Sachsen-Anhalt

Streit um Ex-Straftäter : Linke greifen Insel-Bewohner verbal an

Rund 100 Linke sind am Sonntagnachmittag durch das Altmarkdorf Insel gezogen. Nach Berichten eines MDR-Reporters zeigten sie Transparente und riefen Parolen, die sich zum Teil auf beleidigende Weise gegen die Dorfgemeinschaft richteten. Laut Polizei blieb alles ruhig. Die Demonstration war angemeldet worden, um gegen den Umgang mit zwei früheren Sexualstraftäter im Ort zu protestieren. Das "Bündnis 8. Juli" schrieb auf seiner Internetseite, die Versammlung richte sich gegen die "Lynchmeute vor Ort" und "Zugeständnisse der Landesregierung an dem Dorfmob". Die Polizei hatte mit 150 Teilnehmern aus dem linken Spektrum gerechnet.

Linke demonstrieren in Insel
Eines der harmloseren Plakate der linken Demonstranten.

Die Polizeidirektion Nord hatte die Demonstration ursprünglich verboten, weil sie Störungen und Straftaten befürchtete. Das Verwaltungsgericht Magdeburg teilte diese Ansicht. Am Freitag aber kippte das Oberverwaltungsgericht das Verbot mit der Begründung, man sehe die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet. Die Polizei sah schließlich davon ab, das Bundesverfassungsgericht anzurufen, da sie die Erfolgsaussichten als zu gering einschätzte. Eine Polizeisprecherin sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Sicherheit in Insel werde mit genügend Einsatzkräften gewährleistet.

Ortsbürgermeister: Linke sind Gewaltbereite

Insels Ortsbürgermeister Alexander von Bismarck hatte geschockt auf die Demonstrationserlaubnis reagiert. Er sagte der "Stendaler Volksstimme", er könne nicht verstehen, dass so eine Provokation zugelassen werde. Linke seien immer auch Gewaltbereite. Dass die Gerichte das mitmachten, könne er nicht begreifen.

In Insel schwelt seit Monaten der Streit um zwei ehemalige Sicherheitsverwahrte, die im August 2011 in das Altmarkdorf gezogen waren. Bei einer Bürgerversammlung waren die Einwohner über den Zuzug der 54 und 64 Jahre alte Männer aus Baden-Württemberg informiert worden. Anschließend gab es immer wieder Proteste und heftige Anfeindungen, begleitet auch von Anhängern der rechtsextremen NPD. Anfang Juni eskalierte die angespannte Lage, als Demonstranten das Haus der beiden Männer stürmen wollten. Daraufhin fuhren die Parlamentarier Sachsen-Anhalts nach Insel, um ein Zeichen für Toleranz und das Recht auf Reintegration zu setzen. Anfang Juli reiste Ministerpräsident Reiner Haseloff erneut in das Dorf, um persönlich in dem Konflikt zu vermitteln.

Ex-Häftlinge in Insel: Das Hin und Her im Fall Insel

Der Streit um zwei Ex-Häftlinge und Neu-Bewohner des Stendaler Ortsteils Insel schwelt seit anderthalb Jahren. Lesen Sie hier, was in der Vergangenheit passiert ist. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 08. Juli 2012, 17:55 Uhr

15. claudi:
Hoffentlich wird es noch viele weitere Demos für die Achtung der Menschenrechte geben.Demokratie ist kein Boxstall für frustrierte und beschränkte ExDDR-Leute!Das sollte auch der Innen- und die Justizministerin kappieren.Ich habe da aber nur begrenzt Hoffnung dass sich hier das gute durchsetzt!
09.07.2012
21:59 Uhr
14. RolfS48:
Alle, die von Demokratie reden, sollten sich auf "Wikipedia" einmal anschauen, was "Demokratie" heißt, Aristoteles hat sich auch schon darüber geäußert und mußte einlenken.
09.07.2012
14:12 Uhr
13. christian:
Die Insel-Bewohner haben sich ihre Misere selbst zuzuschreiben!Blinder Hass verursacht Widerstand!
09.07.2012
13:57 Uhr
12. Codo:
@Uwe: beide Daumen hoch! Schade, dass es an den Linken hängengeblieben ist für Rechtsstaatlichkeit zu demonstrieren. Das hätte man eigentlich von den anderen demokratischen Kräften auch verlangen können. Wo ist denn hier z.B. die FDP?? Das wär doch deren Thema... Oder der Herr MP Haselhoff?? Nur weit entfernte Lippenbekenntnisse...
09.07.2012
13:51 Uhr
11. christian:
Ich begrüße diese Demonstration!Dass die ostdeutschen chronisch beleidigt sind ist bekannt.Folglich ist der mdr Bericht auch kein Wunder,auch die Zensur hier im Forum nicht.Schade,nach mehr als 20 Jahren...
09.07.2012
13:43 Uhr
10. Frederike:
@4. Enrico Pelocke: Links ist sehr wohl automatisch gewaltbereit.
09.07.2012
12:49 Uhr
9. R.O.:
Ich finde es sehr seltsam, dass jetzt aus Insel solche Töne dringen. Denn eine breite Masse der Bewohner hat hier die Menschenrechte zweier Personen mit Füßen getreten und sich dabei nicht gescheut den Schulterschluss mit Neonazis zu suchen. Dabei wurde durch genau die Leute, welche sich jetzt über - zugegeben niveaulose - Parolen aufregen, zur Lynchjustiz aufgerufen und diese in Ansätzen auch in die Tat umgesetzt (Stürmung des Hauses). Dies scheint umso weniger verständlich, da ja bekannt ist, dass sich in ihren Reihen selbst eine Person befindet, welche eine ähnliche, wenn nicht gar gleiche, Tat (Vergewaltigung) begangen hat, wie die zwei Opfer dieser Vorverurteilung.
09.07.2012
12:49 Uhr
8. Frederice:
Norbert hat also mit fast allen Deutschen geredet und weiß was sie denken, hoffentlich schreibt er bald ein Buch, es könnte aufschlußreich sein. Zum Beispiel könnte es darüber aufklären, warum ein [...] wie Herr Bismarck aufeinmal so große Probleme mit angeblichen Gesetzesbrechern wie dem dortigen autonomen Black Block bzw. doch nicht so ganz Black Block aber halt irgendwie Autonom hat. Und N. könnte ja die dortigen Polizisten mal fragen wie oft sie den Steinen ausweichen...pardon Pferdeäpfeln ausweichen musste und wer schuld an diese war. Festhalten kann man das der Kommentar von N. das Niveau der journalistischen MDR-Beiträge unterschreitet...Herzlichen Glückwunsch. [Löschung einer Vorverurteilung - MDR.DE_Redaktion]
09.07.2012
00:50 Uhr
7. Uwe:
Als Demokrat finde ich es begrüßenswert, dass solch eine Demonstration gegen die Zustände in Insel stattfand. Es ist schon längst unerträglich geworden, dass ein Stammtischparolen schwingender, auf Lynchjustiz ausgerichteter Mob, Hand ind Hand mit Neonazis gegen das Recht zweier Bürger auf freie Wohnortwahl demonstriert. Was bilden sich eigentlich jene Dorfbewohner ein? Dass in ihrem Ort der Rechtsstaat außer Kraft gesetzt werden kann? Dass der Oberbürgermeister und die Polizeidirektion das im Grundgesetz verankerte Recht auf Versammlungsfreiheit, mit dem Pseudoargument der "Gewaltbereitschaft" zu untergraben versuchen, zeugt von deren Demokratieverständnis. Zum Glück wurde diesen politischen Ideologen, die überall "gewaltbereite Linke" sehen, aber sonst auf dem rechten Auge blind sind, vom Oberverwaltungsgericht eine Absage erteilt.
09.07.2012
00:29 Uhr
6. Agnes:
Die Gewalt in Insel geht auf jeden Fall erstmal von Bismarck und dem von ihm aufgestachelten Mob aus. Ohne diese Leute würden viele Menschen von der Existenz dieses Ortes gar nichts wissen. Eine Beleidigung der gesamten Bevölkerung des Dorfes halte ich allerdings nicht für angebracht. Es gibt dort auch anständige Menschen, die mit dem von Bismarck unterstützten gewaltbereiten Mob nichts gemein haben. @ Norbert: Dass die Linken schalten und walten können, wie sie wollen, wäre mir neu. Dann wären die Banken schon längst entmachtet. Schonung erfahren doch eher die Rechten. Man vergleiche die vor den von Ihnen genannten 35 Jahren praktizierten Aktivitäten des Staates gegen die RAF und ihre echten oder behaupteten Sympathisanten mit denen gegen den NSU. Der Altnazi Hanns Martin Schleyer war eben mehr wert als ein türkischer Imbissbudenbesitzer.
08.07.2012
21:05 Uhr

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Sicherungsverwahrung

In der Sicherungsverwahrung sind Menschen untergebracht, die ihre Strafe bereits abgesessen haben, allerdings noch als Gefahr für die Allgemeinheit gelten. Eine Reihe von Ex-Straftätern war aufgrund gerichtlicher Anordnung auf freien Fuß gesetzt worden, weil das nachträgliche Anordnen der Sicherungsverwahrung gegen geltendes Recht verstieß.

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