kein eindeutiges Täterwissen preisgegeben wird, solange kann man nicht einmal sicher sagen, dass hier die Täter schreiben. Falls doch, dann ist weiterhin offen, ob dann die richtige Gruppierung in dem schreiben als Täter benannt wird.

PS: Ich halte die Methoden von Rechts- und Linksextremisten so für ziemlich das hinterletzte. Kannst du dich auch zu so einer klaren Aussage durchringen? Versuchs mal... es tut nicht weh!

20.06.2017 14:06 Barbara 7

Ich denk ein Bekennerschreiben der Linken liegt vor, was ist den nun richtig, oder dürfen es die Linken nicht gewesen sein, Nazi , Rassisten wären besser gewesen, für diese Tat...................... man kann natürlich unbedingt alles schön reden und vor der Wahl so und so................

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:

Die Polizei vermutet Linksextremisten hinter den Anschlägen. Konkrete Hinweise auf die Täter soll es noch nicht geben. Die Ermittlungen laufen noch.

19.06.2017 21:49 Peter Meier 6

"Die Strafen müssen höher ausgelegt werden" Glaube ich nicht, die Bahn kann für die vorsätzlich herbrigeführten Probleme im Zivilprozess Schadenersatz von den Tätern verlangen, und der wird in die Millionen gehen, damit sind die Täter pleite, und weil Srrafen auch nicht per Privatinsolvenz abgeschüttelt werden können sind die Täter pleite bis an ihr Lebensende, keine Chance jemals über H4 zu leben. Mit minimaler Intelligenz hätten die Täter um das Risiko gewusst, also wird es um besonders Dumme gehen.

19.06.2017 19:28 Hallenser 5

Warum befragt der MDR nicht endlich mal den Bundesjustizminister Herrn Maas dazu, warum er solche linksextremistischen Hetzseiten im Internet nicht verbietet? Wie reagieren denn die Vertreter der verschiedenen Parteien im Magdeburger Landtag, der Kirchen und Vereine wie ``Halle gegen Rechts´´ auf diese Anschläge von Linksextremisten?


Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:

Bitte lesen Sie als Antwort auf Ihre Frage unsere Anmerkung zum Kommentar 6.

19.06.2017 19:18 Thorsten Köthe 4

Ich finde es scheiße Brandanschläge auf die Bahn zu verüben.Die Täter müßten hart bestraft werden.