Knapp unter einer Brücke fließt ein Fluss entlang.
Brücken, wie hier hier in Harsleben, können bei einem Hochwasser zu Problemen führen. Bildrechte: MDR/Marko Litzenberg

Überflutungen im Harz Schneller Hochwasserschutz "unrealistisch"

Nach dem Juli-Hochwasser im Harz müssen noch immer Schäden beseitigt werden. Derweil hoffen viele Menschen auf schnellen Schutz, um eine Wiederholung der Überflutung zu verhindern. Experten bezweifeln jedoch, dass entsprechende Maßnahmen kurzfristig umgesetzt werden können.

Knapp unter einer Brücke fließt ein Fluss entlang.
Brücken, wie hier hier in Harsleben, können bei einem Hochwasser zu Problemen führen. Bildrechte: MDR/Marko Litzenberg

Experten halten eine schnelle Umsetzung für mehr Hochwasserschutz im Harz für unrealistisch. Der Leiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz, Burkhard Henning, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, viele Maßnahmen ließen sich nicht von einem Tag auf den anderen umsetzen. Dafür brauche es Modelle, die wissenschaftlich unterlegt seien.

Mit Blick auf die jüngsten Überschwemmungen an Holtemme und Ilse erklärte Henning, dass bereits einige Schutzmaßnahmen gegriffen hätten. Dadurch seien Schäden gelindert worden. Man müsse aber jetzt noch einmal schauen, ob diese Vorhaben ausreichten. Nach einem Hochwasser gehe es vor allem darum, Schäden zu beseitigen, damit nicht noch mehr passiere. So sei zum Beispiel das Wehr in Wernigerode sofort gesichert worden. Dort waren Ufermauern weggebrochen.

Verschiedene Interessen an der Selke

Um den Hochwasserschutz zu verbessern, müssen laut Henning zuerst Brücken, Durchlässe und von Menschen geschaffene Einengungen der Flüsse überprüft werden. Dabei müsse man an der Quelle anfangen und bei der Mündung enden. Es dürfe nicht sein, dass die unten liegenden Ortschaften Probleme hätten, weil da das Wasser ankomme. Es hänge aber von vielen Komponenten ab, ob Maßnahmen greifen könnten. "Da sitzen verschiedene Spieler mit verschiedenen Interessen im Boot." Da seien der Besitzer der Brücke, das Land sowie Grundstückseigentümer, die alle mit eingebunden werden müssten.

Henning zufolge stockt es deshalb in Sachen Hochwasserschutz bei der Selke seit Jahren. Dort gebe es unterschiedliche Interessen, etwa von Eigentümern und Naturschutz. Es sei bisher nicht gelungen, auf einen Nenner zu kommen. Ab September werde es deshalb auf Initiative des Umweltministeriums ein Jahr lang regelmäßig für die Selke Gespräche geben, um einen Grundkonsens zu erreichen.

67 Gewässer hochwassergefährdet

In Sachsen-Anhalt sind 1.860 Kilometer entlang 67 Gewässer hochwassergefährdet. Nach tagelangem Regen traten im Juli im Harz mehrere Flüsse über die Ufer. Dabei wurden einige Ortsteile der Städte Ilsenburg und Wernigerode und der Gemeinde Nordharz überflutet. Es entstanden Schäden in Millionenhöhe. Die Landesregierung kündigte anschließend ein Soforthilfe-Paket an. Von Vertretern der betroffenen Orte wurde dieses jedoch als unzureichend kritisiert.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13.08.2017 | 09:00 Uhr

Quelle: MDR/olei

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2017, 10:46 Uhr