Warnbaken stehen am Ende einer Ausbaustrecke.
Sperrbaken weisen auf das Ende der Autobahn hin. Wenn alles klappt, soll der Bau jedoch nächstes Jahr weitergehen. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Volo-Blog "Wahlfahrt" Bennstedt – ein Ort ist hin- und hergerissen

Seit zehn Jahren endet die Autobahn 143 abrupt bei Bennstedt. Damals klagten Naturschützer vor dem Bundesverwaltungsgericht und errangen einen Baustopp. Was sagen die Bennstedter dazu? Das haben MDR-Volontäre am ersten Tag ihrer "Wahlfahrt" kurz vor der Bundestagswahl gefragt. Bis Sonntag widmen die Reporter sich auf ihrer Reise durch Sachsen-Anhalt täglich einem Thema. Heute: Infrastruktur.

von Florian Leue, MDR SACHSEN-ANHALT

Warnbaken stehen am Ende einer Ausbaustrecke.
Sperrbaken weisen auf das Ende der Autobahn hin. Wenn alles klappt, soll der Bau jedoch nächstes Jahr weitergehen. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Ein Gartengrundstück am Rande von Bennstedt. Karl Heinz Scholze lehnt auf seinem Gartentor und blickt über die weiten Felder, die hinter seinem Grundstück beginnen. In der Ferne ist das zu sehen, was die Bennstedter seit mehr als zehn Jahren beschäftigt: die A143 und ihr abruptes Ende kurz vor der Ortschaft.

Vor 20 Jahren begannen die Planungen für die Autobahn, die die A14 und A38 miteinander verbinden soll, um so den Verkehr in und um Halle zu entlasten. Doch seit 2007 ist nichts passiert. Naturschützer zogen vor das Bundesverwaltungsgericht und errangen einen Baustopp, da die Autobahn durch ein Naturschutzgebiet führen soll.

Von Versprechen enttäuscht

Ein Mann lehnt an einem Gartentor und blickt in die Ferne.
Karl Heinz Scholze sorgt sich vor allem um den Lärm, den die Autobahn mit sich bringen würde. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Karl Heinz Scholze steht in seinem ruhigen Garten und erzählt, dass ihn an dem Vorhaben etwas anderes viel mehr interessiert: Es ist der Lärm, der ihm Sorgen bereitet. Zwar sahen die Planungen Lärmschutzwände nach Bennstedt hin vor, allerdings nahm deren Höhe im Laufe der Zeit immer weiter ab. Für Scholze wurde deswegen viel versprochen – auch, um Bürgerinitiativen zu verhindern. Aber "wenn es dann dran geht, werden Versprechen nicht gehalten", sagt der Bennstedter.

Um die fehlende Verbindung doch noch fertigstellen zu können, kündigte Ministerpräsident Reiner Haseloff für 2018 einen neuen Planfeststellungsbeschluss an. Sollte dann alles klappen, werden die fehlenden 12,6 Kilometer bis 2021 gebaut.

Wenn es dann dran geht, werden Versprechen nicht gehalten.

Karl Heinz Scholze, Anwohner, über den Ausbau der A143

Die neue Autobahn würde dann nur knapp 200 Meter an einer etwas abseits gelegenen Kleingartenanlage vorbeiführen. Die Gärten liegen in einem kleinen Waldstück auf einem Hügel, von wo aus man den Blick über Bennstedt schweifen lassen kann. Frau Schwert hat hier seit 20 Jahren ein Grundstück. Sie kommt her, wenn sie abschalten und Ruhe haben will. Das war auch der Grund, warum sie den Garten hier haben wollte. Denkt sie an das Bauprojekt, ist sie hin- und hergerissen.

Auf der einen Seite fürchtet auch sie sich vor dem Lärm, den die Bauarbeiten und die fertige Autobahn hervorrufen würden. Auf der anderen Seite erkennt sie die Vorteile der Streckenverbindung. Ihre Heimreise würde sich durch eine fertige A143 massiv verkürzen. Auf die Frage, ob sie etwas ändern würde, wenn sie könnte, denkt sie eine Weile schweigend nach. Dann sagt sie: "Ich nehme es so hin, wie es ist. Ich bin aber auf keinen Fall glücklich."

Mitsprache? Wenig.

Auf einer Autobahn weist ein Schild auf das nahende Ende der Strecke hin.
Die Autobahnschilder weisen schon darauf hin: Bei Bennstedt endet die A143. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Es ist diese Ambivalenz, die sich durch ganz Bennstedt zieht. Vor allem die Pendler und Anwohner, die öfter nach Magdeburg müssen, wären über die verkürzte Fahrzeit glücklich. Doch immer wieder brechen auch die Bedenken aus den Menschen heraus. Die langwierigen Bauarbeiten. Der Lärm. Die Abgase.

Aber werden die Sorgen der Bürger auch gehört? Hierbei sind sich Scholze und Schwert einig: Man wird informiert, die Bedenken werden aufgenommen, aber im Endeffekt können die Bennstedter wenig mitreden. "Die Notwendigkeit wird von einer Seite immer betont", sagt Scholze und spielt damit auf die Politik an. Es schwingt ein wenig Resignation mit, als er sich verabschiedet und sich wieder seiner Gartenarbeit widmet. Für kurze Zeit herrscht Ruhe und man hört nur den Wind, der durch die Maisfelder weht. Das könnte sich für Bennstedt schon bald ändern.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR extra | 24. September 2017 | 17:45 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2017, 20:25 Uhr

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1 Kommentar

19.09.2017 16:46 Hannchen 1

Ich wohne direkt an einer bedeutsamen Bahnstrecke. Lärmschutz gibt's nicht. Aber ich muss sagen...man kann gut damit leben. Alte Gewohnheiten gibt man ungern auf. In vielen Gemeinden wurden Umgehungsstraßen gefordert und realisiert. Und danach wurde festgestellt, dass Handel und Gastronomie den Bach runter gingen. Allen Menschen recht getan..sie wissen schon.