Der Magdeburger Plenarsaal im Landtag Sachsen-Anhalts
Im Landtag debattierten die Abgeordneten über Lehrermangel und die Bildungspolitik. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Schulpolitik im Landtag Tullner verspricht weniger Unterrichtsausfall

An Sachsen-Anhalts Schulen fehlen Lehrer, deshalb fällt immer wieder Unterricht aus. Bildungsminister Marco Tullner hat in einer Regierungserklärung am Donnerstag versprochen, das Problem anzugehen. Der CDU-Politiker stellte ein Bündel an Maßnahmen vor. Die Opposition reagierte mit scharfer Kritik. Die Linke warf Tullner vor, die Lage schönzureden, sie forderte einen Neuanfang in der Bildungspolitik. Die AfD plädierte an den Schulen für mehr Disziplin und Nationalismus.

Der Magdeburger Plenarsaal im Landtag Sachsen-Anhalts
Im Landtag debattierten die Abgeordneten über Lehrermangel und die Bildungspolitik. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Bildungsminister Marco Tullner will die Schulen in Sachsen-Anhalt mit einem Bündel von Maßnahmen fit für die Zukunft machen. In einer Regierungserklärung im Landtag stellte der CDU-Politiker am Donnerstag seine Pläne vor.

Tullner sagte, das wichtigste Ziel sei es, die Unterrichtsversorgung trotz des Lehrermangels zu gewährleisten. Die Bildung müsse verlässlicher werden und benötige ein neues Fundament. Unterrichtsausfall bringe Eltern und Schüler zu Recht auf die Palme.

Um gegen den Lehrermangel vorzugehen, seien im Doppelhaushalt 2017/2018 erste Schritte vorgesehen. Mit weiteren Neueinstellungen werde das Ziel verfolgt, bis zum Jahr 2020 an den Schulen 14.500 Vollzeitstellen für Lehrer zu schaffen, also 500 mehr als jetzt. Damit werde die Prioritätensetzung der Koalition deutlich.

Bald schon Quereinsteiger

Ein weiterer Punkt sei, auf Quereinsteiger zu setzen, so der Minister. Sein Haus bereite gerade ein Konzept dafür vor. Natürlich müsse auch mit Quereinsteigern die Qualität des Unterrichts gewährleistet werden.

Tullner sprach sich auch dafür aus, alle Lehramtsstudenten, die in Sachsen-Anhalt studieren, im Land zu halten. Außerdem müssten sie als Referendare früher eigenverantwortlich vor die Klasse treten. Andere Bundesländer würden ihren Studenten mehr zutrauen.

Der Minister lobte in der Regierungserklärung das neue Online-Bewerbungsverfahren für Lehrer. Erste Erfahrungen zeigten, dass es Erfolge gebe. Die Bewerber würden schneller Klarheit bekommen.

Scharfe Kritik der AfD

Der AfD-Abgeordnete Hans-Thomas Tillschneider sagte in der Debatte, das Problem an den Schulen sei nicht der Unterrichtsausfall, sondern die Qualität des Unterrichts. Kindern und Jugendlichen fehle grundlegendes Wissen. Die Koalition verstehe das nicht. Es sei Aufgabe der AfD, dies anzuprangern.

Die tiefere Krise des Schulsystems sei, dass den Kindern und Jugendlichen nicht die richtigen Werte vermittelt würden. Es fehle an Wissen und am Willen zur Leistung. Auch die Themen Pflicht und Disziplin spielten keine Rolle. Die AfD wolle ein grundlegend anderes Bildungssystem, in der Kinder stolz auf ihre Nation seien.

SPD: Bildung ist zentrale Aufgabe  

Die SPD-Abgeordnete Angela Kolb-Janssen reagierte auf die AfD-Rede mit scharfer Kritik. Die AfD fordere eine Bildungspolitik aus dem letzten Jahrhundert. Es habe nur noch gefehlt, dass der Abgeordnete Tillschneider den Einsatz des Rohrstockes fordere.

Die SPD habe das Ziel, mehr Lehrer einzustellen als vom Kultusministerium geplant. Ihrer Fraktion gingen die aktuellen Pläne nicht weit genug. Es müssten 2017 und 2018 jeweils 250 zusätzliche Lehrer eingestellt werden. Darüber sollte jetzt geredet werden.

Linke: Tullner redet sich die Welt schön

Der Linke-Abgeordnete Thomas Lippmann sagte, die Regierungserklärung von Tullner habe keine neuen Punkte enthalten. Der Minister habe nur eine Zusammenfassung von längst gesagten Sachen enthalten. Tullner sei nicht in der Lage, die ernsten Probleme zu lösen.

Tatsache sei, dass die Unterrichtsversorgung noch nie so schlecht sei, wie heute. Immer mehr Lehrer würden deswegen resignieren. Lippmann forderte einen Neuanfang. Die Schulen brauchten mehr Lehrer, mehr Spielraum und schnellere Bewerbungs-Verfahren.

Grüne für mehr Eigenverantwortung der Schulen

Der Abgeordnete der Grünen, Wolfgang Aldag, sagte, von Kultusminister Tullner erwarte er weniger Laisser-faire, mehr Engagement und einen offenen Dialog über die Schulpolitik. Seine Fraktion wolle mehr Verantwortung für die Schulen vor Ort. Sie sollten selbst über Personal und Neueinstellungen entscheiden.

Dieses Thema im Programm: • MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir 02.02.2017 | 11 Uhr
• MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE 02.02.2017 | 19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2017, 20:50 Uhr

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16 Kommentare

03.02.2017 13:02 Frauke Garstig 16

@15 Dann fragen sie sich mal, warum ihre Enkelkinder keine Prozentrechnung können! Schule versagt oder Elternhaus nachlässig gewesen?

03.02.2017 10:54 Wieland der Schmied [0703] 15

@ 12/14 Frauke Garstig > Im ersten Beitrag greifen Sie den Tillschneider an wegen angeblicher Forderung nach Hörigkeit und Unterwürfigkeit der Schulkinder, wofür ich keinerlei Anhaltspunkte finde. Auch hatte ich angenommen, der Tillschneider sei der Bildungsminister, der heißt aber Tullner. Ich glaube, sie bringen hier einiges durcheinander und hauen drauf, ohne hinzugucken wen es trifft.
Volksbildung interessiert mich, schon wegen der glücklicherweise großen Anzahl meiner Enkelkinder, die von ihren Eltern bestens versorgt sind, aber mir wegen des stetigen Verfalls der Schulbildung Sorgen bereitet. Zunächst wollte ich entsprechende Berichte über den Abfall der PISA-Werte nicht glauben, bis mal im Fernsehen(ö.r.) ein Beispiel vorgeführt wurde. Ein Zehn-Klässler bewirbt sich beim Meister. Der gibt ihm ein Blatt Papier und Bleistift und er soll 8 % von 540 ausrechnen. Unmöglich. D.h., zehn Klassen für die Katz! Das ist die Qualität. Dafür ist er in 'Gender und Klima Spitze.

03.02.2017 09:52 Frauke Garstig 14

@13 Vor Jahren wurde vom "Wahlvolk" bemängelt, dass es zu viele verbeamtete Lehrer gibt! Darauf hat man reagiert, die Lehrerschaft wurde ausgedünnt, Gehaltserhöhungen verwehrt und das Weihnachtsgeld gestrichen! Jetzt wird auf dem Rücken dieser ein politischer Machtkampf ausgetragen, wobei es jedoch von fast allen Seiten konstruktive Vorschläge zur Beseitigung diese Probleme gibt! Einzig die blaubraunen Schergen sorgen mit ihren Ressentiments gegenüber der Lehrerschaft für noch weniger Leistungsbereitschaft derer, die eine fundierte Ausbildung am nötigsten hätten! Leistungsverweigerung, Gewalt und Undiszipliniertheit der Schüler fängt im Elternhaus an und nicht auf dem Schulhof!

02.02.2017 19:36 Heinrich Lanz 13

@ Frauke Garstig ,wer hat es denn bisher nicht hin bekommen und wenn es so weiter geht brauchen sie ihre Kinder nicht mehr zur Schule schicken,weil es nämlich keine Lehrer mehr geben wird.

02.02.2017 19:17 Frauke Garstig 12

Herr Tillschneider, die Erziehung von Kindern obliegt dem Elternhaus und nicht den Lehrern! Das sagen von guten Morgen, auf Wiedersehen, bitte und danke sollte bereits im Kleinkinderalter beigebracht werden und nicht erst im Hauptschulalter! Ihre Fraktion sät nur wertefreie Angst unter den Menschen und ihre miefige nach Kommunismus riechende Forderung nach mehr Autorität gegenüber Obrigkeiten, fordert Hörigkeit und Unterwürfigkeit unserer Kinder ihnen gegenüber ein. Ihre blaubrauen Komparsen haben doch seit Amtsantritt bewiesen, dass man denen keine Kinder anvertrauen kann. Meine Kinder sollen ohne Rohrstock, Halstuch und paramilitärische Gängelung aufwachsen!

02.02.2017 14:38 Barbara 11

Die Qualität der Mitarbeiter bei der AfD zu @10
ja, ja gute Qualität von dem vieleicht neuen Buchhändler Schulz .............
sowie viele Politiker die keinerleie Ahnung haben von ihrem Posten, z. B. Leyen , Gröhe usw.
Dort sollte man ansetzen ! M. Sauerzweig

.

02.02.2017 13:58 M. Sauerzweig 10

Der Herr Tillschneider sollte das lieber seinen Parteikollegen Herr Porno Ronny Kumpf ( AfD-MD ) erzählen, der hätte damals auch mehr Förderung bekommen sollen, dann hätte er nicht die KLASSE wiederholen müssen, dann klappt es auch mal mit einen Berufsabschluss. Auch legt doch die AfD auf Qualität ihrer Mitarbeiter nicht so viel Wert? oder will man das jetzt dadurch ändern?

02.02.2017 13:29 Wolpertinger 9

@02.02.2017 13:10 Barbara
Interpunktion wurde in der DDR auch gelehrt ?

02.02.2017 13:10 Barbara 8

Seht euch doch diese Leute an die alle fein auf ihren Stuhl sitzen und in die Hefter rein schauen, naja
die Hauptsache ist mein Geld , meine Privilegien, meine Macht so sehen diese aus !!!!
Diese sollten sich Hefter von der DDR anschauen ,da war die Schulbildung noch in Ordnung, aber jetzt doch nicht mehr. Dank solcher schwach Matten die keiner Arbeit nachgehen.

02.02.2017 12:35 Wachtmeister Dimpfelmoser 7

Deutschland 2017:
1. "Um gegen den Lehrermangel vorzugehen, seien im Doppelhaushalt 2017/2018 erste Schritte vorgesehen." (Quelle: siehe oben)
2. "Am Geld wird es nicht scheitern" (Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig über die Kostenfrage bei der Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Quelle: www.mdr.de/nachrichten/politik/regional/berufsausbildung-fluechtlinge-100.html)
3. Im September kann jeder dazu sein Statement in Form von zwei Kreuzen abgeben.