Betriebsaus Das Krankenhaus in Genthin schließt

Am Freitag endet in Genthin eine Ära: Das kleine Krankenhaus schließt – fast 150 Jahre nach seiner Gründung. Die Klinik hatte hohe Verluste eingefahren. Die medizinische Versorgung in der Region wird dünner.

Es ist der letzte Arbeitstag für die letzten 45 Pfleger und Ärzte, die noch im traditionsreichen Genthiner Krankenhaus arbeiten. Der Betrieb war schon seit Monaten auf ein Minimum zurückgefahren; zuletzt waren nur noch eine Station für Innere Medizin und die Rettungsstelle in Betrieb. Nun ist auch das vorüber.

Die Genthiner haben eine klare Meinung zu dem Betriebsaus: "Gerade die ältere Generation, wo sollen die hin? So schnell können die gar nicht reagieren, wie die ärztliche Hilfe gebraucht wird", erzählt eine aufgebrachte Passantin. Eine ältere Frau schildert besorgt: "Man kann hier zwar alt werden, aber man darf nicht krank werden."

Bürgermeister ist bestürzt

"Für die ganze Region – Genthin, Elbe-Parey, Jerichow – ist es ein schwarzer Tag. Insbesondere, weil immer noch Hoffnung bestand, dass es doch ein Überleben gibt. Es ist jetzt über 10 Jahre her, dass die Schließung beschlossene Sache wurde", schildert Bürgermeister Thomas Barz (parteilos).

Denn das Ende des Krankenhauses kommt nicht überraschend. Bereits 2004 wurde im Krankenhausplan des Landes Sachsen-Anhalt festgelegt, dass die Genthiner Klinik ihren Betrieb einstellen muss. Die Kommune hatte sich zwar um eine Änderung des Plans und ein Fortbestehen des Krankenhauses engagiert, war damit aber gescheitert.

Die Hoffnung starb zuletzt – und damit jetzt auch das Krankenhaus.

Thomas Barz, Bürgermeister Genthin

Doch ursprünglich sollte die Klinik in Genthin – nach Krankenhausplan – erst Ende 2019 geschlossen werden. Denn dann soll ein Erweiterungsbau des Krankenhauses Stendal fertig sein. "Hier entsteht ein komplett neues Gebäude mit Bettenstation und Intensivstation, eine Wachstation und Ambulanzräume im Erdgeschoss", erklärt Franz Caesar an der Baugrube. Gerade wird an den Fundamenten gearbeitet. Caesar ist der Geschäftsführer für beide Standorte des Johanniter-Krankenhauses – des Hauptcampus in Stendal und des Nebenstandortes Genthin.

Schließung in Genthin, Modernisierung in Stendal

Klinik Genthin
Der Hauptstandort der beiden Krankenhäuser: Das Klinikum in Stendal. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für 35 Millionen Euro wird das Krankenhaus in Stendal ausgebaut. Laut Caesar wird so die Wettbewerbsfähigkeit gesichert: Patienten verlangten nach moderner medizinischer Ausstattung und zeitgemäßen Sanitäranlagen. Dass die Klinik in Genthin schon weit vor Ende der Modernisierungsarbeiten geschlossen wird, begründet Caesar mit den enormen Verlusten, die sie einfahre und die auch den Betrieb in Stendal gefährdeten.

Mit der Schließung der Klinik in Genthin verlieren 45 Mitarbeiter ihre Arbeit. Allen wurde laut Caesar das Angebot gemacht, nach Stendal zu wechseln. 20 hätten diese Möglichkeit genutzt, viele Ältere wechselten in die Rente. Die übrigen hätten neue Arbeitsplätze gesucht. "Die arbeiten nun in Brandenburg an der Havel", weiß Bürgermeister Thomas Barz.  

Das nächste Krankenhaus ist 25 km entfernt

Doch nicht nur auf die Arbeitnehmer kommen längere Fahrtwege zu – sondern auch auf die Patienten. Die medizinische Versorgung in der Region Jerichower Land wird mit der Schließung dünner: Die nächsten Krankenhäuser in Burg und Brandenburg an der Havel liegen jeweils etwa 25 Kilometer von Genthin entfernt. Bis zum Krankenhaus in Stendal sind es sogar 35 Kilometer.

Entfernungen von Genthin zu Krankenhäusern
Die Entfernungen von Genthin zu den nächstgelegenen Krankenhäusern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Allerdings: Da in dem kleinen Genthiner Krankenhaus zuletzt ohnehin nur noch die Station für Innere Medizin und die Rettungsstelle geöffnet waren, konnte dort ohnehin nicht jedes Gebrechen behandelt werden – lange Fahrten waren in vielen Fällen auch schon vor dem Betriebsaus in Genthin nicht zu vermeiden.

Eine neue Rettungsstelle wurde in Genthin eingerichtet

Eine Rettungsstelle des DRK soll garantieren, dass Notfälle auch weiterhin schnell Hilfe bekommen. Bürgermeister Barz glaubt allerdings, dass die Kapazitäten nicht ausreichen: "Wenn ein schwerer Unfall hier in Genthin ist, wird man mit der bestehenden Struktur das nicht mehr stemmen." Er kündigte an, gemeinsam mit dem Landkreis eine Lösung finden zu wollen.

Mehr zum Thema:

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28.09.2017 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29.09.2017 | 12:00 Uhr

Quelle: MDR/rj

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2017, 21:18 Uhr

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2 Kommentare

29.09.2017 00:58 Christine 2

Die Schließung der Klinik ist wirklich tragisch und traurig zugleich. Ich frage mich, warum wird nur noch an die Wirtschaft und an Profit gedacht und nicht an die Menschen?

29.09.2017 09:19 Hannchen 1

Es wird sich alles einpegeln. In meinem Landkreis war es nicht anders. Wer in Hettstedt ein Kind bekommt, muss entweder nach Aschersleben oder Sangerhausen. Noch weiter sind die Strecken für die Bewohner aus Richtung Stolberg. Betrifft allerdings alle Fachbereiche des Krankenhauses. Das ist Marktwirtschaft.