Grundschule Rosa Luxemburg in Halle-Neustadt
Die Schulleiterin der Grundschule "Rosa Luxemburg" in Halle-Neustadt zeigt einen viel zu kleinen Klassenraum. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bildungsnotstand Zum Unterricht auf den Schulflur

Dass an Schulen Lehrer fehlen, ist schon fast nichts Neues mehr. Eine Grundschule in Halle-Neustadt hat dazu noch ein ganz anderes Problem: Die Schule platzt aus allen Nähten. Ein passendes Gebäude war zuvor abgerissen worden.

Grundschule Rosa Luxemburg in Halle-Neustadt
Die Schulleiterin der Grundschule "Rosa Luxemburg" in Halle-Neustadt zeigt einen viel zu kleinen Klassenraum. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schulleiterin Corina Kups ist langsam aber sicher verzweifelt. Sie hat die Verantwortung für 200 Kinder, die auf die Grundschule "Rosa Luxemburg" in Halle-Neustadt gehen. Das Gebäude sei eigentlich als Kindergartenbau konzipiert und für die jetzige Kinderzahl völlig ungeeignet. Kups zeigt den langen, etwa einen Meter schmalen Gang, der zu den Essensräumen führt. "Und jetzt stellen Sie sich 80 bis 100 Kinder vor, die sich hier anstellen, um zu essen", sagte sie MDR SACHSEN-ANHALT.

Grundschule Rosa Luxemburg in Halle-Neustadt
In diesem engen Flur stehen mittags bis zu 100 Kinder an und wollen Mittagessen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Genau wie der Gang zu schmal ist, sind auch die Klassenräume zu klein. Wenn die Kinder sitzen, stoßen sie mit den Lehnen ihrer Stühle schon an den Tisch der nächsten Schulbank. "Hier ist Gewaltpotential da, die Kinder sind sehr nah an dem Vordermann dran", zeigt die Schulleiterin. Sie wünscht sich eine Begrenzung der Klassenstärke, würde am liebsten eine Sitzreihe pro Raum weglassen können. Besonders die erste Reihe stünde zu nah an der Tafel, dazwischen passe kaum noch der Lehrer. Für die Kinder ganz vorn kein angenehmes Lernen. "Diese Präsenz vom Lehrer ist erdrückend", so Kups.

Tische und Stühle im Schulflur

Auch die schlechte Luft sei in den kleinen Räumen mit zu vielen Kindern ein Problem. "Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem überfüllten Bus. Wie fühlt man sich da. Dann soll man noch lernen, sich konzentrieren, man soll Freiarbeit machen", beschreibt die Schulleiterin. Doch das ist immer noch besser als gar kein Unterricht. Der fällt nämlich oft genug aus, so auch am Freitag.

Am Freitag hätte Erik, der in die 3. Klasse geht, eigentlich fünf Stunden gehabt. "Mathe, Mathe, Deutsch, Deutsch und Schulspezifischer Unterricht", erzählt der Kleine. Seine Großmutter, die ihn von der Schule abgeholt hatte, sagt resigniert: "Unser Enkel hatte heute keinen Unterricht, die haben heute praktisch nur gespielt." Das sei mittlerweile einen Tag pro Woche so. Den Kindern fehlen damit wichtige Noten, die sie aber spätestens für den Wechsel auf andere Schulen brauchen.

Grundschule Rosa Luxemburg in Halle-Neustadt
Die Grundschule, die eigentlich als Kindergarten gebaut wurde. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schulleiterin Kups sah das Problem von Anfang an kommen. Sie musste mit einer Unterrichtsversorgung von nur 96,5 Prozent ins Schuljahr starten. "Zusätzlich kommen langzeitkranke Lehrer", sagte sie. Zu wenig Lehrer und zu wenig Platz – das führte sogar schon dazu, dass Kinder den Unterricht auf dem Flur verbringen mussten. "Weil die keinen Lehrer hatten", erzählt die Großmutter von Erik. Eine Lehrerin hatte sich um zwei Klassen kümmern müssen – und die kann sie nicht im Auge behalten, wenn sie in zwei verschiedenen Räumen sitzen. Also wurden Tische und Stühle im Flur aufgestellt. 

Mehr Schüler durch Zuwanderung

Grundschule Rosa Luxemburg in Halle-Neustadt
Schulleiterin Kups würde ihren Schützlingen gern bessere Bedingungen bieten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Absurde: Das eigentliche Schulgebäude war vor wenigen Jahren erst abgerissen worden. "Als man dachte, man hat den Bedarf nicht mehr", erinnert sich Kups. Die Schule sollte sogar komplett geschlossen werden. "Durch die Zuwanderung haben wir jetzt ganz andere Kinderzahlen", erklärt sie. Einen Lichtblick gibt es zumindest: Ab nächstem Jahr soll die Grundschule, die vom Gebäude her eigentlich ein Kindergarten ist, brandschutztechnisch saniert werden. Dann müssen Schüler und Lehrer in ein Gebäude in einem anderen Stadtteil ausweichen – und haben dort wohl zum ersten Mal genug Platz.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 10.11.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/lk

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2017, 21:17 Uhr

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2 Kommentare

11.11.2017 10:46 Holger 2

Dieses Land steht kurz vorm Mega Gau und mit den grünen in der Regierung wird das Ganze noch beschleunigt.

11.11.2017 05:15 Harzer 1

Ihr Gutmenschen; wir schaffen das !!!! So etwas was Merkel sagte ,kann nie klappen! Begreift endlich,das Hunderttausende Wohnungen, Schulen, Ärzte usw. brauchen! Irgend wann läüft das Faß über.