Nico Schulz (vlnr), Chris Schulenburg, Eike Trumpf und Holger Stahlknecht auf dem Sonderkreisparteitag der CDU in Stendal. Chris Schulenburg wurde zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt.
Die Wahl von Chris Schulenburg (Mitte) zum neuen CDU-Kreisvorsitzenden in Stendal sorgt für Kritik aus Koalition, Opposition und den eigenen Reihen. Bildrechte: MDR/Reinhard Stremmler

CDU-Stendal "Neuanfang mit alten Gesichtern"

Eigentlich gab es nur einen Kandidaten für den Stendaler CDU-Kreisvorsitz: Nico Schulz. Gewählt wurde er jedoch nicht. Hardy Peter Güssau bleibt derweil Schatzmeister. Dafür hagelt es Kritik, auch aus den eigenen Reihen.

Nico Schulz (vlnr), Chris Schulenburg, Eike Trumpf und Holger Stahlknecht auf dem Sonderkreisparteitag der CDU in Stendal. Chris Schulenburg wurde zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt.
Die Wahl von Chris Schulenburg (Mitte) zum neuen CDU-Kreisvorsitzenden in Stendal sorgt für Kritik aus Koalition, Opposition und den eigenen Reihen. Bildrechte: MDR/Reinhard Stremmler

Nico Schulz wollte CDU-Kreisvorsitzender in Stendal werden, er war der einzige Kandidat für den Posten – doch es kam anders. Der Landtagsabgeordnete Chris Schulenburg wurde kurzerhand zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Beim Regierungspartner SPD sorgt die Wahl für Irritation. Die Fraktionsvorsitzende Katja Pähle hätte nach eigenen Worten Schulz deutlich befürwortet. Pähle sagte MDR SACHSEN-ANHALT, "Schulz hatte Aufarbeitung versprochen. Vor diesem Hintergrund ist es richtig, dass wir gestern auch mit den Stimmen der CDU einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss wegen der Wahlaffäre beschlossen haben." Es zeige sich, dass politisch einiges aufzuarbeiten sei. Der Ausschuss soll klären, welche Politiker an der Stendaler Briefwahlaffäre beteiligt waren.

Die Fraktionschefin des zweiten CDU-Koalitionspartners, Cornelia Lüddemann von B'90/Grüne, zeigte sich von der Wahl Schulenburgs überrascht. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT, sie sei erstaunt, dass die CDU in Stendal den Neuanfang mit alten Gesichtern schaffen wolle. "Man kann nicht aufklären und neu anfangen wollen und mit den alten Personen weitermachen."

LINKE übt Kritik, AfD will abwarten

Und auch in der Opposition sieht man die Wahl sehr kritisch. Linken-Fraktionschef Swen Knöchel sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es seien Personen angetreten, die explizit erklärt hätten, für Erneuerung zu stehen. Die seien aber nicht gewählt worden. Insofern sei der Prozess in der CDU noch nicht abgeschlossen.

AfD-Landeschef André Poggenburg meinte, Schulenburg habe angesichts massiver Verfehlungen ein schweres Erbe angetreten. Ob es ein Neuanfang werde, müsse sich genauso zeigen, wie die Antwort auf die Frage, was er innerhalb des Stendaler Kreisverbands richten könne. Dort gebe es enorme Streitereien. Mit Schulenburg könne es sicherlich einen Neuanfang geben, bei Güssau aber nicht.

Sonderkreisparteitag der CDU in Stendal Chris Schulenburg wird zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt

Auf dem Sonderkreisparteitag der CDU in Stendal haben die Mitglieder Chris Schulenburg zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt.
Sonderkreisparteitag der CDU in Stendal: In vielen Abstimmungen über Tagesordnung und Regularien kamen klare Mehrheiten zustande. Bildrechte: MDR/Reinhard Stremmler
Auf dem Sonderkreisparteitag der CDU in Stendal haben die Mitglieder Chris Schulenburg zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt.
Sonderkreisparteitag der CDU in Stendal: In vielen Abstimmungen über Tagesordnung und Regularien kamen klare Mehrheiten zustande. Bildrechte: MDR/Reinhard Stremmler
Auf dem Sonderkreisparteitag der CDU in Stendal haben die Mitglieder Chris Schulenburg als neuen Kreisvorsitzenden gewählt.
Über die Kandidaten für den Vorstand wurde aber geheim in Kabinen abgestimmt. Bildrechte: MDR/Reinhard Stremmler
Nico Schulz (vlnr), Chris Schulenburg, Eike Trumpf; Auf dem Sonderkreisparteitag der CDU in Stendal haben die Mitglieder Chris Schulenburg zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt.
Nico Schulz (li.) fiel bei der Wahl zum neuen Kreisvorsitzenden durch. Bildrechte: MDR/Reinhard Stremmler
Nico Schulz (vlnr), Chris Schulenburg, Eike Trumpf und Holger Stahlknecht auf dem Sonderkreisparteitag der CDU in Stendal. Chris Schulenburg wurde zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt.
Nach einem Appell zur Geschlossenheit vom stellvertretenden Landesvorsitzenden Innenminister Stahlknecht (re.)... Bildrechte: MDR/Reinhard Stremmler
Stimmzettel: Auf dem Sonderkreisparteitag der CDU in Stendal haben die Mitglieder Chris Schulenburg zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt.
...präsentierte der alte Vorstand nach kurzer Klausur den Sandauer Landtagsabgeordneten Chris Schulenburg als neuen Kandidaten für den Vorsitz. Bildrechte: MDR/Reinhard Stremmler
Auf dem Sonderkreisparteitag der CDU in Stendal haben die Mitglieder Chris Schulenburg zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt.
Schulenburg wurde mit großer Mehrheit zum neuen Vorsitzenden des Stendaler CDU-Kreisverbandes gewählt. Bildrechte: MDR/Reinhard Stremmler
Auf dem Sonderkreisparteitag der CDU in Stendal haben die Mitglieder Chris Schulenburg zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt.
Er war eigentlich für das Amt des neuen Mitgliederbeauftragten vorgesehen. Bildrechte: MDR/Reinhard Stremmler
Auf dem Sonderkreisparteitag der CDU in Stendal haben die Mitglieder Hardy Peter Güssau als Schatzmeister wiedergewählt.
Hardy Peter Güssau wurde mit knapper Mehrheit als Schatzmeister des Kreisverbandes wiedergewählt. Bildrechte: MDR/Reinhard Stremmler
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Webel spricht von Neuanfang

CDU-Landeschef Thomas Webel spricht bei einer Klausurtagung in ein Mikrofon
CDU-Landeschef Thomas Webel setzt auf einen Neuanfang in Stendal unter Chris Schulenburg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der frühere Landtagspräsident Hardy Peter Güssau war am Mittwochabend erneut zum Schatzmeister der Stendaler CDU gewählt worden. Seine Kandidatur war wegen seiner mutmaßlichen Verstrickungen in die Briefwahlaffäre umstritten. CDU-Vize-Landeschef Holger Stahlknecht zeigte sich über die Wahl Güssaus verwundert. Er sagte im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT: "Ich hätte mir und den anderen das nicht zugemutet. Es ist aber eine freie Entscheidung von Herrn Güssau." Stahlknecht betonte, es habe sich um eine freie Wahl gehandelt, deren Ergebnis zu akzeptieren sei. "Auch das ist Demokratie."

Trotz aller Kritik an der Wahl von Schulenburg und Güssau, CDU-Landeschef Thomas Webel sprach von einem Neuanfang. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der neue Kreisvorsitzende Schulenburg sei erst seit wenigen Jahren in der Politik aktiv. Seine Wahl solle dazu dienen, dass der Kreisverband Stendal mit einer Stimme spreche und sich nun auf seine Aufgabe konzentriere, die Bundestagswahl im September zu organisieren.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06.04.2017 | 06:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT-HEUTE | 06.04.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ff

Zuletzt aktualisiert: 06. April 2017, 15:46 Uhr

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6 Kommentare

07.04.2017 17:22 Kenner 6

Schulenburg gehört zum Güssau-Kreis und zu den CDU-Rechtsaußen. Kein Wunder, dass die Rechtsextremen der AfD also ein Loblied auf Schulenburg singen, der selber wohl gerne eine schwarzbraune Koalition schmieden würde.

06.04.2017 00:10 wenn man keine Ahnung hat, einfach mal ... 5

Da kommt extra der IM nach SDL, hält eine kurze Ansprache ans Volk, so dann wird MdL Schulenburg durchgewunken und MdL Güssau zum Schatzmeister deklariert. Das ist doch kein Neuanfang, wenn die Leute vorher schon in Amt und Würden waren. Und keiner hat von Nichts gewußt.
Eike Trumpf vormals dem Schulenburg in der Kampfabstimmung ums Direktmandat unterlegen, sitzt daneben und gratuliert als Erster ganz artig.
Bevor es einen Aufstand der Anständigen gibt, wird lieber weiter mit dem Schwanz gewedelt.
Diese Machtbesessenheit ist unerträglich.
Wieso haben denn sowenig einen A.... in der Hose.
Die Stendaler CDU hätte auch ganz klein wieder anfangen können. Aber nein "klangvolle" Namen bleiben oben. Es locken sicherlich auch noch lukrative Nebenjobs bei der KSK Stendal.
Schade. Neustart verpasst.

06.04.2017 22:49 Ostkind 4

an Nr: 2 Oswald.
Trefflicher Kommentar . Besser hätte ich es nicht schreiben können.

06.04.2017 20:54 Frauke Garstig 3

Alles beim Alten. Dem Wahlvieh wurde Gebhardt als Bauernopfer gereicht und Güssaus enger Vertrauter Schulenburg zum neuen Kreischef geadelt! Da der Vorsitz des Untersuchungsausschusses im Landtag zum Wahlbetrug den Newbies der AFD zusteht, werden wohl einige Personen im Landkreis Stendal tief durchgeatmet haben!

06.04.2017 16:51 Oswald 2

Fett schwimmt immer oben...

06.04.2017 16:20 Stendaler 1

Die Verwunderung des Herr Stahlknecht wird nicht reichen. Spätestens bei der Bundestagswahl, wird die CDU - vor allen in Stendal - einen dramatischen Stimmenrückgang beklagen, warum wohl ... ?
Aber wer weiß, die Ermittlungen zu den neuerlich bekannt gewordenen, mitmaßlichen Wahlbetrug laufen ja gerade an, wehe der CDU, wenn sich das bestätigt. Dann kann Herr Güssau ein Doppelzimmer buchen, mit Holger Gebhardt. Wie kann man als CDU-Mitglied noch den Nichtskönner Güssau wählen? Das die Landesspitze hier nicht eingreift - ganz schlechte Politik, die teuer zu stehen kommt.

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