Abgase strömen aus dem Auspuff eines Autos mit Dieselmotor.
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Feinstaub und Luftverschmutzung Fahrverbote für Diesel-Autos in Sachsen-Anhalt kein Thema

Trotz teils hoher Feinstaubwerte sehen Sachsen-Anhalts größte Städte keine Notwendigkeit, Fahrverbote für Diesel-Autos einzuführen. Das ergaben Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT. Auch der ADAC hat möglichen Verboten trotz nachgewiesener Umweltverschmutzung eine klare Absage erteilt. Das sei keine Lösung. In Städten wie München, Hamburg, Stuttgart und Berlin wird zurzeit ein Verbot von Diesel-Modellen in den Innenstädten kontrovers diskutiert.

Abgase strömen aus dem Auspuff eines Autos mit Dieselmotor.
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Der ADAC hat möglichen Diesel-Fahrverboten in Sachsen-Anhalt eine klare Absage erteilt. Die Sprecherin des Landesverbandes Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, Christine Rettig, räumte bei MDR SACHSEN-ANHALT zwar ein, dass Diesel-Fahrzeuge natürlich die Umwelt verschmutzen. Das sei gerade im Zuge des Diesel-Skandals nachgewiesen worden.

Keine Notwendigkeit für Sachsen-Anhalt

An einer Feinstaub-Messstation fahren 2013 Fahrzeuge vorbei.
ADAC zur Belastung durch Stickoxide: "In Sachsen-Anhalt muss man sich nicht große Sorgen machen." Bildrechte: dpa

"Insofern ist es eine Problematik, die auch nicht wegdiskutiert werden kann", so Rettig. "Fahrverbote sind für uns allerdings keine Lösung". Ein Fahrverbot sperre ganz viele Leute aus dem Alltag aus. So könnten auch Menschen benachteiligt werden, die sich gerade erst Fahrzeuge neu gekauft hätten.

Rettig sieht für Diesel-Fahrverbote hierzulande allerdings ohnehin keine Notwendigkeit. "In Sachsen-Anhalt muss man sich Gott sei Dank nicht große Sorgen machen, weil in den Städten die Luftverschmutzung und auch gerade die Belastung durch Stickoxide nicht eklatant hoch ist." Die Situation könne nicht mit der in Städten wie München, Hamburg oder Berlin verglichen werden. Große Diskussionen über Fahrverbote gebe es in Städten, die in einem Talkessel liegen. "Das haben wir Gott sei Dank auch nicht so stark in Halle oder Magdeburg."

Keine Verbote trotz hoher Feinstaubbelastung

Auch in Halle (Saale) ist ein Fahrverbot kein Thema. Die Grenzwerte für die Feinstaubbelastung seien im vergangenen Jahr 19 Mal überschritten worden, so die Stadt. Zulässig seien 35 Mal pro Jahr. Für Stickoxid liege der Grenzwert bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. An der Halleschen Messstelle in der Paracelsusstraße seien zum Teil 46 Mikrogramm pro Kubikmeter erreicht worden. Die Stadt verwies außerdem auf das Umweltministerium, das eine Untersuchung beauftragt habe. Deren Ergebnisse müssten zunächst ausgewertet werden.

Ein Bausatz für ein Feinstaubmessgerät
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In der Landeshauptstadt Magdeburg sind Fahrverbote nach Auskunft von Rathaus-Sprecherin Kerstin Kinszorra bislang kein Thema. Auch die Stadt Dessau-Roßlau sieht momentan keine Notwendigkeit. Sprecher Carsten Sauer teilte mit, ihm seien auch keine alternativen Pläne bekannt. In der Lutherstadt Wittenberg wurde bisher keine Diskussion zum Thema Diesel-Fahrverbot geführt.

Geschwindigkeitsbeschränkung statt Fahrverbot

In Stendal hat man sich mit möglichen Fahrverboten bereits befasst. Stadtsprecher Klaus Ortmann sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man habe das Thema natürlich immer im Auge und achte auf die Entwicklung. Aber tatsächlich liege man im Moment weit unter den Grenzwerten. Nach den Worten Ortmanns ist für Stickstoffdioxid ein Stundenmittelwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter zulässig. "Wir hatten in den letzten Tagen so um die 28 oder 30."

Über eine Zone, in der Diesel-Fahrzeuge unter der Euro-6-Norm nicht fahren dürfen, werde nicht nachgedacht. Es gebe keinen Bedarf, etwas zu tun. Außerdem sei Stendal kein Ballungszentrum in der Größenordnung von Halle oder München. Abgesehen von Geschwindigkeitsbeschränkungen nichts geplant.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17.06.2017 | 12:00 Uhr

Quelle: MDR/mp

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2017, 11:31 Uhr

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6 Kommentare

18.06.2017 17:34 Gerd KIndling 6

Zuallererst müssten wirkungsvolle Kontrollen des Einfahrverbotes in die Innenstädte, für Fahrzeuge unterhalb der grünen Plakette, erfolgen !
Solange die " Rußöfen", unter den LKW bedingungslos in die Stadtzentren fahren dürfen, ist jedes PKW - Verbot lächerlich !

18.06.2017 13:38 M. 5

...gut so Sachsen Anhalt!!!!....es ist doch eh Lug und Betrug...der kleine Mann soll für alles blechen und ob es wirklich hilft kann keiner kontrollieren...überall auf der wird weiter fleißig Kohle usw. verballert, die Norweger können sich ihre Elektro Vorreiterrolle leisten weil sie ihre Öl und Gasvorkommen verkaufen,ganz toll.....wenn man Grenzwerte sinkt und sinkt .....wie die Vorredner schon sagten,wenn dann alle, LKW Schiffe Flugzeuge.....nicht nur der kleine Mann..und ausserdem, unsere Erde hatte schon Eiszeiten,Hitzezeiten usw., da gab es noch kein KFZ....

17.06.2017 21:54 Agnostiker 4

Sollen sie einfach die Preise fuer ihre bunten "Ablassplaketten" erhoehen, und schon ist "das Klima" gerettet! XD

17.06.2017 13:31 REXt 3

An@1u. 2: darin erkennt man diesen Irrsinn!

17.06.2017 12:34 steffen_jg63 2

Ich nehme an, dass die Verfechter eines Diesel-Fahrverbotes auch konsequent sind. Denn, wenn mich nicht alles täuscht, fahren LKW und Bus in aller Regel ebenfalls diesen Kraftstoff. Das hieße: Lieferverkehr und Teile des ÖPNV müssten zum Erliegen kommen. Das wäre zumindest glaubwürdig und konsequent, alles andere ist Willkür.

17.06.2017 11:55 Markus 1

Diesel-Verbot darf nicht nur für PKW gelten. Auch andere Verkehrsmittel sollten dazu kommen. Das bedeutet, dass man auch LKW wieder mit Benzin tanken muss, so wie auch Diesel-Loks. Das wäre kaum eine gute Idee.

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