Ein Krankenpfleger geht über einen Flur im Krankenhaus.
Die Arbeitsbelastung von Krankenpflegern ist in den letzten Jahren gewachsen (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Mehr Patienten, weniger Pflegekräfte Landesregierung will Pfleger entlasten

Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen: Die Arbeitsbelastung von Pflegekräften in Sachsen-Anhalt ist massiv gestiegen. Die Landesregierung will der Überlastung entgegenwirken – sieht die Kompetenzen dazu aber auf Bundesebene.

Ein Krankenpfleger geht über einen Flur im Krankenhaus.
Die Arbeitsbelastung von Krankenpflegern ist in den letzten Jahren gewachsen (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Ein Krankenpfleger muss heute deutlich mehr Patienten betreuen als noch vor 25 Jahren. Nun hat sich das zuständige Sozialministerium des Landes dazu geäußert. Das Ministerium teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit, der Trend zu immer höheren Betreuungsfällen pro Pflegekraft sei zu bremsen beziehungsweise zu stoppen. Die Arbeitsbedingungen der Pfleger müssten den Herausforderungen angepasst sein; die Qualität der Versorgung dürfe nicht leiden.

Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts haben die Landesregierung veranlasst, einer Überlastung der Pflegekräfte entgegenzuwirken. Demnach musste sich 2016 eine Pflegekraft im Schnitt um 62 Fälle kümmern. Das seien über 50 Prozent mehr gewesen als 1991. Die Zahl der Ärzte habe sich im gleichen Zeitraum verdoppelt. Die Gewerkschaft ver.di hatte für die Pflege deswegen einen festen Personalschlüssel und eine feste Vergütung gefordert.

Kompetenzen liegen auf Bundesebene

Nach Ansicht des Ministeriums lässt sich vor allem auf Bundesebene gegensteuern. Als Beispiel wurde das Krankenhausstrukturgesetz genannt. Änderungen an dem Gesetz habe Sachsen-Anhalt mit unterstützt. So gebe es seit diesem Jahr einen Pflegezuschlag zur Förderung der pflegerischen Versorgung. Die Höhe des Zuschlags werde jedes Jahr neu ermittelt und sei abhängig von der Höhe der Personalkosten.

Darüber hinaus sei ein spezielles Pflegestellenförderprogramm geschaffen worden. Das Sozialministerium bezeichnete es außerdem als einen wichtigen Schritt, Personaluntergrenzen für pflegeintensive Bereiche festzulegen.

Fallzahlen steigen, Pflegekräfte werden weniger

Obwohl in den vergangenen Jahren die Zahl der Behandlungen in den Krankenhäusern immer weiter gewachsen is, wurden viele Stellen gestrichen: Anfang der 90er Jahre waren noch mehr als 11.000 Pfleger in den Kliniken im Land beschäftigt, 2016 nur noch knapp 10.000.

Die Gewerkschaft ver.di kritisiert, der Krankenstand in der Pflege sei durch diese Rahmenbedingungen viel höher als in anderen Berufen. Außerdem gingen immer mehr Pflegekräfte freiwillig in Teilzeit.

In Krankenhäusern sollen die Pflegeuntergrenzen ab Mitte 2019 eingeführt werden. Das hat der Bundestag im Juni beschlossen.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07.10.2017 | 08:00 Uhr

Quelle: MDR/rj

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2017, 11:12 Uhr

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6 Kommentare

08.10.2017 16:36 Dämon 6

@5 Nordharzer
Es gäbe schon Möglichkeiten etwas zu ändern.
Ich meinte auch nicht die AfD.
Und niemand sollte vergessen, dass sich dieses System selbst so abgesichert hat, dass es Veränderungen durch Wahlen nie geben wird.

08.10.2017 10:43 Nordharzer 5

Solange die Gesundheit etwas ist, mit dem sich Geld verdienen lässt, solange wird sich da nicht viel ändern. Das Herumdoktern an Personalschlüsseln und ähnliches wird nur punktuelle Verbesserungen bringen.
@1, Einrichtungen sind nie in Gewerkschaften, das Pflegepersonal muss es sein. Entweder in ver.di oder in einer Spezialgewerkschaft. Und das möglichst zu 100%. Dann kann man Druck auf die Arbeitgeber machen. Diesem Zusammenhang vertraue ich mehr, als den nebulösen Allgemeinplätzen unserer Landesregierung.
@3, wenn man eine Alternative hätte, könnte man auch anders wählen. Die, die sich Alternative nennen, wissen ja gar nicht worum es geht und haben schon gar kein Konzept.

07.10.2017 00:56 Jennifer Jahnke 4

Es ist unfassbar das die Politik sich um Digitalisierung und darum streitet,wo wer sitzen will im Bundestag aber die Notwendigkeiten in der Pflege betrifft auch die Hebammen nicht beheben. Rentner sammeln Pfandflaschen und Angela Merkel lässt sich realitätsverweigernd begraben.

07.10.2017 18:32 Dämon 3

Wenn ich solchen Schwachsinn lese, könnt ich nur noch ko.... Überall gibt es den Pflegenotstand und das schon seit etlichen Jahren. Aber unsere Politiker schwafeln immer nur das Gleiche. Füllen sich selber die Taschen und und regieren uns in den Abgrund.
Aber meckern nützt nichts, schuld sind diejenigen, die diese Leute immer wieder wählen.

07.10.2017 16:05 Zu deutsch: 2

(Die Landesregierung will der Überlastung entgegenwirken – sieht die Kompetenzen dazu aber auf Bundesebene.)

Geschwätz in Reinstform - das Betriebsmittel der Wahl des Kabinetts Haseloff. Das Pflegepersonal könnte sich mal mit dem Vorschlag beschäftigen. Politiker grundsätzlich nur gegen Barzahlung auf Stundenbasis zu betreuen. Oder gar nicht.
Alternativ würde ich mich als Beschäftigter in diesem Bereich mal im europäischen Ausland umsehen - Schland ist nicht der Nabel der Welt und auf dem besten Wege, bildlich gesprochen, zu einem ganz anderen Körperteil zu werden. Und Sachsen-Anhalt dessen geometrische Mitte.

07.10.2017 11:25 Hannchen 1

Ich lese immer nur vom Notstand in den Krankenhäusern. In den Heimen und ambulanten Pflegediensten sieht es doch nicht anders aus. Dort gibt es allerdings keine Lobby, weil kaum eine Einrichtung in Gewerkschaften ist bzw Haustarife und Verträge gelten.