Eine Hand deutet auf einen Plan
Ein Plan sieht vor, auf einer Überflutungsfläche Kiesseen auszuheben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Anwohner befürchten: Kiesabbau gefährdet Hochwasserschutz

Menschen in Bühne und Stötterlingen im Harz sind besorgt: Ein Unternehmen möchte auf einer Überflutungsfläche tonnenweise Kies abbauen. Der Polder, der bei Hochwasser viel Wasser aufnehmen kann, würde kleiner. Dagegen formiert sich Widerstand.

von Isabell Hartung

Eine Hand deutet auf einen Plan
Ein Plan sieht vor, auf einer Überflutungsfläche Kiesseen auszuheben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wahre Berge von Kies sollen in den kommenden Jahren auf einer Überflutungsfläche zwischen Bühne und Stötterlingen bei Osterwieck abgebaggert werden. Ein Investor plant, 200.000 Tonnen Sand und Kies jährlich zu fördern. Derzeit fahren noch Trecker über die Äcker, unter denen das Baumaterial lagert. Geht es nach dem Willen der Landwirte und der Anwohner, soll das auch so bleiben: Sie fürchten, der Abbau könnte den Hochwasserschutz beeinträchtigen.

Erinnerung an Hochwasser 2002

Sachsen-Anhalt-Karte mit einer Markierung bei Bühne
2002 trat die Ilse übers Ufer und überschwemmte Bühne. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie wichtig ausreichend große Polderflächen sind, zeigte sich vor 15 Jahren: Damals trat die Ilse über die Ufer, in den Dörfern hieß es "Land unter". Der Abbau des Kieses könnte die Überflutungsfläche zerstören, befürchten die Dorfbewohner. Anstelle der grünen Äcker, deren Boden viel Wasser aufnehmen kann, würden vier große Baggerseen entstehen, die bei Hochwasser anschwellen würden.

Gegen die Abbaupläne organisiert Landwirt Joachim Moshake zusammen mit anderen Anwohnern bereits seit Jahren Widerstand: "Man eiert aus unserer Sicht mit der Politik sehr hin und her und die Fachkompetenz ist aus unserer Sicht nicht gegeben", findet der Bauer. Er hat sich an den Landtagsabgeordenten Wolfgang Aldag (Bündnis 90/Die Grünen) gewandt. Der wiederum hat eine Kleine Anfrage an das zuständige Wirtschaftsministerium gestellt: "Es hat sich herausgestellt, dass der Kiesabbau dort auf einer Fläche stattfinden soll, die als Vorranggebiet für Hochwasserschutz eingetragen ist – und damit gibt es eine Konfrontation zwischen zwei Belangen."

Das SPD-geführte Wirtschaftsministerium aber steht hinter den Plänen des Investors. Auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Aldag lautete die Antwort, die Befürchtungen der Bühner und Stötterlinger seien unbegründet.

Das Landesamt für Geologie und Bergwesen hat die Belange des Hochwasserschutzes […] geprüft und bislang festgestellt, dass das Verfahren die Belange des Hochwasserschutzes nicht derart beeinträchtigt, um es versagen zu können.

Antwort der Landesregierung - Drucksache 7/1288

Blick auf Bühne
Der Fluss führt direkt an der Ortschaft vorbei. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Weitere Befürchtungen: Trinkwasser gefährdet, hohe Verkehrsbelastung

Doch nicht nur der Hochwasserschutz würde durch den Kiesabbau gefährdet, glauben die Anwohner. Das Gelände, auf dem bald Bagger rollen könnten, ist ein Trinkwasserschutzgebiet. Der Sand und Kies im Boden wirkt als natürlicher Filter. Würde das Material gefördert, könne das Trinkwasser, das hier abgepumpt werde, künftig stärker mit Nitraten belastet sein, führt Joachim Moshake aus.

Auch die Verkehrsbelastung in den kleinen Orten wäre enorm, rechnet Moshake vor: Um pro Jahr die geplante Fördermenge von 200.000 Tonnen abzutransportieren, müssten täglich 27 LKW durch Stötterlingen und Bühne rollen – über kleine Kreisstraßen.

Wirtschaftsminister muss über Abbau entscheiden

Entscheiden muss am Ende Wirtschaftsminister Armin Willingmann, ob der Kiesabbau zwischen Bühne und Stötterlingen erlaubt wird. Die Gegner hoffen auf eine Entscheidung im Sinne des Hochwasserschutzes und nicht der Wirtschaft. Mittlerweile haben sie eine Petition in den Landtag eingebracht, um den Kiesabbau zu verhindern. Ein Ausschuss wird sich voraussichtlich im Juni damit befassen. Das ist Teilerfolg für Joachim Moshake und die anderen Gegner des Kiesabbaus. Die Entscheidung über den Abbau wird sich bis Ende des Jahres verzögern.

Dieses Thema im Programm: MDR Sachsen-Anhalt Heute | 10.05.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/rj

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2017, 14:27 Uhr

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