Werksgelände
Zwischen 2005 und März 2008 war in Tongruben im Jerichower Land illegal Müll entsorgt worden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Müllskandal im Jerichower Land Anklage im Prozess um illegale Abfallentsorgung

Im Müllskandal-Prozess ist am Landgericht Stendal die Anklage verlesen worden. In dem Verfahren geht es um rund 900.000 Tonnen Abfall, die illegal in Tongruben im Jerichower Land abgeladen wurden. Zum Prozessauftakt Mitte Februar war das nicht möglich. Einer der Hauptangeklagten war erkrankt.

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Zwischen 2005 und März 2008 war in Tongruben im Jerichower Land illegal Müll entsorgt worden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Fall von illegaler Entsorgung von Müll in Tongruben des Jerichower Lands geht die juristische Aufarbeitung weiter. In dem Prozess vor dem Landgericht Stendal ist am Montag die Anklage verlesen worden. Zum Prozessauftakt Mitte Februar war einer der beiden Hauptangeklagten aus gesundheitlichen Gründen nicht erschienen. Er soll einen Hörschaden erlitten haben.

Anwälte und Nebenkläger stehen in einem Gerichtssaal.
Prozess vor dem Landgericht Stendal Bildrechte: MDR/Marila Zielke

Nach Angaben des Landgerichts Stendal wirft die Staatsanwaltschaft den beiden Hauptangeklagten vor, zwischen September 2005 und März 2008 etwa 900.000 Tonnen Abfall illegal in den Tontagebau Vehlitz abgeladen zu haben.

Erlaubt waren laut eines Sonderbetriebsplanes des Bergbauamtes nur überwiegend mineralische Stoffe. Stattdessen soll hausmüllartiger Gewerbeabfall mit einem hohen organischen Anteil eingelagert worden sein. Dadurch war der Boden verunreinigt worden und es hatten sich giftige Gase gebildet.

Bis zu fünf Jahren Haft

Die beiden Männer waren Gesellschafter und Geschäftsführer des insolventen Entsorgungsunternehmens Sporkenbach Ziegelei Möckern. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, drohen den Hauptangeklagten bis zu fünf Jahre Haft. Neben ihnen sind noch fünf weitere Personen angeklagt. Ihnen wird laut Landgericht  Beihilfe zur unerlaubten Abfallbeseitigung und zum unerlaubten Betreiben einer Abfallbeseitigungsanlage vorgeworfen. Sie arbeiteten als Abfall- und Entsorgungsfachbetriebsbeauftragte, Vorarbeiter und kaufmännische Geschäftsführer.

In einem zweiten Fall wurden in der Tongrube Möckern rund 170.000 Tonnen Müll illegal abgeladen. Dieser Prozess läuft bereits seit eineinhalb Jahren. Schon einige Jahre läuft die Sanierung der beiden Tongruben: Bislang sind dafür rund 20 Millionen Euro geflossen. Die Sanierung soll bis mindestens 2033 andauern.

Dritter Prozess um Bestechlichkeit

In einem dritten Prozess soll geklärt werden, welche Rolle der frühere Landrat im Jerichower Land, Lothar Finzelberg, in der Müllaffäre spielte. Er soll in seiner Zeit als Landrat hohe Bargeldsummen angenommen haben. Auch Ministerpräsident Reiner Haseloff war in dem Prozess als Zeuge gehört worden.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06.03.2017 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. März 2017, 15:22 Uhr

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1 Kommentar

06.03.2017 19:53 Sigrid 1

Gesicht zeigen!
Nach dem Prozess möchte ich die unkenntlich gemachten Gesichter dieser Leute sehen!
Ausweisen, falls Schuld nachgewiesen werden Kann!
Gruß an die geschundene Heimat!

Anmerkung von MDR SACHSEN-ANHALT:
Angeklagte haben ein Recht am eigenen Bild, so wie jeder Bürger.