Neue Stelle in Sachsen-Anhalt Was macht eine Koordinatorin für Radverkehr?

In Sachsen-Anhalt sollen viele Radwege ausgebaut werden. Dies wird die neue Koordinatorin für Radverkehr im Verkehrsministerium, Stefanie Arnhold, koordinieren. Im Interview schildert Stefanie Arnhold ihre anstehenden Aufgaben.

Stefanie Arnold, Radverkehrskoordinatorin von Sachsen-Anhalt
Stefanie Arnold, Radverkehrskoordinatorin von Sachsen-Anhalt Bildrechte: Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt

Das Verkehrsministerium will das Radwegenetz in Sachsen-Anhalt in den kommenden Jahren um 317 Kilometer erweitern – fast viermal die Strecke zwischen Halle und Magdeburg. 66 Millionen Euro wollen Bund und Land dafür investieren. Derzeit sind entlang von Bundes und Landesstrassen rund 1.100 Kilometer Radwege ausgebaut.

Stefanie Arnhold, von Hause aus Bauingenieurin, arbeitete bisher als Verkehrsplanerin in Wolfsburg. Mit ihrem Wechsel auf die neu geschaffene Stelle der Radverkehrskoordinatorin kehrt die 41–Jährige aus Königsborn bei Magdeburg in die Heimat zurück. Eines ihrer ersten Projekte: Die Bildung einer "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen". Außerdem möchte Arnold eine Art Mängel- Meldesystem aufbauen, um Schlaglöcher, fehlende Steine im Pflaster oder andere Schäden schneller erfassen und beheben zu können.

MDR SACHSEN-ANHALT: Was sind Ihre Aufgaben?

Verschiedene Player sind mit dem Thema Radwege beschäftigt. Die unter einem Hut zu bekommen, wird meine Aufgabe als Radwegekoordinatorin sein.

Bisher ist es nicht gelungen, eine landesweite Zusammenarbeit der Kommunen zu initiieren.

Stefanie Arnold

Was muss in Sachsen-Anhalt besser verzahnt werden?

Ich bin jetzt seit fünf Wochen hier und verschaffe mir gerade einen Überblick über die Projekte. Wir haben ein Thema, das in der Vergangenheit schon angeschoben werden sollte: Das ist die "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen". Das ist ein sehr wichtiges Projekt, da es bisher nicht gelungen ist, eine landesweite Zusammenarbeit der Kommunen zu initiieren. Das  gibt es in anderen Ländern schon sehr erfolgreich, zum Beispiel in NRW seit 1993. Die sind da wahnsinnig erfolgreich, den Radverkehr zu fördern.

Wie wirkt sich Ihre Arbeit konkret aus?

Es ist zum Beispiel im Moment für die Bauträger schwierig, zusammenzuarbeiten. Ein Radweg für die Kommune endet meist an der Ortsgrenze, muss aber natürlich an der nächsten Ortsgrenze weiterlaufen. Der Bürger sagt: "Es ist mir im Grunde egal, wer den Radweg baut; ich möchte da einen Radweg von A nach B haben." Wenn man nun die Kommunen und die Straßenbaulastträger zusammenbringt, hat der Bürger etwas davon.

Der Radfahrerverband ADFC mahnt an, Fahrradstrecken sicherer zu gestalten. Worauf muss man achten?

Das Thema Verkehrssicherheit liegt generell im Kultusministerium, wenn es um Verkehrserziehung geht. Es liegt aber auch im Innenministerium, wenn es um Unfallzahlen geht. Hier sind die Zuständigkeiten sehr vielfältig. Auch in der Kommune gibt es unterschiedliche Zuständigkeiten. Ich denke, auch hier kann eine "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen" durchaus unterstützen, indem sie das Bewusstsein für das Thema Verkehrssicherheit schärft.

Wie kriege ich es hin, im Bestand Radwegelösungen, die verkehrssicher sind, aber auch den Richtlinien entsprechen, anzubieten?

Stefanie Arnold

Was sind Schwierigkeiten, die Sie lösen müssen?

Wenn ich ein neues Wohngebiet habe, dann kann ich da einfach Radwege mit reinplanen und frei entscheiden, wo der Radweg läuft und wie breit er ist. Das ist aber nicht immer möglich. Wenn sie aber, beispielsweise im städtischen Bereich, im Bestand sind, haben sie nur einen begrenzten Straßenraum zur Verfügung. Die Vorschriften gehen in die Richtung, dass Radwege immer breiter werden. Wir haben die Elektro-Fahrräder, die fahren sehr viel schneller, deshalb müssen Radwege auch breiter werden. Und im Bestand haben sie oft gar nicht die Möglichkeiten, diese Breiten herzustellen. Das sind Punkte, auf die man gucken muss: Wie kriege ich das hin, im Bestand Radwegelösungen, die verkehrssicher sind, aber auch den Richtlinien entsprechen, anzubieten?

Ein gutes Beispiel für ein weiteres Problem ist die Große Diesdorfer Straße in Magdeburg. Dort hat man versucht, Schutzstreifen zu installieren. Aber wenn die Straßennutzer gar nicht genau wissen, was das ist, muss man dafür ein Bewusstsein schaffen.

Was ist denn der Unterschied zwischen Schutzstreifen und Radfahrstreifen?

Schutzstreifen sind die Streifen mit gestrichelten Markierungen auf der Straße. Die dürfen Autofahrer nur überfahren, wenn es die Situation unbedingt erfordert und man damit keine Radfahrer behindert.

Ein Radfahrstreifen ist ein durchmarkierter Bereich, der verstehen viele Kfz-Fahrer: "Das ist eine durchgezogene Linie, da darf ich nicht drüber." Der Schutzstreifen ist im Bestand eine gute Lösung. Aber da muss man dem Nutzer erstmal erklären, was er darf und was nicht.

Welche Schwierigkeiten gibt es beim Aufbau eines Meldesystem für Mängel an Fahrradstrecken?

Auch für die Beseitigung eines Mangels gibt es unterschiedliche Zuständigkeiten – mal sind es die Kommunen, mal das Land. Wir müssen schauen, dass wir ein Mängelsystem so hinbekommen, dass am Ende denjenigen informiert werden, die zuständig sind. Auch da ist man abhängig von vielen verschiedenen Playern.

Wie halten Sie es selbst mit dem Radfahren?

Ich konnte in der Vergangenheit das Rad nicht so regelmäßig nutzen, da ich zu meinem Arbeitsort sehr weit pendeln musste. Ich freue mich, hier in Magdeburg so einen kurzen Weg zur Arbeit zu haben und mit dem Fahrrad wieder zur Arbeit fahren zu können.

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Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 11. Oktober 2017 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 16:34 Uhr

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5 Kommentare

13.10.2017 13:07 MD-Radler 5

Dass so eine Stelle geschaffen wird zeigt ja vor allem, dass das Thema Fahrradverkehr in den Verwaltungen; Tiefbauämtern und bei den Verkehrsinfrastrukturplanern offensichtlich noch nicht angekommen ist. Für Autostraßen ist sind die entsprechenden Strukturen ja scheinbar vorhanden.

Alle wünschen sich mehr Radverkehr, aber an entscheidenen Stellen, wie Radverkehrsverbesserungen bei aktuellen Umbauarbeiten an Straßen und Kreuzungen, Lückenschlüssen oder gar Neuplanen hapert es dann doch oft sehr erheblich. Oft werden nicht mal die aktuellen Richtlinien für Radverkehrstruktur eingehalten. Von trivialen Dingen, wie vorschriftsgemäßen Baustellenabsperrungen und -umleitungen reden wir mal gar nicht.

Ich bin auch kein großer Freund von zusätzlichen Stabsstellen in der Bürokratie, aber ich hoffe das Thema Radverkehr bekommt damit einfach mindestens das Gewicht, dass dem aktuellen Radverkehrsanteil entspricht. In diesem Sinne wünsche ich Frau Arnold viel Erfolg für ihre Aufgabe.

12.10.2017 19:17 Das ist eine reine Alibifunktion i. A. der Herrschenden Verhältnisse 4

@12.10.2017 09:02 "im Moment klingt die Radkoordinatorin noch eher wie eine Autofahrerin"

Richtig und nicht nur "im Moment", da dürfen Sie ganz sicher sein. Das wird sogar verdecktes Einstellungskriterium gewesen sein - ich kenne das aus Berlin, also einer ganz anderen Grössenordnung als Magdedorf und mit einer sehr starken Radfahrerlobby (der ich angehöre, allerdings nicht mit Korb am Lenker...), die dennoch in der Administration kaum angemessen und mit echten Handlungsspielräumen ausgestattet vertreten ist.

Der Duktus der Frau Arnold sagt auch folgerichtig in jeder Zeile: "Ich mache keinen "Ärger". Und das bedeutet im Subtext: Keine Gefahr für die Lobby, nur Gerede. Mediator ohne Mediationswillen auf der anderen Seite.

Es tritt ja nun kein unmittelbarer Schaden ein und mag die Sache etwas besser öffentlich kommunizieren - aber tatsächlich wird sich durch Frau Arnolds Arbeit nichts Entscheidendes bewegen. Was ausdrücklich keinen persönlichen Vorwurf darstellt.

12.10.2017 19:08 Das ist eine reine Alibifunktion i. A. der Herrschenden Verhältnisse 3

@12.10.2017 09:02 im Moment klingt die Radkoordinatorin (1 noch eher wie eine Autofahrerin, die die Radfahrer passend machen will (Schutzstreifen sind prima). Aber vielleicht ist es ja eine Taktik "hinten durch die Brust", d.h. klingt wie pro Autofahrer und will was für Radfahrer erreichen.)

Sie haben leider den Punkt in die rechnerische Mitte getroffen: Das ist ein Alibiposten ohne jede exekutive Möglichkeit und da gibt es auch keine "Taktik" - ausser der, vorzuspiegeln, man organsiere Veränderung des Systems. Man kann im übrigen in einer Verkehrsinfrastruktur, deren Kapazitätsverteilung planungsrechtlich und nicht zuletzt politisch zu 99 Prozent auf das KFZ ausgerichtet ist, nichts wirklich "koordinieren". In Holland, in vielen Städten Skandinaviens, selbst in GB, Vancouver etc.. gibt es dazu klare Erkenntnisse, die bemerkenswerterweise in Schland keinerlei planerische Rolle spielen. Wo es aber nichts an zu verteilenden Grössen gibt, gibt es auch nichts zu "koordinieren".

12.10.2017 09:14 böse-zunge 2

Es war einmal, zu einer Zeit als ein OB noch Polte hieß, da gab es Jahr für Jahr eine Radtour mit dem OB. Natürlich wurden Vorzeigeobjekte an- bzw. abgefahren, Punkte wo es berichtenswertes gab. Aber es wurden eben auch Punkte angefahren wo es "klemmt", wovon man erst durch befahren einen eigenen Eindruck bekam.
Das würde ich der Koordinatorin auch wünschen, etwas buchstäblich vor Ort und persönlich erfahren.
Denn noch mehr Entscheidungen vom Schreibtisch aus - das braucht es nicht.
Hoffentlich gibt der ADFC oder die mdr-aktionskarte dort Hilfestellung.

12.10.2017 09:02 im Moment klingt die Radkoordinatorin 1

noch eher wie eine Autofahrerin, die die Radfahrer passend machen will (Schutzstreifen sind prima). Aber vielleicht ist es ja eine Taktik "hinten durch die Brust", d.h. klingt wie pro Autofahrer und will was für Radfahrer erreichen. Wer hätte das gedacht, dass die analogen Radler durch die Elektroräder zu mehr Rechten auf der Straße kommen.

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