Männer und Frauen in Sportsachen laufen einen Marathon.
Teilnehmer des Marathons 2017 in Tangermünde Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Regierungserklärung Landtag streitet über Sportförderung

Im Landtag stand am Freitag das Thema Sportförderung im Mittelpunkt. Innenminister Stahlknecht zog in seiner Regierungserklärung eine Bilanz des Erreichten im Breiten- und Spitzensport. Zugleich gab er einen Ausblick auf künftige Vorhaben. Einigkeit herrschte im Landtag darüber, dass Sportvereine und Ehrenamtliche wichtig für die Gesellschaft sind. Zur konkreten Förderung gingen die Meinungen aber auseinander.

Männer und Frauen in Sportsachen laufen einen Marathon.
Teilnehmer des Marathons 2017 in Tangermünde Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Zumindest in einem Punkt war sich der Landtag am Freitag einig: Sport ist wichtig für Sachsen-Anhalt. Vor allem den vielen Ehrenamtlichen sei man dabei zu Dank verpflichtet. Sie seien wichtig für die Gesellschaft. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) verwies auf die über 3.150 Vereine mit 341.000 Vereinsmitgliedern in Sachsen-Anhalt. Diese würden einen wichtigen Beitrag für Integration und Inklusion und gegen Extremismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit leisten. Seit 2011 seien jedes Jahr 20 Millionen Euro aus Landesmitteln in die Förderung des organisierten Sportes geflossen. Die Pauschalförderung sei unbürokratisch und transparent. Mindestens 2.500 Vereine würden seitdem jährlich einen Zuschuss zur Sportarbeit vom Land erhalten. Stahlknecht: "An dieser Erfolgsgeschichte halten wir fest."

Der Sportminister betonte, die Weiterentwicklung von Breiten- und Gesundheitssport habe für ihn einen hohen Stellenwert. Es sei ein Erfolg, dass der Landessportbund bei abnehmender Bevölkerung seit 2011 über 19.000 neue Mitglieder gewonnen habe.

Allerdings werde es immer schwerer, junge Menschen für ein Ehrenamt im Sport zu gewinnen. Stahlknecht verwies auf die gesellschaftliche Aufgabe des Sportes. Menschen, die neu ins Land kämen, hätten dort einen ersten Anlaufpunkt. "Integration findet am besten im Sport und bei der Arbeit statt." Die Landesregierung wolle zudem den Frauenanteil in Führungspositionen von Sportvereinen erhöhen. Dieser liege derzeit nur bei 30 Prozent in Vorständen und bei 15 Prozent bei Chefposten.

Olympiasiegerin Julia Lier präsentiert ihre Goldmedaille auf der Hubbrücke in Magdeburg.
Olympiasiegerin Julia Lier präsentiert ihre Goldmedaille. Bildrechte: MDR/O. Patlan

Beim Leistungssport will Sachsen-Anhalt die Sichtung und anschließende Förderung von Talenten verbessern. Dazu diene der sportmotorische Test EMOTIKON an den Grundschulen. Talente sollten dann an einer Eliteschule des Sports in Halle oder Magdeburg aufgenommen werden. "Die Sportschulen sind für die sportliche Elite gedacht", erklärte Stahlknecht.

Für Trainer soll die Arbeit attraktiver werden. Diese sollen von Verwaltungsaufgaben entlastet werden und sich mehr auf ihre Schützlinge konzentrieren. Bislang fällt laut Stahlknecht die Hälfte der Arbeitszeit für Organisation und Verwaltung an. Erfolglose Trainer sollen mit Abfindungen aus dem Amt gedrängt werden, grundsätzlich wolle man mehr jüngere Trainer. Ab 2018 werden zudem vier hauptamtliche Stützpunktleiter für Kanurennsport, Leichtathletik, Rudern und Schwimmen eingestellt.

Neue Anreize für Leistungssportler

Auch für Leistungssportler soll es mehr Anreize geben: Zu den Vorhaben zählen Erleichterungen beim Zugang zu zulassungsbeschränkten Studiengängen, Sportstipendien mit monatlich 400 Euro und eventuell eine reine Sportförderklasse in der Landespolizei. Geld will Sachsen-Anhalt zudem bereitstellen, damit hochklassige Wettbewerbe wie Weltmeisterschaften oder Deutsche Meisterschaften in Sachsen-Anhalt stattfinden. Diese hätten auch positive Auswirkungen auf die Wirtschaft, erklärte der Minister. Auch der behinderte Leistungssport werde weiter intensiv unterstützt. Der Minister bilanzierte: "Unser Sportland Sachsen-Anhalt ist auf einem guten Weg."

Ein Fußball-Tor auf einem Fußballplatz. Auf dem Rasen sind große Erdhaufen zu sehen.
Ein Fußballplatz in Vockerode im Mai 2017 Bildrechte: MDR/Andreas Behling

Probleme räumte Stahlknecht beim Zustand von Sportstätten ein. Es herrsche Sanierungsstau bei Schwimmhallen und Kunstrasenplätzen. Finanzschwache Kommunen können oft wegen des erforderlichen Eigenanteils keine Fördermittel beantragen. Durch Fördermittel nach der Hochwasserkatastrophe 2013 habe man aber fast hundert Millionen Euro in die Sanierung von Sportstätten stecken können. Auch EU-Mittel seien dafür genutzt worden.

Finanzierungslücke bei Sportstätten

Die im nächsten Jahr erfolgende Verringerung der Finanzierung von Trainingsstätten des Spitzensports durch den Bund – Kostenpunkt bis zu 150.000 Euro – will Sachsen-Anhalt zu einem Drittel ausgleichen. Den Rest müssten die Kommunen und der Sport übernehmen. Der Redner der SPD, Falko Grube, zeigte sich aber optimistisch: "Als Stadtrat darf ich sagen: In Magdeburg werden wir das irgendwie hinbekommen." Ansonsten stellte er sich hinter Stahlknecht:  "Wir unterstützen die Dinge, die Sie vorgetragen haben, voll und ganz." Grube betonte, er sei besonders von den Höchstleistungen von Sportlern mit Behinderung beeindruckt.

AfD will Sport nicht für Integration strapazieren

Freundschaftsspiel im Zeichen der Integration.
Integration durch Sport. Freundschaftsspiel zwischen einem Verein und Flüchtlingen 2016 in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Marc Biskup

Für die AfD stellte Fraktionschef André Poggenburg "große Schnittmengen" mit Minister Stahlknecht fest, soweit es um den Sport geht. Ansonsten nutzte er die Debatte für neuerliche Angriffe auf die Integrationspolitik der Landesregierung. Seine Partei wolle nur einen Bruchteil der Ausländer integrieren. Für alle ohne dauerhafte Aufenthaltserlaubnis sei daher nur eine "Grundintegration" erforderlich. In diesen Fällen müsse der Sport nicht strapaziert werden. "Es ist doch einfach unklar, warum nun auch der Sport für dieses irrige Gesellschaftsexperiment missbraucht wird."

Auch das Programm zur Erhöhung des Frauenanteils im Sport hält Poggenburg für "unsinnig" und stellte die Frage: "Haben wir dann irgendwann gemischtgeschlechtliche Disziplinen?" Der Sport dürfe nicht durch "linke Gesellschaftsexperimente kontaminiert" werden.

Die anderen Parteien ignorierten die Provokationen Poggenburgs in der Sportdebatte weitgehend. Der Grünen-Politiker Sebastian Striegel ließ sich zu einem hörbaren Zwischenruf animieren: "Das ist unglaublich, was Sie hier wieder absondern!" Striegel selbst hatte allerdings zur Sportdebatte wenig beizutragen. Er konzentrierte sich in seiner knapp fünfminütigen Rede auf Sportspiele am Computer – genannt E-Sport. Diese seien schon lange kein Randphänomen mehr, hätten aber in Deutschland noch keinen guten Platz. Striegel forderte, E-Sport solle auch in Sachsen-Anhalt anerkannt werden, denn ihm gehöre die Zukunft.  

Linke fordert mehr Geld für Breitensport

Thomas Lippmann, GEW
Thomas Lippmann ist Landtagsabgeordneter für die Linke. Bildrechte: MDR/R. Pelikan

Deutlich fundierter beschäftigte sich die Linke mit der Regierungserklärung von Stahlknecht. Redner Thomas Lippmann mahnte eine verlässliche Finanzierung und kontinuierliche Förderung von Sportvereinen an. Es seien größere Anstrengungen erforderlich, um den finanziellen Aufwand im Ehrenamt mehr anzuerkennen. Zwar unterstütze die Linke eine stärkere Fokussierung der Landesregierung auf die Förderung von Leuchttürmen im Leistungssport.

Allerdings müssten alle Sporttrainer besser bezahlt werden. Die Umverteilung von Mitteln dürfe zudem nicht zu Lasten ganzer Sportarten gehen. Geld müsse zuerst für Breiten-, Reha- und Behindertensport bereitgestellt werden, verlangte Lippmann. "Es reicht nicht aus, diese Bereiche an den Beginn der Regierungserklärung zu stellen. Sie müssen tatsächlich Priorität genießen." Der Breitensport gerate immer mehr in den Hintergrund. Die zunehmende Konzentration der Förderung auf den Spitzensport führe in die falsche Richtung und müsse korrigiert werden, mahnte der Linken-Politiker. Lippmann verwies auf Probleme beim Schulsport durch fehlende Lehrkräfte und marode Turnhallen.

CDU stellt Note für Schulsport in Frage

Die Schlussrede des CDU-Abgeordneten Carsten Borchert erinnerte in Teilen an den Auftaktvortrag des Innenministers. Allerdings stellte Borchert noch ein paar Ideen zur Diskussion, um junge Leute für den Sport zu motivieren. Eine war Lehramtsstudenten im Rahmen ihres Studiums zu verpflichten, Sport-Arbeitsgemeinschaften zu leiten. Auch könne man über die Notwendigkeit von Zensuren im Sportunterricht nachdenken, sagte Borchert: "Brauche ich den Druck von Noten im Sport überhaupt?"

Was die anderen Parteien darüber denken, blieb am Ende der Debatte offen. Gerade von AfD-Fraktionschef Poggenburg wäre eine Antwort interessant gewesen. Immerhin hatte der zuvor gefordert, jeder Schüler solle im Sportunterricht auch mal an die Grenzen seiner Belastbarkeit kommen.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 29.09.2017 | 12:00 Uhr

Quelle: MDR/fw

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2017, 20:55 Uhr

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2 Kommentare

29.09.2017 20:18 Reini 2

Die Erklärung des Ministers , die gemeinsam mit dem LSB getragen wird, kann ich nur begrüßen. Förderung der Basis und gezielte Förderung des Leistungssports. Freude über die Aussagen der Linken und der SPD. Sie haben sich mit der Thematik beschäftigt. Der Grüne Abgeordnete sagte zur Aussage Poggenburg "Das ist unglaublich, was Sie hier wieder absondern " ! Recht hat er , aber bezogen auf seine Aussage
!! Ein Landtagsabgeordneter mit dieser Meinung ist eine Zumutung. Er hat den Sinn des Sporttreibens in den Vereinen und im Schulsport nicht verstanden. Dann würde ich doch lieber den Mund halten als solchen Dünn... von mir zu geben.
Einfach nur traurig !!!!

29.09.2017 16:18 Ulla 1

Wenn kein Geld da ist, einfach die umstrittenen Parteispenden für den Sport.