Katrin Budde, SPD-Landesvorsitzende Sachsen-Anhalts
Die frühere SPD-Landeschefin Katrin Budde will in den Bundestag wechseln. Bildrechte: dpa

SPD-Parteitag in Köthen Lischka Spitzenkandidat, Budde an Platz 2

In Umfragen befand sich die SPD zuletzt bundesweit im Aufwind. Davon will die Partei auch in Sachsen-Anhalt profitieren. An diesem Sonnabend hat sie auf einem Landesparteitag nun ihre Kandidaten für die Bundestagswahl bestätigt. SPD-Chef Burkhard Lischka ist ihr Spitzenkandidat. Mit Spannung war erwartet worden, ob die frühere Landeschefin Katrin Budde an Platz 2 kommt: Das gelang ihr mit 52 Ja-Stimmen.

Katrin Budde, SPD-Landesvorsitzende Sachsen-Anhalts
Die frühere SPD-Landeschefin Katrin Budde will in den Bundestag wechseln. Bildrechte: dpa

Auf einem außerordentlichen Parteitag in Köthen hat die SPD in Sachsen-Anhalt ihre Landesliste bestimmt und damit Burkhard Lischka als Spitzenkandidaten bestätigt. Der SPD-Landeschef wurde mit 93 von 102 gültigen Stimmen als Gesicht für den Einzug in den Bundestagswahlkampf gewählt. Seit 2009 sitzt er im Bundestag, seit 2014 ist er innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

Lischka hat die SPD auf dem Parteitag zur Geschlossenheit aufgerufen. Auf dem Podium sagte er: "Lasst uns nicht unsere Kraft vergeuden mit internen Streitigkeiten. Das schwächt uns und stärkt die anderen." Bereits im Vorfeld hatte er außerdem die Losung ausgegeben, er hoffe auf den "überflüssigsten Parteitag in der Geschichte der SPD". Der Anspruch müsse sein, dass die Partei ausschließlich mit Direktkandidaten in den Bundestag einziehe und die Landesliste gar nicht gebraucht werde.

Burkhard Lischka auf dem Podium.
Burkhard Lischka auf dem Podium. Bildrechte: MDR/Ronald Neuschulz

Mit Blick auf den umstrittenen Vorschlag mit Katrin Budde auf Listenplatz 2 äußerte er zudem, Budde verfüge über große Erfahrungen und würde in Berlin ohne Anlaufschwierigkeiten starten. Zu kritischen Stimmen meinte Lischka, die SPD insgesamt habe die letzte Landtagswahl verloren, nicht nur Budde. Zum Parteitag forderte er Respekt und Solidarität im Umgang miteinander. Bei Abstimmungen gehörten Gegenkandidaten dazu, alte Wunden sollten allerdings nicht wieder aufgerissen werden.

Budde gewinnt Kampfkandidatur um Listenplatz 2

Nach einer Kampfkandidatur gegen zwei weitere Anwärter auf den prominenten Listenplatz 2 setze sich Katrin Budde schließlich knapp mit 52 Ja-Stimmen durch. Bundestagsabgeordnete Marina Kermer (30 Ja-Stimmen) und die Tierärztin Franziska Kersten (18 Ja-Stimmen) zogen den Kürzeren. Sie kamen schließlich auf die Listenplätze 4 und 6. Budde zeigte sich nach der Wahl erleichtert: "Es war schon eine sehr persönliche Debatte. Ich würde lügen, wenn ich sage, das ist mir nicht an die Nieren gegangen."

Budde, langjährige einstige Partei- und Fraktionschefin, ist innerhalb der SPD umstritten. Nach dem schlechten Ergebnis der SPD bei der Landtagswahl hatte sie alle Ämter abgegeben und ist seitdem nur noch Landtagsabgeordnete. An der Basis hatte sich gegen Buddes Kandidatur nun Widerstand geregt. In mehreren Kreisverbänden gab es offen Kritik, ebenso auf dem Parteitag selbst. Mitglieder machen Budde persönlich für das schlechte Abschneiden bei der Landtagswahl verantwortlich. Die SPD hatte im März 2016 nur 10,6 Prozent der Stimmen bekommen. Budde war von der SPD in Mansfeld-Südharz bereits zur Direktkandidatin der Partei aufgestellt worden. Mit Spannung war nun erwartet worden, ob sie das Vertrauen der Delegierten auch für den 2. Platz der Landesliste bekommt.

Der Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby, der seit 2013 für den Wahlkreis Halle im Bundestag sitzt, wurde für den Listenplatz 3 bestätigt.

Bestätigte SPD-Landesliste zur Bundestagswahl Platz 1 bis 5
Listenplatz Name Wahlkreis
1 Burkhard Lischka 69 - Magdeburg
2 Katrin Budde 74 - Mansfeld
3 Karamba Diaby 72 - Halle
4 Marina Kermer 66 - Altmark
5 Eberhard Brecht 68 - Harz

Im aktuellen Bundestag gibt es vier Abgeordnete aus der SPD Sachsen-Anhalt, darunter die Wolmirstedter Abgeordnete Waltraud Wolff, die nicht wieder antritt.

Fraktionschefin Pähle fordert "Teamwork"

Sachsen-Anhalts SPD-Fraktionschefin Katja Pähle hat vor der Aufstellung der Landesliste für die Bundestagswahl geschlossene Reihen in der Landes-SPD gefordert. Sie sagte: "Wahlkampf ist vor allem eins: Teamwork. Im Gegeneinander erringt man keinen Erfolg." Sie erinnerte an den Absturz der Partei zur Landtagswahl im vergangenen Jahr und schwor die Mitglieder auf die bevorstehende Wahl im Bund ein: "Wir wissen, wie man kämpft und politisch Punkte macht - das wird uns auch nützen. Deshalb kämpfen wir auch in Sachsen-Anhalt am 24. September nicht um Platz, sondern um Sieg."

Mit ihrem neuen Bundesvorsitzenden Martin Schulz sei die SPD insgesamt im Aufwind, bei Umfragen wie auch bei der Mitgliederentwicklung, betonte Pähle weiter. Allein in Sachsen-Anhalt seien seit Jahresbeginn 73 Eintritte registriert worden, weitere Anmeldungen lägen vor. Die Sozialdemokraten hoffen, langfristig von der Aufwärtskurve zu profitieren.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18.02.2017 | 7:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18.02.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2017, 15:27 Uhr

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28 Kommentare

02.05.2017 23:22 Bernd L. 28

Die SPD ist dank Frau Budde auf etwa 10% gerutscht. Jetzt ist diese Frau auf Platz 2- ja, es geht immer noch tiefer, verehrte SPD.

20.02.2017 16:52 rüdiger oppermann 27

Ein Vorschlag an die anderen Parteien: Ich würde, drei Wochen vor der BTW, ein Foto von Frau Budde plakatieren und darunter schreiben:
"Wollen Sie wirklich SPD wählen?" Bitte große Plakate!

20.02.2017 15:15 erni01 26

"SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will einem Bericht zufolge die Bezugsdauer für das Arbeitslosengeld I verlängern und damit die umstrittene Agenda 2010 reformieren" - Leider ist dazu die Kommentar - Funktion deaktiviert. Deshalb also hier. Die SPD ist in vollem Umfang für den unter der Rot-Grünen Regierung vollzogenen Sozialabbau ab 1998 (Agenda 2010) verantwortlich. Herr Schulz vertritt genau diese SPD. Herr Schulz hat in seiner Funktion nichts, aber auch gar nichts dafür getan, Europas Probleme zu lösen. Immer ging es nur um Gurkenkrümmung, Glühlampenverbote, Staubsaugerdezimierung oder Ähnliches. Tolle Leistung. Nicht ansatzweise Erfolge in der Euro- oder Griechenladkrise. Ein Versager auf ganzer Linie. Er wird nicht Kanzler...

20.02.2017 10:03 gwm 25

Budde, langjährige einstige Partei- und Fraktionschefin, ist innerhalb der SPD umstritten.
Aber eben nicht nur bei der SPD.
Schickt Sie doch einfach nach Brüssel, wenn Sie unbedingt versorgt werden muss.

19.02.2017 20:32 Adios SPD 24

Für die SPD als Spitzenkandiatin bei der Landtagswahl gerade mal 10, 6 % eingefahren! Na, wenn so der Neuanfang der SPD aussieht, in dem man Frau Budde nun zu einer Weiterbeschäftigung in den Bundestag lancieren will, dann hat für mich die SPD und nicht nur in Sachsen-Anhalt nun endgültig ihre Galubwürdigkeit verspielt. Schon dieses Postengeschiebe um Schulz, Steinmeier, Gabriel war schon zum Kotzen. Meine Wahlstimme gibt es dafür nicht mehr!!

19.02.2017 18:42 Hartmut Kämpfe 23

Ich kann den SPD Landesvorstand nicht mehr verstehen. Wie kann man nach dem Desaster der Landtagswahl wieder auf das alte Pferd setzen, es war die Ansage auf Neuanfang gestellt. Ich hatte Hoffnung. Aber so kann ich die SPD nicht wählen! Schade! Frau Kremer wäre die bessere Wahl gewesen. Sie bewegt etwas in unserer Altmark!!

19.02.2017 12:38 WT auf E100 22

Mit diesem Platz 2 hat sich die SPD keinen Gefallen getan! Damit ist sie für mich unwählbar geworden und es zeigt genau das Dilemma, in dem diese Partei in Sachsen-Anhalt steckt.

Gute Nacht und schämt Euch dafür, denn dieser Frau im Wahlkampf bleibt ihr da wo ihr seit, aufrecht gehend im Niemandsland der Politik !!!

19.02.2017 11:04 rüdiger oppermann 21

@ Georg: Lieber Georg, danke für Ihre Hinweise. Hoffen wir mal, dass sich alle, die überlegen diese Liste (der SPD) zu wählen, sich die Biografie der Nr. 2 vertraut machen. Eine Korrektur: Dienstwagen-Katrin hat bei der letzten LTW 10,6 % für die SPD erkämpft, nicht nur 10 %. Übrigens: Ich bin seit 1972 SPD-Mitglied und leide darunter, unter Frau Budde, unter Herrn Sarrazin... .

19.02.2017 01:20 Georg 20

Sehr geehrter Herr Oppermann, es liegt mir fern der Diplom Ingenieurin für "Arbeitsgestaltung", böses zu unterstellen. Zur Verteidigung von Katrin muss ich Sie korrigieren, natürlich war Sie nie eine " Gewerkschaftssekretärin " ! Sie ist nur durch , sagen wir mal Privaten Beziehungen auf einen Gewerkschaftsposten " gerutscht" . Da Ihr Studium " absolet " wurde, ergab sich nur diese Chance. Selbst nach dem 10 % Waterloo der SPD, bei der letzten Landtagswahl in SA, musste Katrin bei Nächtlichen Kampfabstimmungen und vielen Tränen, " überzeugt werden" das Sie auch in den nächsten 50 Jahren, nicht mehr erreichen wird. Dabei glaubte die bekennende Billig Schmuck Trägerin, es geht immer so weiter. Nun will Sie Geld als Bundestagsabgeordnete einstreichen. Für alle die ganz starke Zweifel, an den Fertigkeiten und Vorraussetzungen unserer Abgeordneten haben, möge Ihre Karriere Exemplarisch stehen.

18.02.2017 20:10 Halberstädter 19

„Ich beiße mich fest“, so stand es im Titel der „Magdeburger Volksstimme“ in einem Interview mit Katrin Budde (7. Februar 2017 nachzulesen). Der „Schenkelklopfer“ und zugleich entlarvend für den Charakter dieser Frau war für mich die letzte Frage des Redakteurs, im Gespräch mit Frau Budde, die wie folgt lautete: „Wie sieht Ihr Plan B aus, wenn der Sprung in den Bundestag misslingt?“
Die SPD-Politikerin Katrin Budde: „Dann bin und bleibe ich Landtagsabgeordnete und kümmere mich weiter engagiert um das Thema Europa. Das macht mir auch viel Spaß.“
Nach solch einer Aussage hat man sicherlich keine Fragen mehr, denn wie meinte Frau Budde doch so treffend über sich selbstsagend: „Ich beiße mich fest…“.

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