Sachsen-Anhalt

Studie der Bertelsmann Stiftung : Zu viele Teilzeit-Erzieherinnen in Kitas

In Sachsen-Anhalt gibt es so viele Teilzeit-Kita-Erzieherinnen wie in keinem anderen Bundesland. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Erzieherin spielt mit Kindern
In Sachsen-Anhalt gibt es so viele Teilzeit-Kita-Erzieherinnen wie in keinem anderen Bundesland.

Wie der "Ländermonitor Frühkindliche Bildung" belegt, liegt der Anteil der Teilzeitstellen im Land bei 85 Prozent. Stiftungsvorstandsmitglied Jörg Dräger sieht das kritisch und sagt: "Kinder brauchen in der Kita eine feste Bezugsperson". Aktuell würden in Sachsen-Anhalt mehr als 63 Prozent der Kita-Kinder unter drei Jahren und 64,5 Prozent der über Dreijährigen ganztägig betreut. Nur wenn eine Erzieherin auch den ganzen Tag für die Kinder da sei, sei eine qualitativ hochwertige Betreuung gewährleistet, betonte Dräger.

Zwar hat sich laut Studie die Zahl der Vollzeitbeschäftigten zwischen 2006 und 2011 um drei Prozentpunkte erhöht. Dennoch sind mit 59 Prozent knapp zwei Drittel der in diesem Zeitraum neu geschaffenen Arbeitsplätze Teilzeitstellen. Auch bei den Neueinstellungen liegt Sachsen-Anhalt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Im Untersuchungszeitraum stieg die Zahl der Erzieherinnen deutschlandweit um etwa 25 Prozent, in Sachsen-Anhalt waren es nur elf Prozent.

Sozialministerium: Teilzeit ist nicht gleich Teilzeit

Der Sprecher des Sozialministeriums, Holger Peach, sagte in Bezug auf die Ergebnise der Studie, der Begriff "Teilzeit" müsse genau definiert werden. Die meisten Erzieherinnen würden zwar zeitverkürzt arbeiten, aber dennoch auf 30 Stunden in der Woche kommen. Ihnen seien Stunden gestrichen worden, als vielen Erzieherinnen die Arbeitslosigkeit drohte. Peach geht davon aus, dass künftig vor allem bei jungen Erzieherinnen wieder aufgestockt wird und verweist auf den steigenden Betreuungsbedarf, sollte das Kinderförderungsgesetz wie geplant beschlossen werden. Die Erfahrung habe gezeigt, dass gerade ältere Erzieherinnen auf ihrem Stundenniveau bleiben möchten. Deshalb würden die Träger auch neue Fachkräfte einstellen.

Betreuungsanspruch schon seit den 1990er-Jahren

Ab dem kommenden Jahr soll ein Krippenplatz für Kinder ab dem 1. Geburtstag bundesweit garantiert werden. Auf diesem Gebiet ist Sachsen-Anhalt Vorreiter: Schon seit Anfang der 1990er-Jahre haben Kinder ab der Geburt und bis zum 14. Lebensjahr einen verbrieften Anspruch auf Betreuung. Zwar wurde er vor knapp zehn Jahren für Kinder von Erwerbslosen auf einen halben Tag beschränkt, aber auch diese Einschränkung soll künftig wieder wegfallen.

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2012, 14:43 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK