Wähler stehen im Wahllokal bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in den Wahlkabinen.
Besuch erwünscht: Zur Bundestagswahl am 24. September werden in Sachsen-Anhalt Tausende Wahllokale öffnen. Das Bild zeigt ein Wahllokal bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr. Bildrechte: dpa

Hintergrund Was man über die Bundestagswahl wissen muss

Erst- und Zweitstimme, Überhangmandat, Landesliste: Für was stehen diese Begriffe – und was bedeuten sie für die rund 1,8 Millionen Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt? MDR SACHSEN-ANHALT erklärt die wichtigsten Regeln rund um die Bundestagswahl am 24. September 2017.

Wähler stehen im Wahllokal bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in den Wahlkabinen.
Besuch erwünscht: Zur Bundestagswahl am 24. September werden in Sachsen-Anhalt Tausende Wahllokale öffnen. Das Bild zeigt ein Wahllokal bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr. Bildrechte: dpa

Am 24. September wird ein neuer Bundestag gewählt. Nach Schätzung des Bundeswahlleiters sind dann rund 1,8 Millionen Menschen in Sachsen-Anhalt aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Was Sie vor der Wahl wissen müssen.

Ein Stimmzettel wird in eine Wahlurne geworfen.
Wer das Vertrauen der meisten Wahlberechtigten bekommt, vertritt seinen Wahlkreis in den kommenden vier Jahren als Politiker mit einem Direktmandat (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Das Direktmandat

Für Politiker gibt es zwei Wege, in den Deutschen Bundestag einzuziehen. Einer davon ist das Direktmandat, der auch als Wählerauftrag bezeichnet wird. Diesen Wählerauftrag bekommt der Politiker, der in einem Wahlkreis die meisten Erststimmen bekommen hat. Wenn zwei Direktkandidaten die gleiche Stimmenzahl bekommen, entscheidet das Los.

In den vergangenen vier Jahren seit der Bundestagswahl 2013 haben folgende Politiker aus Sachsen-Anhalt ihren Wahlkreis als direkt gewählte Abgeordnete vertreten:

  • Wahlkreis 066 (Altmark): Jörg Hellmuth (CDU)
  • Wahlkreis 067 (Börde – Jerichower Land): Manfred Behrens (CDU)
  • Wahlkreis 068 (Harz): Heike Brehmer (CDU)
  • Wahlkreis 069 (Magdeburg): Tino Sorge (CDU)
  • Wahlkreis 070 (Dessau – Wittenberg): Ulrich Petzold (CDU)
  • Wahlkreis 071 (Anhalt): Kees de Vries (CDU)
  • Wahlkreis 072 (Halle): Christoph Bergner (CDU)
  • Wahlkreis 073 (Burgenland – Saalekreis): Dieter Stier (CDU)
  • Wahlkreis 074 (Mansfeld): Uda Heller (CDU)

Welche Direktkandidaten Sachsen-Anhalts Parteien bei der Bundestagswahl im Herbst ins Rennen schicken, erfahren Sie beim Klick auf die jeweilige Partei:

Die Landesliste

Der zweite Weg in den Bundestag ist die Landesliste einer Partei. Als solche wird eine Liste von Kandidaten bezeichnet, mit der sich Parteien um Sitze im Deutschen Bundestag bewerben. Von diesem Recht haben zur anstehenden Bundestagswahl 17 Parteien aus Sachsen-Anhalt Gebrauch gemacht.

Sie haben ihre Landeslisten bei der Landeswahlleiterin eingereicht, 14 von ihnen wurden vom Landeswahlausschuss für die Wahl zugelassen, die Listen der restlichen drei Parteien wurden abgelehnt. Welcher Politiker welchen Platz der Landesliste belegt, wird in der Regel in geheimer Wahl auf einem Parteitag entschieden. Diese Landesparteitage haben in Sachsen-Anhalt bereits in der ersten Jahreshälfte oder im vergangenen Jahr stattgefunden.

Stimmzettel
Jeder Wahlberechtigte hat zwei Stimmen: die Erststimme und die Zweitstimme. Das nennt man Zweistimmenwahlrecht. Bildrechte: IMAGO

Die Erst- und Zweitstimme

Vor jeder Wahl taucht sie wieder auf, die Frage nach Erst- und Zweitstimme. Dabei ist die Regel eigentlich ganz simpel. Wer am 24. September in die Wahlkabine geht, findet auf dem Stimmzettel zwei Spalten – linkerhand für die Erststimme, rechterhand für die Zweitstimme.

Mit der Erststimme wählen Wahlberechtigte den Wahlkreiskandidaten einer Partei – oder aber solche Bewerber, die unabhängig von einer bestimmten Partei für den Deutschen Bundestag kandidieren. Mit der Zweitstimme wird hingegen die Landesliste einer Partei gewählt. Die Zahl der Zweitstimmen für eine Partei entscheidet darüber, wie viele Sitze eine Partei im neu gewählten Bundestag bekommt. Dazu ein Beispiel: Wenn auf die Partei A 25 Prozent aller Zweitstimmen entfallen, bedeutet das: Sie bekommt mindestens 25 Sitze im neugewählten Bundestag.

Auf einer Sachsen-Anhalt-Karte sind die Wahlkreise zur Bundestagswahl in verschiedenen Farben zu sehen.
Zur Bundestagswahl besteht Sachsen-Anhalt aus neun Wahlkreisen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wahlkreise in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gibt es neun Wahlkreise – und damit neun Politiker, die als Direktkandidaten aus Sachsen-Anhalt sicher in den Bundestag einziehen werden. Ihnen reicht für den Einzug in den Bundestag eine einfache Mehrheit. Das bedeutet im Klartext: Wer die meisten Erststimmen bekommt, vertritt in den folgenden vier Jahren seinen Wahlkreis als direkt gewählter Abgeordneter.

  • Wahlkreis 066: Altmark (Landkreis Stendal, Altmarkkreis Salzwedel)
  • Wahlkreis 067: Börde – Jerichower Land (Landkreis Börde, Landkreis Jerichower Land)
  • Wahlkreis 068: Harz (Landkreis Harz, Aschersleben, Seeland)
  • Wahlkreis 069: Magdeburg (Kreisfreie Stadt Magdeburg, Barby, Bördeland, Calbe/Saale, Schönebeck/Elbe)
  • Wahlkreis 070: Dessau – Wittenberg (Kreisfreie Stadt Dessau-Roßlau, Landkreis Wittenberg)
  • Wahlkreis 071: Anhalt (Landkreis Anhalt-Bitterfeld, Bernburg/Saale, Hecklingen, Könnern, Nienburg/Saale, Staßfurt, Verbandsgemeinde Egelner Mulde, Verbandsgemeinde Saale-Wipper)
  • Wahlkreis 072: Halle (Kreisfreie Stadt Halle/Saale, Kabelsketal, Landsberg, Petersberg)
  • Wahlkreis 073: Burgenland – Saalekreis (Burgenlandkreis, Bad Dürrenberg, Braunsbedra, Leuna, Schkopau)
  • Wahlkreis 074: Mansfeld (Landkreis Mansfeld-Südharz, Bad Lauchstädt, Merseburg, Mücheln/Geiseltal, Querfurt, Salzatal, Teutschentahl, Wettin-Löbejün, Verbandsgemeinde Weida-Land)

Die Fünf-Prozent-Hürde

Die Fünf-Prozent-Hürde wird auch Sperrklausel genannt. Sie regelt, dass nur diejenigen Parteien in den Bundestag einziehen, die ein Wahlergebnis von mindestens fünf Prozent aller Zweitstimmen erzielt haben. Die Fünf-Prozent-Hürde soll verhindern, dass zu viele sehr kleine Parteien im Parlament vertreten sind und es so zu einer Zersplitterung kommt.

Trotzdem ist es für eine Partei möglich, mit weniger als fünf Prozent der Zweitstimmen in den Bundestag einzuziehen – dann nämlich, wenn sie mindestens drei Direktmandate bekommt. In diesem Fall wird der Anteil der Zweitstimmen einfach obendrauf gerechnet, sodass die Partei mehr als drei Abgeordnete im Parlament stellt.

Sitzverteilung im Bundestag
Die Sitzverteilung im Deutschen Bundestag unmittelbar nach der Bundestagswahl 2013. Inzwischen sitzen nur noch 630 Abgeordnete im Parlament. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Sitzverteilung

Wer die meisten Sitze im Bundestag hat, kann seine politische Ziele am ehesten vorantreiben. In der ablaufenden Wahlperiode waren das CDU und CSU, die wegen ihres Wahlergebnisses von 2013 auf ursprünglich insgesamt 311 Sitze im Parlament kamen.

Wie viele Sitze die Fraktionen im Bundestag bekommen, hängt von deren Wahlergebnis ab. Nach Auskunft des Bundeswahlleiters werden dazu in einem mathematischen Verfahren Wählerstimmen in Abgeordnetenmandate umgerechnet.

Das Überhangmandat

Überhangmandate sind bei nahezu jeder Wahl Thema. Ein Überhangmandat entsteht dann, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Erststimmen bekommen hat, als ihr durch den Anteil ihrer Zweitstimmen Sitze im Bundestag zustehen. Um es an einem Beispiel deutlich zu machen: Ein Überhangmandat entsteht, wenn der Partei B wegen des Anteils ihrer Zweitstimmen 50 Mandate im Bundestag zustehen, sie aber 51 Erststimmen bekommen und entsprechend viele Direktmandate errungen hat. Dann entsteht ein Überhangmandat – das aber seit vier Jahren nicht mehr seine einstige Bedeutung hat.

Das liegt an einer Änderung des Wahlrechts vor der Bundestagswahl 2013. Seitdem werden Überhangmandate ausgeglichen, mit sogenannten Ausgleichsmandaten. So wird die Zahl aller Sitze im Bundestag so lange vergrößert, bis alle Überhangmandate ausgeglichen sind. Die entstehenden neuen Mandate werden auf die übrigen Parteien verteilt. Wenn eine Partei also ein Überhangmandat bekommt, müssen alle anderen Parteien ebenfalls ein zusätzliches Mandat bekommen. So soll sichergestellt werden, dass das Machtverhältnis im Parlament dem entspricht, wie die Wählerinnen und Wähler mit ihren Stimmen entschieden haben.

Bei der Bundestagswahl vor acht Jahren hatte es 24 Überhangmandate gegeben, die meisten davon in Baden-Württemberg. In Sachsen-Anhalt waren bei einer Bundestagswahl zuletzt 2005 Überhangmandate zustande gekommen – vier an der Zahl für die SPD.

Wahlunterlagen und -umschläge auf einem Tisch.
Wer am Wahltag verhindert ist, kann die Briefwahl beantragen. Bildrechte: MDR/André Plaul

Der Wahltag

Wenn am 24. September ein neuer Bundestag gewählt wird, sind nach Schätzung des Statistischen Bundesamtes deutschlandweit etwa 61,5 Millionen Menschen wahlberechtigt – darunter 31,7 Millionen Frauen und 29,8 Millionen Männer. Die Zahl ist nach Angaben des Bundeswahlleiters damit etwas geringer als noch vier Jahren. Um wählen zu können, bekommt jeder Wahlberechtigte eine entsprechende Benachrichtigung. Daraus geht hervor, in welchem Wahllokal die Stimme abgegeben werden muss.

Wer am Wahlsonntag keine Zeit hat, kann eine Briefwahl beantragen. Ein solcher Antrag kann bis zum Freitag vor der Wahl, also bis zum 22. September, eingereicht werden. Am Wahltag selbst sind die Wahllokale bundesweit von 8 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Im Anschluss werden erste Hochrechnungen veröffentlicht.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24.09.2017 | ab 17:00 Uhr
MDR EXTRA zur Bundestagswahl | 24.09.2017 | 17:45 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 24.09.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 11. August 2017, 12:36 Uhr

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