Ein junger blonder Mann kniet vor einem Kindertisch. Im Hintergrund stehen Regale und Spielzeug.
Sebastian Friedrich hat in Magdeburg ein Startup gegründet und stellt Spielzeug her. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Startups in Sachsen-Anhalt Innnovative Ideen sind Pflicht

Spielzeug aus 3D-Druckern, ein interaktives E-Book für Juristen und ein Tierimpfstoff aus Hefe – die Startups hinter diesen innovativen Ideen vereint vor allem dies: Sie kommen aus Sachsen-Anhalt und haben Ausdauer. Denn ihr Weg von der Gründung hin zum funktioniereden Geschäftsmodell ist lang.

von Marie-Kristin Landes, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein junger blonder Mann kniet vor einem Kindertisch. Im Hintergrund stehen Regale und Spielzeug.
Sebastian Friedrich hat in Magdeburg ein Startup gegründet und stellt Spielzeug her. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Auf den ersten Blick wirkt das Magdeburger Büro von Sebastian Friedrich karg: weiße Wände, weiße Regale und ein großer grauer Schreibtisch. Einzig die in allen Ecken verteilten kleinen Plastikfiguren verraten, womit er täglich zu tun hat: Spielzeug.

Vor knapp drei Jahren hat Friedrich gemeinsam mit Marko Jakob und Sebastian Schröder das Startup TinkerToys gegründet. Die Idee: Mithilfe einer eigens entwickelten Software können Kinder ihr ganz persönliches Spielzeug entwerfen und anschließend in einem 3D-Drucker drucken lassen. Der Clou: TinkerToys verwendet hierfür einen umweltfreundlichen Bio-Kunststoff auf Basis von Maisstärke. "Der klassische ABS-Kunststoff ist aus Erdöl, das wissen viele nicht", erklärt Friedrich.

Die Kombination aus kreativer Software und umweltfreundlichen 3D-Druck kommt gut an. TinkerToys wächst schnell. Von ursprünglich drei ist die Zahl der festen Mitarbeiter auf sechs gestiegen. Hinzu kommen zwei selbstständige Entwickler und jede Menge Werksstudenten. Diese werden vor allem auf den Workshops eingesetzt, die TinkerToys zusätzlich zu Kindergeburtstagen und Firmenveranstaltungen anbietet.

Starthilfe durch Gründerstipendium

Dass es für das Magdeburger Startup so schnell so gut läuft, hat vor allem zwei Gründe: Glück und eine gute Beratung. Die habe sich Friedrich, damals noch Student, frühzeitig beim heutigen Transfer- und Gründerzentrum der Universität Magdeburg geholt (TUGZ). "Wir wurden schnell dahin gedrängt, einen Businessplan zu schreiben und damit an Wettbewerben teilzunehmen", erzählt Friedrich. Eigentlich sei dies für den grundsätzlichen Startup-Gedanken "schlank anzufangen" kontraproduktiv. Doch nur mit einem Businessplan konnten sich die TinkerToys-Gründer auf ein Stipendium vom Land bewerben.

Bunte Spielzeugfiguren aus Plastik stehen auf einem Tisch.
Aus dem 3D-Drucker: Das Magdeburger Startup TinkerToys verwandelt Entwürfe von Kindern in Spielzeug zum Anfassen. Bildrechte: MDR/Marie Landes

"Das war sehr gut für uns als Gründer, weil es uns ermöglicht hat, frei von dem Marktdruck und dem Druck, wie finanziere ich mein Frühstück, zu arbeiten," sagt Friedrich über diese Zeit. Rund 1.200 Euro erhielt der studierte Wirtschaftsingenieur monatlich. Davon bezahlte er seine Miete, Krankenversicherung und investierte in TinkerToys. "Da bleibt nicht viel übrig, aber in Sachsen-Anhalt ist davon immer noch alles bezahlbar."

Niedrige Büromieten und geringe Lohnkosten: Gründe, weshalb TinkerToys trotz eines Ladens in Leipzig und Kooperationen mit Kreativwerkstätten in Berlin und München, seinen Hauptsitz weiterhin in Magdeburg haben wird. "Wir hätten auch sagen können, wir gehen nach Berlin und machen das hippe Startup-Ding in irgendeinem Loft. Dort ist es aber schon schwieriger einen Entwickler zu finden, der für das Budget, das wir haben, arbeitet."

Startup-Klassiker ist die App

Auf einem Laptop-Bildschirm ist ein Textfeld zu sehen, auf dem sich ein Pop-up-Fenster geöffnet hat.
Im Paragrafen nachlesen: gojur.way ersetzt schwere Bücher durch Pop-up-Fenster. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Auch Falko Liebau, einer der Gründer des Startups gojur.way aus Halle, finanziert seinen Unternehmensstart mithilfe des ego.Start-Stipendiums vom Land. 18 Monate lang erhält er knapp 2.000 Euro, um das auf einer App basierendes Startup marktfähig zu machen. Im November läuft die Förderung aus. Bis dahin muss gojur.way sich selbst finanzieren können.

"Die App ermöglicht es Jura-Studenten, mobil und offline auf Gesetzestexte und Bücher zuzugreifen," erklärt der 28-jährige Liebau, der von Minh Duc Ngujen und einem Werksstudenten unterstützt wird. Gojur.way ist eine Art interaktives E-Book, indem Gesetzestexte direkt mit dem Vorlesungsmaterial von Dozenten verbunden werden. So müssen Studenten nicht mehr in schweren Büchern nach dem richtigen Paragrafen suchen, sondern öffnen ihn per Klick. Zukünftig wollen Liebau und Kollegen aber noch einen Schritt weitergehen.

Drei junge Männer stehen in einer Reihe vor einer weißen Tafel mit Schrift und Symbolen.
Das goujur.way-Team um Programmier Falco Liebau (Mitte). Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

"Wir haben jetzt eine Medienfunktion getestet, das heißt, besonders interessante Passagen sollen Studenten markieren und in einer Art digitalen Karteikarte abspeichern können." Auch integrierte Video- und Audioelemente und eine Evaluationsfunktion, mit der Studenten Fragen an ihren Dozenten stellen können, sind geplant. "Wir wollen uns zukünftig breiter staffeln. Unsere Idee funktioniert nicht nur für Juristen, sondern auch für Wirtschaftswissenschaftler oder Mediziner." Einige Universitäten aus Sachsen-Anhalt seien bereits an einer Zusammenarbeit interessiert, sagt Liebau. Ein Grund, weshalb auch sie nicht nach Berlin oder Leipzig abwandern, sondern in Halle bleiben.

Life-Science-Startups: wegweisend für Sachsen-Anhalt

Während gojur.way die ersten kleinen Schritte geht, machen die Gründer von Verovaccines aus Halle bereits ganz große. Und das, obwohl ihr Startup erst in diesem Sommer gegründet werden soll. Das siebenköpfige Team aus Wissenschaftlern der Universität Halle hat einen neuartigen Tierimpfstoff auf der Basis von Lebensmittelhefen entwickelt, der den bestehenden Markt revolutionieren könnte.

Ein Mann mit Glatze und Brille steht im grauen Sakko vor einem Farn.
Hanjo Hennemann ist einer der zukünftigen Gründer des Biotechnologie-Startups Verovaccines aus Halle. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

"Nehmen wir einmal eine Legehenne. Die Wenigsten wissen, dass sie im Laufe ihres Lebens 19 unterschiedliche Impfungen durchmacht. Das ist teuer," erklärt Hanjo Hennemann, Molekularbiologe und zukünftiger Geschäftsführer des Startups. An diesem Punkt setzt die Idee von Verovaccines an. Mithilfe des neuen Impfstoffes sollen schon bald Nutztiere wie Legehennen nur noch durch eine einzige Dosis gegen mehrere Krankheiten geschützt werden. Und das bei weniger Kosten. "Wir können diese Impfstoffe mehr als 90 Prozent günstiger herstellen, als die klassischen Kombinationsimpfstoffe am Markt."

Eine bahnbrechende Idee, die, anders als bei einem Startup, das auf Apps oder 3D-Druckern basiert, für ihre Umsetzung sehr viel Kapital benötigt. Verovaccines wird, wenn alles klappt, mit sieben Millionen Euro starten – unterstützt durch Förderprogramme des Landes, vom Bund und vor allem durch Investoren. Geld, dass bei einem Startup dieses Formats wenig Spielraum lässt. "Der erste Schuss muss sitzen," sagt Hennemann. Sitzt dieser, dann wird in Sachsen-Anhalt mit Verovaccines ein Startup entstehen, das zukünftig in der deutschen Top-Liga der Biotechnologie mitspielt.

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2017, 08:39 Uhr

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