Eine Lücke zwischen zwei Häusern ist abgesperrt.
Weil in Quedlinburg ein altes Haus abgerissen wurde, haben die Nachbarn nun Probleme mit ihren Wänden. Sie wurden beim Abriss stark beschädigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Abriss in Quedlinburg Löchrige Hauswand lässt Familie verzweifeln

Wer aktuell Kathrin Beneke und ihre Familie in Quedlinburg besucht, blickt auf einen Trümmerhaufen. Der Grund: In direkter Nachbarschaft der Familie ist ein Haus mit schwerem Gerät abgerissen worden. Dabei wurde auch die Wand der Benekes beschädigt. Sie sind inzwischen der Verzweiflung nahe.

Eine Lücke zwischen zwei Häusern ist abgesperrt.
Weil in Quedlinburg ein altes Haus abgerissen wurde, haben die Nachbarn nun Probleme mit ihren Wänden. Sie wurden beim Abriss stark beschädigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kathrin Beneke ist verzweifelt. Jetzt, da es kalt geworden ist, beginnt für sie und ihre Familie das Frieren. Der Grund: Die Benekes müssen eine Wand ihres Fachwerkhauses notdürftig mit einer Plane abdecken. Die Geschichte, wie es dazu gekommen ist, ist ganz gewiss nicht alltäglich.

Alles begann mit dem Abriss eines alten Hauses in direkter Nachbarschaft von Familie Beneke, die in einer mehr als 200 Jahre alten Fachwerkzeile lebt. Als die Bagger anrückten, wurde auch die Giebelwand der Benekes stark beschädigt. Die Folge: Jetzt ist der Fachwerkslehm feucht und löchrig. Nur noch Planen helfen, um wenigstens ein bisschen besser durch den Winter zu kommen.

Architekturbüro wollte Abhilfe schaffen

Ein Mann blickt in die Kamera, hinter ihm ist eine beschädigte Hauswand zu sehen.
Nachbar Martin Probst kann nur den Kopf schütteln. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eigentlich hatte das zuständige Architekturbüro aus der Region versprochen, Abhilfe zu schaffen. Passiert ist allerdings nichts. Nachbar Martin Probst kann über die Geschichte nur den Kopf schütteln. Er hat zuletzt mit angepackt, wenn wieder mal eine Plane angebracht werden musste. Probst sagt im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT, dass mehrere Löcher in die Wand gehauen worden seien – um die Stärke der Wand zu prüfen. "Als sie fertig waren, haben sie die Löcher einfach offen gelassen." Auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT hat das Architekturbüro eine Stellungnahme abgelehnt.

Vorher-Nachher-Bild Wie sich die Fachwerkzeile verändert hat

Blick auf dicht aneinander gebaute Häuser in Quedlinburg
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Blick auf dicht aneinander gebaute Häuser in Quedlinburg
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zwischen zwei Häusern klafft nach einem Abriss eine Lücke.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Eigentlich hätte das Gebäude an dieser sensiblen Stelle fachmännisch und per Hand abgerissen werden müssen, sagt Thomas Malnati, Fachbereichsleiter Bauen und Stadtentwicklung bei der Stadt Quedlinburg. Stattdessen rückten die Bagger an. Malnati: "Wir sind im Straßenraum und haben rechts und links Gebäude. Da muss bei der Vorbereitung genau geguckt werden, was der richtige Weg ist." In diesem Fall sei entschieden worden, "sehr sensibel zurückzubauen". Laut Malnati hätte dabei aber beachtet werden müssen, was rechts und links des Abrisshauses passiere. Jetzt sei die Situation leider, wie sie sei.

Stress zehrt an Nerven und der Gesundheit

Eine Frau sitzt an einem Tisch und blättert in Unterlagen.
Kathrin Beneke ist der Verzweiflung nahe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Kosten für den Schaden an der Giebelwand gehen inzwischen in die Tausende Euro. Das Opfer versucht sich, gegen die Zahlungen zu wehren. Kathrin Beneke berichtet aber, dass sie schon Drohungen erhalten habe. Ihr sei gesagt worden, dass sie – so sie nicht die Öffentlichkeit raushalte – "Leute kennenlernen werde, die ich nicht kennenlernen möchte".

Familie Beneke spürt inzwischen, wie der Stress mehr und mehr an ihren Nerven zehrt. "Ich habe das dritte Mal in diesem Jahr eine Lungenentzündung gehabt", sagt Kathrin Benecke, ihr Mann habe mit einem Hörsturz zu kämpfen gehabt. "Ich weiß nicht, wie lange das noch funktioniert." Klar ist, dass den Geschädigten wohl kein guter Ausgang der Geschichte bevorsteht: Ihnen bleibt jetzt nur noch der Gang vor Gericht.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21.11.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2017, 21:21 Uhr

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16 Kommentare

23.11.2017 16:20 Grestolf 16

Einige Leute können es wirklich nicht lassen.

Dieses Thema hier hat nun überhaupt nichts mit Merkel zu tun.

Da hat ein Architektenbüro einen Abriss in Auftrag gegeben und das Nachbarhaus beschädigt. Sowas soll es auch schon unter anderen Bundeskanzlern gegeben haben. Mann, mann ....

Peinlich, wenn hier jedes Thema von einigen Leuten für platte politische Stimmungmache benutzt wird. Leute, ihr merkt nichts mehr, oder?

Zum Fremdschämen.
Für das Betroffene Paar kann ich nur hoffen, dass sie einen Anwalt aufsuchen, der ihre Interessen vertritt und die Kosten einfordert.

Wenn die beiden wüßten, dass ihr Schadensfall jetzt auch noch für Merkel-Polemik verwendet wird, würden die wohl noch mehr die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Sowas hat niemand verdient. Aber einigen Schreibern hier ist es wohl vollkommen egal.

23.11.2017 15:06 Nordharzer 15

Das alles hat nichts mit der Kanzlerin zu tun. Die geltenden Gesetze sind schon wesentlich älter und wenn es an den handelnden Personen in Stadt und Landkreis liegt, hat es auch nichts mit ihr zu tun. Was soll also das sinnfreie Bezug nehmen auf Merkel? Ironie ist auch was anderes. Aber was sollst, es fehlt nur noch der Bezug auf Flüchtlinge, sonst fehlt mir was.

23.11.2017 14:12 Kritiker an Ur. Biela 14

Typisch, immer wenn Kritik an bestimmten Sachlagen geübt wird, verbunden mit einer ironischen Bemerkung, ist das für manche Menschen gleich politische Hetze. Devotes buckeln gen Berlin ist nun mal nicht meine Sache, wohl eher die Ihre!

23.11.2017 07:25 Anna Müller 13

@magdeburg 1965
Genau deshalb war das Bauamt bei Ihnen. Für die Werbeanlage brauchten Sie eine Baugenehmigung, die Sie wohl nicht hatten. Verstoß gegen öffentlich-rechtliche Vorschriften.
Hätten Sie das Schild 0,99 qm groß gemacht, wäre gar nichts passiert.

22.11.2017 17:48 Ur. Biela 12

@11:
Nummer 3 schrieb von der "fehlerfrei agierenden Elfe der Ukermark usw." - Jeder weiß, wer gemeint ist.

Vielleicht kann man sowas hier bitte mal raushalten. Es geht hier nicht um Merkel, sondern um ein geschädigtes Haus in Quedlinburg.

Wird denn hier von politischen Hetzern jedes Thema verbraten, um populistisch Stimmung zu machen?

Schlimm! Mindestens genauso fürchterlich, wie das Ellenbogenverhalten des Abriss-Verantwortlichen, der das Haus dort beschädigt hat. Das ist wohl ein deutsches Architekten-Büro, wie man hört.

Da hilft nur noch ein Anwalt. Der kennt sich beruflich mit solchen Dingen aus. Einfach mal ein Beratungsgespräch dort führen.

22.11.2017 17:18 @9,mattotaupa 11

Wo schreibt Nr 3 etwas von Merkel ????

Übrigens gibt es auch eine Großschreibetaste (wenn Sie schon so sinnfrei schreiben).

22.11.2017 17:10 Zahklewitz 10

Tipp an die geschädigte Familie:

Geht zum Anwalt und lasst dem Abriss-Verantwortlichen einen netten Brief zukommen. Darin sollte dann stehen, dass er innerhalb einer kurzen Frist die Schäden bezahlen soll, inklusive Anwaltskosten.

Wenn er sich weigert, möge der Anwalt bitte umgehend Klage einreichen. Dann wird es für den Verursacher noch teurer. Er muss dann auch noch die Gerichtskosten tragen.

Ohne Anwalt wird wahrscheinlich gar nichts passieren. Es gibt leider abgebrühte Leute, die erst dann aktiv werden, wenn sie offizielle Briefe bekommen. Ist leider so.

Da wird mit der Gutmütigkeit von Privatmenschen gespielt. Es ist aber keine Schande, per Klage sein Recht einzufordern. Im Gegenteil. Sonst bleibt man auf dem Schaden sitzen und der andere freut sich.

22.11.2017 15:35 mattotaupa 9

@#3: ist merkel nun auch schon für ein "Architekturbüro aus der Region" verantwortlich? wow. letztens fiel am wochenende die heizungsanlage im haus aus ... auch merkels schuld? aber okay, für sie ist halt merkel schuld, während der rest der welt eher das "Architekturbüro aus der Region" oder die ausführenden baggerfahrer in der schuld sieht. vielleicht nennt der mdr in der nächsten stufe roß und reiter oder zeigt zufällig mal das firmenschild im beitrag. ... übrigens, weihnachten wird wohl wieder nicht weiß werden ... auch merkels schuld, gelle?


Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:
Wir haben das Architektur-Büro um ein Interview gebeten, es wollte sich aber nicht äußern.

22.11.2017 15:21 red fighter 8

Wenn das Ingenieurbüro für einen so großen Schaden verantwortlich ist, müßte es wegen fachlicher Inkompetenz sofort geschlossen werden, zumal es vor einem kriminellen Hintergrund agiert, was durch die ausgesprochene Drohung bewiesen ist.

22.11.2017 12:15 Felsenstein 7

Wenn man eine gute Rechtsschutzversicherung hat, spricht nichts dagegen, sofort Klage einzureichen.

Ich würde das in diesem Fall sogar ohne Versicherung machen. Da sind da wirklich böse Schäden am Haus entstanden, die sich direkt auch auf die Bewohnbarkeit negativ auswirken.

Geld muss sowieso ausgegeben werden, um die Schäden zu beheben. Diese Kosten würde ich dem Verursacher sicherlich nicht schenken, sondern auf jedenfall Klage einreichen.