Finanzminister Andre Schroeder (CDU,Sachsen Anhalt) während einer Landtagssitzung
Finanzminister André Schröder gerät wegen der Sonderbehandlung seiner Büroleiterin in Bedrängnis. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Einschätzung von MDR-Politikredakteur Minister Schröder zieht die Reißleine

Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder hat sich nach der Debatte um eine gemeinsame Dienstreise mit seiner Büroleiterin von dieser getrennt. Die Beamtin soll eine andere Verwendung im Haus bekommen, ihr Posten neu besetzt werden. MDR-Politikredakteur Ronald Neuschulz schätzt die Situation ein.

von Ronald Neuschulz, MDR SACHSEN-ANHALT

Finanzminister Andre Schroeder (CDU,Sachsen Anhalt) während einer Landtagssitzung
Finanzminister André Schröder gerät wegen der Sonderbehandlung seiner Büroleiterin in Bedrängnis. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Sachsen-Anhalts Finanzminister hat die Reißleine gezogen. André Schröder hat sich von seiner Büroleiterin im Einvernehmen getrennt. Sie werde künftig an einer anderen Stelle in seinem Haus tätig sein, heißt es.

Die Frau war in den letzten Tagen gleich mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Die enge Mitarbeiterin des Ministers hatte ihren Chef unlängst auf einer Dienstreise nach Amerika begleitet. Sie selbst war es, die von einem gemeinsamen Abstecher mit Schröder auf den New Yorker Time-Square Bilder ins Netz stellte, die von heimischen CDU-Kreisen süffisant fragend mit dem Begriff "Lustreise?" kommentiert wurden.

Nicht nur die Reise sorgt für Gesprächsstoff

Ronald Neuschulz
MDR-Politikredakteur Ronald Neuschulz Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Die Fotos provozierten Fragen: Auch die, warum die Büroleiterin bei besagter Flugreise in der Business- und nicht in der preiswerteren Economy-Class unterwegs war. Nach Ansicht des Rechnungshofes hätte die auf Landeskosten reisende Ministerbegleitung die preiswertere Kategorie wählen müssen.

Der Minister selbst ist da anderer Auffassung. Er stellte sich zunächst hinter seine Mitarbeiterin. Mittlerweile allerdings wurde bekannt, dass die Büroleiterin auch bei der Vergabe der im Ministerium begehrten Mitarbeiterparkplätze sehr gut weg gekommen sein soll. Für Gesprächsstoff, in und außerhalb des Finanzministeriums, sorgt auch eine nicht gerade preiswerte Weiterbildung der nun Abberufenen. Die Kosten für die zweitägige Fortbildung: stattliche 3.379 Euro.

Keine Rückendeckung für Schröder

Allerdings: USA-Reise, Mitarbeiterparkplatz, Seminar – für all das gab es Rückendeckung durch die Hausspitze. In der Summe jedoch scheint es nun für die gefühlte Sonderbehandlung der Büroleiterin, sowohl im Finanzministerium selbst wie auch in der CDU-Fraktion, wenig Verständnis zu geben.

Für André Schröder selbst war erkennbare öffentliche Rückendeckung in den letzten Tagen kaum auszumachen. Vor allem das muss dem Finanzminister zu denken geben. Die Versetzung seiner Büroleiterin dürfte auch der Versuch eines Befreiungsschlages sein, um nicht selbst in einen Strudel von Rücktrittsforderungen zu geraten.

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Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. November 2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2017, 16:45 Uhr

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7 Kommentare

10.11.2017 14:12 part 7

Viel wichtiger in der Berichterstattung ware indess der Privatbesuch und halb offizielle Empfang von Ministerpräsident Orban im Land der Frühaufsteher und nebenan im Land der AFD- Wähler gewesen als das Weihnachtsshopping in New York.

10.11.2017 11:24 lax 6

Eine Versetzung als Strafe für Betrug ? Nicht der Minister sondern die Büroleiterin sollte alle Gesetzmäßigkeiten kennen, die für solch eine Reise nötig sind. Nicht umsonst liegt ihr Gehalt bei über 7000€ (MZ von heute).

10.11.2017 09:26 Jens Wittinger 5

Herr Schröder scheint ja nur eine kleine Nummer und unserem MP nicht bedeutend genug zu sein . Andere Minister hat der Herr Haselhoff für Weniger gefeuert. Im übrigen ist er ja wohl nicht der einzige Emporkömmling in der Politik, der solche charakterlichen Defizite aufweist. Aber gewählt ist gewählt. Jedes Volk bekommt die Regierung die es verdient.

09.11.2017 21:07 Frank 4

Herr Minister, Rücktritt und zwar alternativlos!
Absolut inakzeptabel was "unsere politischen Granden" hier abliefern, skandalös!!! Menschen wie Sie sind das geistige Futter für AfD & Co. , wann passt das endlich in Ihren geistigen Horizont?

09.11.2017 20:28 Das fällt auf! 3

Was soll das windelweiche Geseiche da oben?
Für diesen Vorfall gibt es nur eine saubere Lösung: Die schnellstmögliche Entfernung des Herrn Schröder aus dem Amt, dessen Anforderungen er sichtlich nicht genügen kann. Der "politischer Beobachter" eines sog. "Qualitätsmediums" sollte das dann auch hinschreiben und die Leser nicht mit irgendwelchen Nebensächlichkeiten beschäftigen.
Die Person des Anstosses ist in erster Linie der Minister selbst und sonst niemand. Was hätte ein BBC-Journalist daraus gemacht...

09.11.2017 18:24 Da gibt es keinen "Strudel" 2

(Sie schreiben: " Die Versetzung seiner Büroleiterin dürfte auch der Versuch eines Befreiungsschlages sein, um nicht selbst in einen Strudel von Rücktrittsforderungen zu geraten." Genau dieser billige Versuch eines "Befreiungsschlages dürfte den Strudel erst auslösen.)

Das ist aber ausgesprochen zurückhaltend formuliert. Ich hätte ihn gleich gefpordert, den Rücktritt. Der ist jetzt spätestens nämlich fällig und zwar ohne Wenn und Aber.

09.11.2017 16:57 walter helbling 1

Sie schreiben: " Die Versetzung seiner Büroleiterin dürfte auch der Versuch eines Befreiungsschlages sein, um nicht selbst in einen Strudel von Rücktrittsforderungen zu geraten." Genau dieser billige Versuch eines "Befreiungsschlages dürfte den Strudel erst auslösen.