Der Hallesche Einkaufspark
Der Globus-Markt in Halle will ins Zentrum ziehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Handel im Wandel Kunden shoppen verstärkt im Stadtzentrum

Große Einkaufsmärkte wie Globus in Halle reagieren auf den Wunsch ihrer Kunden, wieder mehr im Stadtzentrum einzukaufen. Der Markt plant bis 2020 in die Stadtmitte zu ziehen. Doch für die sogenannte "Grüne Wiese", also Einkaufsparks am Stadtrand, gibt es eine Perspektive für die Zukunft.

von Jan Möbius, MDR SACHSEN-ANHALT

Der Hallesche Einkaufspark
Der Globus-Markt in Halle will ins Zentrum ziehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

75 Prozent der Investitionen in den Handel würden aktuell in den Innenstädten getätigt, sagt Michael Schädlich, Wirtschaftswissenschaftler am Institut für  Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung  in Halle. "Bis vor fünf Jahren war das genau umgekehrt. Für uns ist das ein deutliches Zeichen, dass es bei den Kunden einen Trend weg von der Grünen Wiese gibt." Dabei würden die Ketten knallhart rechnen, bevor sie den Schritt in die Innenstädte wagen. So, wie Rewe-City in Halle. Dort haben innerhalb weniger Monate gleich zwei Filialen ihre Türen geöffnet. "Und Rewe macht das nicht, weil die Manager Halle lieben. Das sind Profis. Die Entwicklung ist ein Zeichen dafür, dass die Innenstadt boomt", so Schädlich.

Innenstädte wieder attraktiver

Noch vor wenigen Jahren sah das etwa in Halle anders aus. In der Innenstadt suchten Kunden vergeblich nach Supermärkten. Nach und nach rückte Edeka in die City. Nun bekommt die Kette immer mehr Konkurrenz. Neue Märkte schießen wie Pilze aus dem Boden, bestehende sollen sogar erweitert werden. Einzelhandelsvertreter wie Halles City Manager Wolfgang Fleischer machen das an einer wachsenden Attraktivität der Innenstädte fest: "Es hat sich viel entwickelt. Einkaufen wird durch viele Angebote wie Restaurants oder sogar Museen, die auf dem Weg liegen, zum Erlebnis. Das Angebot wächst, wer will da noch weite Wege zur Grünen Wiese am Stadtrand auf sich nehmen?"

Der Hallesche Einkaufspark
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Globus zieht in die Stadt

Große Handelsketten, die oft in den Centern auf den Grünen Wiesen zu finden sind, wollen diesen Zug nicht verpassen. Globus in Halle zum Beispiel will nun den Halleschen Einkaufspark am Stadtrand verlassen und ab 2020 in einem eigenen, neuen Markt auf einer Fläche von rund 9.000 Quadratmetern Lebensmittel und Waren deutlich dichter an der Stadt anbieten. Doch das kostet: 35 Millionen Euro lässt sich die Kette den Schritt in Richtung City kosten.

Eine alte Industrieanlage.
Auf diesem Industriegelände wird Globus ab 2020 näher am Kunden sein. Bildrechte: MDR/Jan Möbius

Der Hallesche Einkaufspark hingegen fürchtet nicht um seine Zukunft. Dennoch, so Center-Manager Holger Wandrey, müsse man Schritt halten und gegensteuern. Dazu soll sogar ein Betriebskindergarten entstehen, um den Standort mit jetzt 60 Läden für Ketten mit jungen Mitarbeitern attraktiv zu machen. Ob dieser Spagat zwischen Handel und Mitarbeiter-Fürsorge gelingt, bleibt abzuwarten.

Neue Perspektiven für Grüne Wiese

Doch auch für die Grüne Wiese sehen Wirtschaftsexperte wie Michael Schädlich eine Zukunft: nämlich als Fachmarktzentren mit Möbeln und Baustoffen. Oder mit Bekleidungsläden wie im Outlet-Center Brehna. Dass das Konzept dort aufgeht, zeigen die Pläne. Bis Mitte 2018 soll die Verkaufsfläche an der A9 zwischen Bitterfeld und Halle von 11.000 auf 18.000 Quadratmeter wachsen.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18.06.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/sp

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 08:28 Uhr

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6 Kommentare

19.06.2017 16:30 Oma Gitte 6

Beim Kauf von Lebensmitteln hat man die alternde Generation einst nicht bedacht. Kein Rentner möchte und kann auf Dauer weit fahren. Das Problem sieht man doch auf dem Land. Wer nicht mehr fahren kann zieht Richtung Stadt.

19.06.2017 15:58 Alex Lüge 5

Alles richtig gemacht, die Jahreskarte fūr den MDV habe ich in die andere Richtung, da kann man von Stadt sprechen. Ihre Wissenslücke zwecks Bausparer sollten Sie auffrischen...kein Normaldenkender baut mit so ein Darlehen. Schöne Grüße vom bezahlten Wassergrundstück, einkaufen muß ich nicht, macht der Bringeservice.

19.06.2017 11:50 Nichts ist leichter zu erreichen, als Halles Innenstadt 4

@19.06.2017 09:57 alex lüge (3 Aha das ist ja interessant, wo jeder Meter mit dem Auto gefahren wird, die Städte jetzt schon nicht mit Parkangeboten überhäuft sind, ist dies kaum glaubhaft. Speziell Halle, es ist ein Graus sich der Innenstadt Halles zu nähern, die ausgewiesenen Parkhäuser mit überzogenen Preisen, sind wohl kein Anreiz dort in einen Kaufrausch zu verfallen.)

Es ist absolut keinerlei Problem, sich Halles Innenstadt zu "nähern". Stellen Sie Ihre Karre draussen ab, steigen Sie in die Tram und Sie werden direkt in's Zentrum fahren können.
Was Sie und Ihresgleichen möchte, ist etwas ganz anderes: Bis vor die Tür fahren, die Innenstädte als Parkplatz, möglichst noch kostenlos, "nutzen" und anschliessend wieder in die Bausparer-Suburbia zurückfahren. Offensichtlich betrachten das immer mehr Menschen als einen nicht wünschenswerten Lebensstil. Gut so.

19.06.2017 09:57 alex lüge 3

Aha das ist ja interessant, wo jeder Meter mit dem Auto gefahren wird, die Städte jetzt schon nicht mit Parkangeboten überhäuft sind, ist dies kaum glaubhaft. Speziell Halle, es ist ein Graus sich der Innenstadt Halles zu nähern, die ausgewiesenen Parkhäuser mit überzogenen Preisen, sind wohl kein Anreiz dort in einen Kaufrausch zu verfallen.
Der obere Boulevard in Halle, ist dem Verfall preis gegeben, kein Händler zieht es dort hin, ausser die aufstrebende Migrationsgastronomie.
Wie weit würde Globus laut Beitrag denn in die Stadtnähe ziehen, das ehemalige Industriegelände (ehemals Baumarkt) liegt Luftlinie keine 2 km entfernt. Wer vorher nicht zu Globus wollte, wird auch dorthin nicht kommen.

19.06.2017 07:50 Anna Müller 2

Für viele kleine Städte kommt der Trend leider zu spät. Insbesondere dort wo kein Lebensmittelmarkt > 800 qm Verkaufsfläche hin passt.

19.06.2017 07:30 Nomen est omen 1

("Und Rewe macht das nicht, weil die Manager Halle lieben. Das sind Profis. Die Entwicklung ist ein Zeichen dafür, dass die Innenstadt boomt", so Schädlich.)

Markige Worte aus "Expertenmund" - man spürt förmlich den Realitätsdruck und die "knallharten Profis", die sich dem Druck stellen. Peinlich und vielsagend nur, dass die Schädlichs und andere "Experten" und "Wirtschafts"wissenschaftler" vor "20 Jahren" das exakte Gegenteil dessen, was seit Jahren der schlichte Fall ist, prophezeit hatten.
Weshalb die sog. Politik auch nichts gegen die Streusiedlungen und Mega-Märkte auf der einstmals grünen Wiese unternommen hat.

Das eigentlich Bemerkenswerte an diesem Bericht ist der quasireligiöse Glaube an die "Experten", der hier bestens illustriert wird - der Rest ist ganz normales Reagieren des Handels auf die Umstände, unter denen er betrieben wird. Und das ist schlicht trivial. Den Verweis auf den Rest der Expertengrossvoraussagen der letzten Jahre erspare ich mir hier mal.