Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Haseloff zur Hochwasserhilfe "Wir sind als Land gefordert"

Nach dem Hochwasser im Harz ist die Verzweiflung bei vielen Betroffenen groß. Die Schadensaufnahme soll in den kommenden Tagen vorerst abgeschlossen werden. Ministerpräsident Reiner Haseloff erklärt im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT, wie geholfen werden soll.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff
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Nach dem Hochwasser im Harz werden immer mehr Stimmen laut, dass das Land helfen muss – und zwar möglichst schnell. Viele Betroffene sind verzweifelt. Sie wünschen sich Unterstützung. Ministerpräsident Reiner Haseloff erklärte am Sonntag im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT, wie und wann geholfen werden soll. In den kommenden Tagen ginge es zunächst um die Schadensaufnahme und nicht um Soforthilfe.

MDR SACHSEN-ANHALT: Herr Ministerpräsident, Sie waren gestern in den Flutgebieten. Einige fragen sich: Warum erst jetzt?

Reiner Haseloff: "Wir sind die ganze Zeit mit allen technischen Kräften, die wir haben, vor Ort gewesen. Es ging erstmal darum, wirklich die akuten Gefahren abzuwehren. Jetzt geht das Wasser langsam zurück. Jetzt ist erkennbar, wo die Schäden sind. Und jetzt ist Politik gefragt. Denn wir müssen jetzt sehen, wie wir zur Schadensregulierung kommen und dazu brauchen wir ein Gesamtbild. Das wird in den nächsten Tagen erarbeitet. Es wird an bestimmten Stellen sogar noch dauern, weil überall noch Wasser ist. Aber wir denken, dass wir in dieser Woche mit den Bürgermeistern gemeinsam eine Bilanz erstellen können."

Sie haben die Schadensregulierung angesprochen. Wird es Hilfen vom Land geben für die Betroffenen?

"Wir werden auf jeden Fall alles wieder instand setzen, was da ist, auch notfalls umbauen. Denn wir haben gemerkt, dass so ein Zweihundertjahrhochwasser eine Herausforderung darstellt, die keiner bislang erlebt hat. Die technischen Dinge, die dort in Form von Wehren oder Gräben da sind, sind für deutlich weniger Wassermassen geplant und gebaut gewesen. Jetzt müssen wir das an die neuen Spitzenwerte anpassen. Das wird eine Herausforderung, aber wir werden das gemeinsam leisten."

Das klingt erstmal nur nach Hochwasserschutz. Wird denn auch den privaten Hausbesitzern geholfen?

"Die ganzen letzten Tage waren dadurch geprägt, dass die akute Gefahrenabwehr gelaufen ist. Dass möglichst die Menschen geschützt werden beziehungsweise auch in Sicherheit gebracht werden. Es ist jeder untergerbacht, jeder ist versorgt. Das war das Erste und jetzt geht es sukzessive mit dem Rückgang des Wassers darum, die Schäden zu ermitteln – auch an den privaten Grundstücken, an den Häusern. Da war ich gestern mit den Bürgermeistern unterwegs. Wir wissen, dass das Schadensbild sehr, sehr vielfältig ist, dass wir an vielen Stellen Versicherungsschutz haben, an anderen Stellen möglicherweise Probleme bekommen. Das wird jetzt gerade von den Bürgermeistern erfasst. Ich habe auch schon mit den Versicherungsvertretern gesprochen. Es wird da ganz schnell abgearbeitet. Wichtig ist, dass die Aufträge ausgelöst werden können und dass wir, bevor es nächste mögliche Witterungseinflüsse gibt, möglichst schon die wichtigsten Dinge erledigt haben."

Wir wissen auch jetzt noch nicht, wie hoch der Schaden ist.

Ministerpräsident Reiner Haseloff

Haben Sie schon eine konkrete Summe zurückgestellt für die Schadensregulierung?

"Schaden kann man nie planen. Wir wissen auch jetzt noch nicht, wie hoch der Schaden ist, weil oftmals das Wasser noch steht und auch in den Kellern noch nicht ausgepumpt werden konnte beziehungsweise der Grundwasserspiegel noch nicht wieder hergestellt ist, sodass man auch die letzten Schäden noch nicht erkennen kann. Deswegen werden jetzt, so habe ich das gestern auch vereinbart mit den Bürgermeistern, in den nächsten Tagen Haus für Haus und Objekt für Objekt diese Schadensermittlungen vorgenommen. Die Versicherungsvertreter werden das alles bewerten und wir werden diese Woche nutzen, um für den Landkreis dann zu einer vorläufigen Summe zu kommen – für die einzelnen Bereiche, sei es im Bereich Hochwasserschutz, sei es im Bereich der Straßenbaumaßnahmen, aber auch der privaten Immobilien. Und dann müssen wir im Kabinett entscheiden, wie wir finanztechnisch damit umgehen. Wir werden auf jeden Fall eine Lösung finden."

Sie haben bis jetzt als Zeitrahmen den 8. August, bis dahin wollen Sie alles erfasst haben. Gibt es schon einen Plan für danach?

"Die Woche brauchen wir jetzt wirklich, um erstmal das Wasser noch zurückgehen zu sehen. Und auf der anderen Seite auch die Bürgermeister jetzt rechnen und bewerten zu lassen – auch mit den Fachbehörden, zum Beispiel mit dem Hochwasserschutzbetrieb. Wenn wir das dann zum Ende der Woche haben, dann werden wir zum Wochenende eine Kabinettsvorlage machen. Dann werden wir sehen, was ist durch reguläre Fördermöglichkeiten abgedeckt, aber wo haben wir gegebenenfalls auch Lücken. Ich habe auch mit dem Finanzminister schon Kontakt gehabt, sodass wir auch wissen, dass wir da als Land nochmal gefordert sind. Da werden wir uns dann gegebenenfalls auch mit dem Parlament noch einmal entsprechend mit diesem Problem auseinandersetzen müssen. Ich habe aber Signale aus dem politischen Raum, dass wir alle an einer schnellen Lösung interessiert sind."      

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 30.07.2017 | 19 Uhr

Quelle: MDR/dg

Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2017, 19:10 Uhr

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3 Kommentare

31.07.2017 12:46 SGDHarzer66 3

Haseloff verspricht viel, wenn der Tag lang ist. Solch einem Hobbypolitiker sollten die Menschen nicht vertrauen. Dennoch wünsche ich allen betroffenen Bürgern hier im Harz das sie die Situation meistern.

30.07.2017 00:19 Martin Vomberg 2

@ Hochwasser 2017
".....Jedem Anderen wird auch geholfen in Deutschland"
Sie sagen es selber: JEDEM wird in Deutschland geholfen. Somit spricht nichts dagegen, dass beizeiten auch den Geschädigten der aktuellen Hochwasserkatastrophe geholfen wird!
"Auch Angeblichen Kriegsflüchtlingen .....Die nicht 1€ in unserer Sozialsystem eingezahlt haben"
1. Was solle diese unzulängliche Verquickung mit einem völlig themenfremden Bereich?
2. Kriegsflüchtlinge genießen in Deutschland ein Recht auf Asyl und somit auch auf staatliche Zuwendungen, so wie jeder andere in diesem Land lebende Mensch Anspruch auf staatliche Leistungen hat!
3. Dass Kriegsflüchtlinge hierzulande zuvor nicht in die staatlichen Sicherungssysteme eingezahlt haben können, liegt wohl in der Natur der Sache! Warum also dieser völlig deplatzierte, polemische Hinweis?
4. Sie sollten weniger gegen Minderheiten polemisieren und pauschalisieren und stattdessen vielleicht ein paar Sandsäcke tragen oder Keller auspumpen helfen!

30.07.2017 19:45 HOCHWASSER 2017 1

Hoffe das den Leuten geholfen wird....Nach dieser Natur Katastrophe.....Jedem Anderen wird auch geholfen in Deutschland.....Auch Angeblichen Kriegsflüchtlingen .....Die nicht 1€ in unserer Sozialsystem eingezahlt haben