Helmut Kohl
Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl ist tot. Bildrechte: dpa

Zum Tod von Helmut Kohl Haseloff: "Wir wissen, was wir ihm verdanken"

Altkanzler Helmut Kohl ist tot. Ministerpräsident Reiner Haseloff zeigte sich tief betroffen. Kohl habe eine entscheidende Rolle in der deutschen Wiedervereinigung und für die wirtschaftliche Entwicklung Sachsen-Anhalts gespielt.

Helmut Kohl
Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl ist tot. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat sich tief betroffen über den Tod von Helmut Kohl geäußert. Haseloff sagte am Freitag MDR SACHSEN-ANHALT, ihn hätten viele persönliche Treffen sehr geprägt. Ohne Helmut Kohl hätte es die deutsche Wiedervereinigung "nicht und auch nicht so" gegeben: "Wir wissen in den neuen Bundesländern, was wir ihm verdanken. Das wird ewig in unserer Erinnerung bleiben."

Haseloff ist sicher, dass Helmut Kohl über Jahrhunderte ein Kapitel der deutschen Geschichte bleiben wird. Ohne sein Mitwirken wäre nicht denkbar gewesen, was in der Folge des Zweiten Weltkriegs entstanden sei. Er habe zu Gorbatschow, Bush, Mitterrand und Thatcher gute Beziehungen aufgebaut. So habe er Vertrauen für das wiedervereinigte Deutschland geschaffen. Der Fall des Eisernen Vorhangs und das Projekt Europa seien für immer mit dem Namen Helmut Kohl verbunden, sagte Haseloff.

Spitzenpolitiker würdigen den Altkanzler

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete Helmut Kohl als "Glücksfall für uns Deutsche". Er habe auch ihren Lebensweg entscheidend verändert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hob Kohls Einsatz für das Zusammenwachsen in Europa hervor.

Wir trauern um einen großen Staatsmann – sein Werk wird Bestand haben.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

SPD-Landeschef Burkhard Lischka sagte: "Bei aller Kritik, Helmut Kohl war ein großer Europäer, ohne den das heutige Europa und die deutsche Einheit nur schwer vorstellbar sind." Ähnlich äußerte sich der Landesvorsitzende der Grünen, Christian Franke. Der langjährige CDU-Landesvorsitzende Karl-Heinz Daehre unterstrich Kohls Engagement für Ostdeutschland und für die deutsche Einheit. Kohl bleibe ihm in Erinnerung als jemand, der standfest gewesen sei.

Kritisch äußerte sich die Linke über Kohl: Landeschef Andreas Höppner sagte, Kohls Versprechen der blühenden Landschaften habe Hoffnungen geschürt, die enttäuscht worden seien. Der Vorsitzende der AfD, André Poggenburg, bezeichnete Helmut Kohl als durchsetzungsstarken Vollblutpolitiker, erinnerte aber zugleich an die Schwarzgeld-Affäre in der Kohl-Ära.

Kohl förderte Sachsen-Anhalts Wirtschaft

In Sachsen-Anhalt ist der Name Kohl eng mit der Leuna-Raffinerie verbunden: Als Bundeskanzler war er an den Verhandlungen beteiligt, die zum Verkauf des Werkes an den französischen Staatskonzern Elf Aquitane (heute: Total) im Jahr 1992 geführt haben. Durch den Verkauf und die nachfolgenden Investitionen des Konzerns konnte der Wirtschaftsstandort im Land erhalten werden.

Die Rolle, die Kohl dabei gespielt hat, würdigt auch Haseloff: "Die Entscheidung, das Chemiedreieck und die Reindustrialisierung im Lande in den 1990er Jahren nach vorne zu treiben und damit das Chemie-Dreieck wieder zu revitalisieren, war eine der strategisch bedeutsamsten Entscheidungen. Sie hat dazu geführt, dass viele tausende Arbeitsplätze neu entstehen konnten."

Zugleich ist "Leuna" ein Schlagwort, das für eine Schattenseite Kohls steht: Im Zusammenhang mit den Verkaufsverhandlungen sollen Schmiergelder aus Frankreich in Kassen der CDU geflossen sein, berichtete die ARD im Jahr 2000. Helmut Kohl hatte die Berichte als absurd zurückgewiesen.

Zwischenfall in Halle

Nachdem Bundeskanzler Helmut Kohl am 10. Mai 1991 vor dem Stadthaus in Halle von einem Demonstranten mit Eiern beworfen worden ist, versucht der in Wut geratene Kanzler sich mit eibeschmierter Jacke einen Weg durch die ihm ansonsten zujubelnde Menge zu bahnen, um den Täter ausfindig zu machen.
Bei einem Halle-Besuch 1991 wurde Kohl mit Eiern beworfen. Bildrechte: dpa

Bei einem Besuch in Halle am 10. Mai 1991 wurde Helmut Kohl mit Eiern beworfen. Überraschend stürmte er in Richtung des Eierwerfers. "Da ich nicht die Absicht habe, wenn jemand vor mir steht und mich bewirft, davonzulaufen, bin ich eben auf die zu und da stand ein Gitter dazwischen und das war von Nutzen – für wen, habe ich nicht gesagt, das überlasse ich ihnen", sagte Kohl anschließend zu Journalisten.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16.06.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mh

Zuletzt aktualisiert: 16. Juni 2017, 19:46 Uhr

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23 Kommentare

19.06.2017 11:02 Wessi 23

@ 21 die was bitte? Sie verwechseln Kohl mit dem frei gewählten Mann, der Deutschland in einen Krieg stürzte und die Sowjetunion überfiel."Nord-Ostpreussen" haben die mordenden,terroristischen Teutonen selbst verspielt. Kohl mag sich vielfach fehl verhalten haben,ihm aber nun anzulasten,daß er Konsequenzen aus dem deutschen Völkermorden real denkend hingenommen hat,läuft unter "Geisteskrankheit",lassen Sie sich mal untersuchen.

19.06.2017 05:27 Demokrat 22

In Kohls Amtszeit sind doch eine Menge an Skandalen passiert, nicht nur die Spendenaffäre am Ende, sondern auch Korruption im Zusammenhang mit Treuhandvermögen (z.B. "freihändige" Vergabe der "Freien Presse" an einen Kohl-nahen Verlag) oder der Schmiergeldskandal um Leuna. Die jetzt erfolgenden Heiligsprechungen durch die Vergesslichen aller Farben (witzigerweise einschließlich der AfD) ist völlig daneben. Denn an der deutschen Wiedervereinigung hat er auch kaum einen Anteil. Die haben die Ostdeutschen auf der Straße ermöglicht und dank Reformer Gorbatschow im Kreml wurde sie nicht durch die sowjetische Besatzungsmacht verhindert. Auch die letztliche Zustimmung der Skeptiker im Westen (u.a. Thatcher) war eher den USA zu verdanken als Kohl. Ob übrigens die "Wiedervereinigung" so eine Erfokgsgeschichte ist oder ob es nicht einen besseren Weg für demokratisierte DDR unter Beibehaltung der staatlichen Unabhängigkeit gegeben hätte, darüber darf man auch mal nachdenken.

18.06.2017 01:51 Agnostiker 21

Die (Nord) Ostpreussen und die enteigneten Mauergrundstuecksbesitzer wissen auch, was sie ihm "verdanken".
Und warum sie "sein Maedchen" landlaeufig "Honeckers Rache" nennen, erschliesst sich mir nicht, ist die "offene Gesellschaft" doch etwas, wovon man in der DDR nicht zu alptraeumen wagte.

Der "Kanzler der Einheit" war gleichzeitig der Verhinderer eines souveraenen Deutschlands!
Eine geschichtliche Tatsache, die NIE vergessen werden sollte!

18.06.2017 23:21 Walter 20

@14. Es äußerst selten, aber Ihren Kommentar stimme ich vollständig zu.

Danke Herr Kohl.

Mehr ist wirklich nicht zu sagen.

Niemand ist frei von Fehlern. Wie ist es mit dem Werfen des ersten Steines.

18.06.2017 17:12 Barbara 19

@ 1 7 richtig Schicksale ja, wieviel haben sich nach der Wende sich das Leben genommen, weil diese nicht zurecht gekommen sind , ohne das sich diese Menschen was zu schulden kommen lassen, gibt es da auch eine Statistik darüber , es gab Menschen denen man die Höhle heiß gemacht hat ohne das diese je ein Mord noch sonst etwas begangen haben, das sollte man auch nicht vergessen.

18.06.2017 16:42 Mediator 18

Allen die die Geschwindigkeit der Wiedervereinigung kritisieren sei der Artikel „Wieso kommen die noch?“ aus dem Spiegel 8/90 zur Lektüre empfohlen.
Deutschland Ost und West hatten damals ein massive Problem mit Wirtschaftsflüchtlingen in der Größenordnung 10.000 pro Woche. Das Thema DDR wäre damit über kurz oder lang selbst erledigt gewesen.
@Barbara(16):
Geschichtliche Gelegenheiten unterschieden sich massiv vom Sonderangebot bei Discounter! Erstere ergeben sich evtl. nur alle Jahrzehnte und ob man sie ergreifen und nutzen kann, dass hängt vom Geschick, der Persönlichkeit und Willen der Beteiligten ab. Ansonsten das übliche rumgejammer Mimi .. es gab nichts mehr aus der DDR heraus zu holen ... Kennt man ja schon von dir!
@Mike(17): Ich denke sie irren , wenn sie glauben, dass die Bürger der DDR 2 Jahre gewartet hätten um zu erfahren, ob und wie es mit ihrem Land weitergeht. Die Leute sind zu hunderttausenden abgehauen! Große Umwälzungen haben eben immer Gewinner UND Verlierer.

18.06.2017 13:50 Mike 17

genau, umbau eines alten hauses. dazu gehört nicht nur putz runter neuer drauf, tapete und fertig. das was unter dem putz ist, muss auch bearbeitet werden. kaputte steine, fehlende fugenmassen. böden begradien, sehen wo die balken morsch oder mit holzwürmer durchzogen. hätte kohl damals gesagt, wir lassen uns zwei jahre zeit um das alte gemäuer zu stabilisieren...
naja, so sind binnen monate das ehw mit 7000 beschäftigte auf 400 reduziert, andere firmen im altkreis quedlinburg erging es kaum besser. dieses schnell schnell werfen die 6600 kohl vor. später vor einer bundestagswahl. sagte er selber, ja ich habe fehler gemacht. anscheinend waren das leere worte, da kam es dann zu den unmutsäusserungen anderer, ob das faule eier waren oder kohlköpfe. hinter jedem stecken schicksale, die mit kohl hätten auch nicht so kommen müssen.

18.06.2017 13:39 Barbara 16

Er hatte wie gesagt bereits ein leichtes Spiel mit
der Wiedervereinigung jeder andere hätte dies damals auch gebracht, aber menschlich war er zu seiner Familie absolut nicht, das gehört aber auch dazu, Hannelore war eine sehr kluge Frau, wenn Russen nicht mitgespielt hätten wäre es anders ausgegangen. Aber es war nichts mehr zu holen aus der damaligen DDR , deswegen haben diese uns auch fallen lassen.

18.06.2017 13:36 Wessi 15

Kohl wäre wohl ohne die deutsche Vereinigung abgewählt worden.Obschon ich seine Leistung in Sachen europäische Vereinigung+Euro sehr achte, wäre ich ein Heuchler nicht zu sagen,daß sein Verstoß gg. Gesetze, also das Verschweigen von Spendernamen nicht alles,was er gut gemacht od. mindestens gedacht hat,das Positive fast total revidiert hat.Kohl hatte Machtinstinkt+die deutsche Vereinigung rettete ihm die Kanzlerschaft.Diejenigen,die ihn ab 1990 gewählt haben sollten sich auch fragen lassen,was sie damit erreicht haben...positiv und negativ!Er war am Ende ein kranker+verbitterter Mensch,der zwar mit seinen innerparteilichen Gegnern, aber nicht einmal, altersweise, mit seinen kritischen Söhnen Frieden machen konnte.@ 12 ...die TREUHAND kam m.i.t Kohl+seinen Wählern (im Osten).NICHT danach.

18.06.2017 09:31 Mediator 14

Helmut Kohl war ein Mensch und als solcher hat seine Persönlichkeit sicherlich Licht und Schattenseiten.

Als Politiker war Kohl ein ganz großer, ein Staatsmann und eine Ausnahmeerscheinung in unserem Land. Die Gelegenheit zur Wiedervereinigung ergriffen zu haben war sein großer nie zu vergessender Verdienst. Alle die Herrn Kohl ihre persönlichen negativen Wendeerlebnisse zuschreiben sollten sich einmal fragen, wo stünde das Land DDR heute ohne die Wiedervereinigung. Auch alle Fehler dieses Prozesses sollten unter dem Gesichtspunkt der Größe dieser Aufgabe gesehen werden. Wer schon einmal ein altes Haus umgebaut hat, der kann ein Lied davon singen, wie wenig berechnbar dieser Prozess ist. Für den Zusammenschluss zweier massiv unterschiedlicher Staaten gilt dies doppelt.

Helmut Kohl war ein großer Deutscher und ein großer Europäer. Dies, seine Persönlichkeit sowie seine politische Verlässlichkeit ermöglichte es, die Wiedervereinigung international durchzusetzen.

Danke Herr Kohl!