Ortseingangsschild von Altenhausen.
In Altenhausen haben nur 12,3 Prozent der Bürger die AfD gewählt. Bildrechte: MDR/Nora Hoffbauer

Altenhausen in der Börde Die Gemeinde mit wenig Protestwählern

In Altenhausen im Kreis Börde haben 12,3 Prozent die AfD gewählt. In kaum einem Ort in Sachsen-Anhalt war der Stimmenanteil für diese Partei so niedrig. Aber heißt das, dass die Menschen dort zufriedener sind als im Rest des Landes? Wir haben uns im Dorf umgehört.

von Mario Köhne, MDR SACHSEN-ANHALT

Ortseingangsschild von Altenhausen.
In Altenhausen haben nur 12,3 Prozent der Bürger die AfD gewählt. Bildrechte: MDR/Nora Hoffbauer

Zugegeben: Auch ich musste zuerst Google befragen, um ein paar Informationen über die Gemeinde Altenhausen mit ihren drei Orten Altenhausen, Emden und Ivenrode zu bekommen. Aber so einfach ist die Suche im Internet in diesem Fall nicht. Man erfährt fast gar nichts über die 1.200-Seelen-Gemeinde westlich von Haldensleben.

Dabei ist das Dorf seit Sonntag zumindest ein besonderer Ort auf der Wahl-Landkarte Sachsen-Anhalts: 12,3 Prozent der Stimmen hat die AfD hier geholt. "Nur" 12,3 Prozent – es ist das zweitschlechteste Ergebnis für die Partei in einem Ort Sachsen-Anhalts. Nur in der Gemeinde Altmärkische Wische hatten mit 12,2 Prozent noch etwas weniger Menschen die AfD gewählt.

In Altenhausen war außerdem die Wahlbeteiligung vergleichsweise hoch. Liegt es daran, dass die Menschen in Altenhausen so wenig Grund haben, Protest zu wählen?

Altenhausen hat oft ausländische Gäste

Auf den ersten Blick würde ich das sofort unterschreiben. Altenhausen ist sehenswert. Im Ortskern steht das schmucke Dorphus. Direkt nebenan ist die Feuerwehr untergebracht. Eine Tür weiter haben die Vereine ihr eigenes Haus.

Panorama mit einem Schloss und der Zufahrt.
Schloss Altenhausen Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Auf der gegenüberliegenden Seite der sanierten Straße befindet sich das Highlight: Hinter noch dichten Baumkronen liegt das Schloss. Es ist in den vergangenen 20 Jahren von Investoren umgebaut und saniert worden. Heute wird es als Restaurant, Jugendherberge und Hotel genutzt. Kinder können hier Reiter-Ferienfreizeiten verbringen. Mehr als 30.000 Gäste kommen durchschnittlich pro Jahr, erzählt Besitzer Stephan Holtorf. Er glaubt: "Offensichtlich sind die Menschen hier nicht so von den Parolen der AfD angesprochen worden. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir oft ausländische Gäste haben. Dadurch gibt es halt auch Kontakte mit anderen Kulturen."

Auch Bürgermeister Jürgen Kuhnert erzählt mir, dass er am Sonntag zunächst verwundert war, dass in seiner Gemeinde so wenige Menschen das Kreuz bei der AfD gemacht haben. Kuhnert hat die Wahl als Wahlhelfer begleitet und mit ausgezählt. "Mein erster Eindruck war: Die Leute hier sind mit der Politik offenbar zufrieden. Ob sie zufriedener sind als in anderen Orten, kann ich nicht sagen. Es dreht sich auch bei uns alles ums Geld. Ich würde gerne noch mehr machen und investieren."

Fehlende Einkaufsmöglichkeiten und seltene Busse

An diesem Montag nach der Bundestagswahl sind in Altenhausen nur wenige Menschen unterwegs. Wer mit ihnen über die Wahl, das Ergebnis und das Abschneiden der AfD in der Gemeinde spricht, bekommt interessante Antworten. Anscheinend sind die Menschen in dem kleinen Bördedorf doch gar nicht so zufrieden, wie das Wahlergebnis aussagt. Eine ältere Frau beklagt sich über fehlende Einkaufsmöglichkeiten und dass es keinen Arzt in der Nähe gibt. Der Weg zur Praxis und zum Supermarkt wird für sie noch beschwerlicher, da die Busse nur selten fahren.

Ein junger Mann bietet seine eigene Interpretation des schwachen AfD-Ergebnisses in Altenhausen: "Vielleicht haben die Menschen hier einfach nur mehr Grips als in anderen Orten." Eine Frau, die gerade mit ihrem Hund Gassi geht, beklagt sich, dass die Menschen aus dem Dorf so wenig am Ortsleben teilnehmen.

Gemeinde ist knapp bei Kasse

Dabei gibt es viele Angebote. Der Heimatverein ist sehr umtriebig. Auf dem Schloss finden immer wieder öffentliche Veranstaltungen statt. Um den Vereinen noch bessere Möglichkeiten zu bieten, müsste Geld in die Dorfgemeinschaftshäuser gesteckt werden. Aber das Geld ist schlicht nicht da.

Zwei Männer stehen auf einer Strasse.
Altenhausens Bürgermeister Jürgen Kuhnert (links) und Schlossinvestor Stephan Holtorf. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Im nächsten Jahr soll allerdings die Dorfstraße erneuert werden. Das sei schon seit zehn Jahren geplant, sagt Bürgermeister Kuhnert. Die Gemeinde sei die ganze Zeit knapp vor der Konsolidierung. Ein Ende ist dort nicht in Sicht. Neue Einnahmequellen gibt es nicht, auch nicht mittelfristig: Flächen für Gewerbe und somit für potenzielle Steuerzahler sind nicht vorhanden.

So bleibt bei meiner Abreise die Frage, wie sich Altenhausen aus dieser Spirale befreien will. Kurz bevor ich ins Auto steige, kommen zwei Radurlauber vorbei. Das Dorf liegt direkt am Elbe-Aller-Radweg, was einem aber überhaupt nicht auffällt. Vielleicht ist ja Tourismus eine Chance. Dafür sollte es aber zumindest als Anfang schon mal vernünftige Google-Suchergebnisse zu Altenhausen geben.

Mehr zum Thema

Blick über ein Dorf der Gemeinde Schnaudertal
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26.09.2017 | 06:15 Uhr

Quelle: MDR/fw

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2017, 17:18 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

10 Kommentare

27.09.2017 13:50 guantche 10

@Nr.8: Kümmern sie sich um ihre
Verhältnisse in Holland.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:
Was genau meinen Sie mit "Verhältnisse in Holland"?
Es steht jeder Person frei, seine Meinung hier zu äußern. Hauptsache, sie ist nicht beleidigend oder verstößt gegen geltendes Recht.

27.09.2017 13:04 Hor Es Te 9

Hatte eigentlich gedacht das MDR neutraler ist. Zwei ortschaften zum Ergebnis der Wahlen ausgesucht und besucht?Ja warum denn nur?Achja in welchem Ort wurde mit wenigen Prozenten und in welchem Ort mit hohen Prozenzen die AfD gewählt. Ist das jetzt der beginn einer serie?Also die nächsten Ortschaften mit viel und wenig für FDP , dann Linke , dann Grüne usw usw bis hinzur Gartenpartei?Oder doch nur etwas einseitig ?

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:
Die Entscheidung, über diese zwei Ortschaften zu berichten, hängt auch damit zusammen, dass die AfD eine Partei ist, die zum ersten Mal in den Bundestag einzieht.

27.09.2017 10:22 Klaas aus Holland 8

Was bringt protestwählen? Eingentlich doch nichts. Populisten agieren nur gegen etwas. Kommen nicht mit Loesungen. Und wenn sie mit Loesungen kommen dann sind die nicht machbar.

27.09.2017 10:02 Signifi Kant 7

Für eine ehrliche Betrachtung muss bei dieser begrenzten Grundgesamtheit auch der Altersschnitt der dortigen Bevölkerung betrachtet werden. Leben da nur evtl. noch Rentner? Nachweislich ist das Alter der CDU-Wähler überdurchschnittlich hoch, eventuell haben hier viele entsprechend althergebracht gewählt? Jedoch, auch das wird sich auf absehbare Zeit ändern..

27.09.2017 09:35 guantche 6

Wie vor der Wahl, so auch nach der
Wahl. Öffentlich Rechtliche Medien
zentralgeschaltet gegen die AfD.
Fühlt ihr euch als Medien wohl dabei?

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Die Reportage geht der Frage nach, warum die AfD in Altenhausen 12,3 Prozent der Stimmen erhalten hat. Eine Bewertung der Partei erfolgt nicht durch den Reporter.

27.09.2017 09:31 Wachtmeister Dimpfelmoser 5

Da ist ganz sicher etwas dran, dass es die Menschen unterschiedlich prägt, ob sie es bezüglich Ausländern mit wechselnden Kulturen von zahlenden Besuchern oder gleichbleibenden Unkulturen von fordernden und zu alimentierenden Dauergästen zu tun haben.

26.09.2017 19:05 Äh... 4

@26.09.2017 16:36 FSee (1 12,3 Prozent AfD, also Bundesdurchschnitt, sind nun auch kein Grund zum Jubeln. Aber die Reportage zeigt gut, worum es im Kern geht. Ermutigend, weil nicht schön geredet wird.)

Äh, Sie müssen eine andere Reportage gelesen haben: Die AfD hat mir >12 Prozent abgeschnitten, die Wahlbeteiligung in A. bleibt uns verborgen und so, wie es aussieht, schlägt sich die Gemeinde mal gerade so durch. Der WDR wäre angesichts eines solchen Wahlergebnisses im Sauerland in helle Panik geraten. Tatsächlich ist die "Analyse" da oben keine, sondern eine oberflächliche inhaltsleere Interpretation, die ich Ihnen im Handumdrehen in ihr Gegenteil umschreibe.

26.09.2017 18:17 jochen 3

Warum "Protestwähler " ?
Ich denke, die Bürger, die sich für die AFD entschieden haben, sind von der Richtigkeit der AFD Forderungen sehr überzeugt. Warum auch nicht, Mich haben die Argumente der Partei auch beeindruckt. Die Politiker haben wirklich völlig recht.
So wie jetzt kann es in Deutschland nicht weitergehen.

26.09.2017 17:37 W. Merseburger 2

Schöne Story, vielleicht macht sich jemand die unsinnige Mühe, in welchen Orten in Sachsen Anhalt welche Partei am schlechtesten abgeschnitten hat. Aber für die AfD ist uns ja kein Aufwand und sei er noch so widersinnig zu schade!

26.09.2017 16:36 FSee 1

12,3 Prozent AfD, also Bundesdurchschnitt, sind nun auch kein Grund zum Jubeln. Aber die Reportage zeigt gut, worum es im Kern geht. Ermutigend, weil nicht schön geredet wird. Danke