Sinn- und Glaubensfragen | MDR FIGARO | 31.10.2012 | 16:05 Uhr | Audios : Reformation und Musik
Schon Martin Luther, der bisweilen unter Melancholie litt, hat es gewusst: "Musik vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich", schrieb der Reformator, der selbst ein musischer Mensch war. Doch wie ist es heute um die Kirchenmusik bestellt? Das erkundet MDR FIGARO.
Als Schüler in den "Sieben Freien Künsten" hatte Martin Luther eine solide musikalische Ausbildung erhalten. Er konnte die Laute schlagen und übernahm beim mehrstimmigen Tischgesang gern die Altstimme. Bei der Verbreitung der Reformation spielt die Musik eine entscheidende Rolle. Luther dichtete Kirchenlieder, die den neuen Glauben weitertragen und sich – in einer Gesellschaft, in der viele Menschen weder lesen noch schreiben konnten – in Windeseile weiter verbreiteten. Zudem entstand eine musikalische Breitenarbeit, die ihresgleichen sucht. Schulchöre, Kantoreien und die sogenannten Adjuvantenensembles musizierender Laien sorgten für kirchenmusikalische Qualität selbst in ländlichen Regionen. Und wo gesungen wird, werden auch Komponisten benötigt, die für die Sänger schreiben.
Singen zur Förderung der Glaubensstärke
In Folge der Reformation brachte Mitteldeutschland eine Fülle an Komponisten hervor: angefangen mit Johann Walter, dem ersten evangelischen Kantor, über den Kirchenlieddichter Paul Gerhardt bis hin zu den Barock-Komponisten Schütz, Bach und Telemann.
Sie stehen für einen besonderen, "protestantischen" Klang, der auf der engen Verbindung von Musik und (Bibel-)Wort beruht. Denn nicht nur Theologen wie der Pietist August Hermann Francke waren davon überzeugt, dass Singen die Religiosität befördern kann.
Zum Stand der Kirchenmusik heute
Doch wie ist es heute im Kernland der Reformation, in dem die Christen inzwischen in der Minderheit sind, um die Kirchenmusik bestellt? Wer weiß heute um den Bildungswert des Singens, um die emotionale Kraft der Musik? Wie klingt "Evangelisch"? Welche Musik gehört überhaupt in die Kirche? Und wenn die meisten Gemeinden lieber das Weihnachtsoratorium hören – darf es dann auch Avantgarde-Musik sein? Und schließlich die Frage, die von Luther bis hin zu den Teilnehmern der Friedlichen Revolution 1989 viele Christen umgetrieben hat: Lässt sich mit Kirchenliedern auch Revolution machen?
MDR FIGARO ist diesen Fragen nachgegangen, hat eine Chorprobe, eine Gesangbuch-Bibliothek und eine evangelische Grundschule besucht, die sich der reformatorischen Musiktradition verbunden fühlt. Zu Wort kommen außerdem Experten wie Stefan Rhein, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt Christfried Brödel, Rektor der Hochschule für Kirchenmusik in Dresden und Christian Führer, Pfarrer i. R. der Leipziger Nikolaikirche.
Angaben zur Sendung
Serie:
Reformation und Musik
Sendung:
Mo., 22. bis Sa., 27. Oktober 2012
im Journal am Morgen (06:00-09:00 Uhr)
Autorin: Mechthild Baus
Musik und Reformation in der Lutherdekade
Im Jahr 2017 feiern evangelische Christen in aller Welt das 500-jährige Jubiläum der Reformation Martin Luthers. Für die Vorbereitung auf dieses denkwürdige Datum hat die Evangelische Kirche in Deutschland sage und schreibe zehn Jahre angesetzt. Jedes Jahr der sogenannten "Luther-Dekade" ist einem bestimmten Thema gewidmet. 2012 steht ganz im Zeichen der Musik.
Was die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) damit erreichen will, formuliert Claus Fischer, Mitarbeiter bei MDR FIGARO so: "Zeigen, dass sie einen Schatz hat, der zum Weltkulturerbe gehört. Und sie tut das, indem sie deutschlandweit kirchenmusikalische Veranstaltungen gezielt fördert."
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