Nadine Sobotzik
Auf Veranstaltungen wie der Beautymesse "GLOW" treffen sich regelmäßig Blogger und ihre Fans. Bildrechte: Nadine Sobotzik

Mode in Sachsen-Anhalt "Blogs sind Inspirationen"

Blogger begeistern Tausende von Menschen, indem sie einen Einblick in ihre Welt gewähren. Oftmals stehen dabei die Themen Mode, Kosmetik und Lifestyle im Fokus. Auch Sachsen-Anhalt hat Blogger zu bieten. Eine von ihnen ist Nadine Sobotzik aus Magdeburg, die über Mode schreibt. Sie erklärt MDR SACHSEN-ANHALT wie sie dazu kam, wie das Bloggergeschäft funktioniert und wie es um die Bloggerlandschaft im Land steht.

von Olga Patlan, MDR SACHSEN-ANHALT

Nadine Sobotzik
Auf Veranstaltungen wie der Beautymesse "GLOW" treffen sich regelmäßig Blogger und ihre Fans. Bildrechte: Nadine Sobotzik

Verglichen mit Bloggern aus Metropolen wie Berlin oder London ist Nadine Sobotzik eine Anfängerin. Vor vier Jahren meldete die Sachsen-Anhalterin privat ein Profil bei dem sozialen Netzwerk Instagram an. Mittlerweile hat sie fast 18.000 Follower, also Menschen, die ihrem Profil folgen und auf ihre Erfahrungen und Empfehlungen vertrauen.

Es gehört einfach zu meinem Leben dazu, es ist wie mein eigener Katalog.

Nadine Sobotzik, Bloggerin
Nadine Sobotzik
Nadine Sobotzik vor dem Magdeburger Dom. Bildrechte: Nadine Sobotzik

Noch ist das Bloggen für Nadine Sobotzik ein Hobby und Nebenjob. Die zierliche Blondine studiert Wirtschaft und Deutsch auf Lehramt an der Universität Magdeburg und steht kurz vor der Verfassung der Bachelorarbeit. Wie viele andere Frauen zieht sich die 23-Jährige gern modisch an, macht sich die Nägel, benutzt gern Kosmetik. Der Unterschied ist, dass sie in ihrer Freizeit darüber schreibt oder Bilder über das soziale Netzwerk Instagram veröffentlicht.

Früher wollten alle Ärzte werden, heute möchten die Jugendlichen Blogger werden.

Nadine Sobotzik, Bloggerin
Nadine Sobotzik
Eines der Bilder aus dem Instagram-Profil von Nadine Sobotzik. Bildrechte: Nadine Sobotzik

Ihre Geschichte als Bloggerin begann vor vier Jahren eher ungeplant: Weil viele ihrer Freunde sich bei Instagram anmeldeten, erstellte auch sie sich ein Profil. Das Bloggen habe sich dabei "einfach entwickelt", so Sobotzik. Irgendwann postete Sobotzik Bilder, auf denen sie ihre Outfits zeigte. Dafür bekam sie viel Zuspruch und Anfragen von anderen Nutzern, woher die Kleidung sei. Als immer mehr Menschen ihren Instagram-Account abonnierten, entschied sie sich zusätzlich einen Blog zu schreiben. Im Blog habe sie Raum, ausführlicher über Mode, Kosmetikprodukte oder Reisen zu schreiben. Die meiste Zeit verbringt Sobotzik jedoch auf Instagram, da sie über das soziale Netzwerk mehr Menschen erreicht als über ihren persönlichen Blog.

Das Instagram-Profil ist eine Art Tagebuch, in dem sie auch Einblicke in ihr Leben bietet, in ihren Tagesablauf und Vorlieben. Dass das Bloggen einen großen Teil ihrer Freizeit einnimmt, mache ihr nichts aus, "es gehört einfach zu meinem Leben dazu, es ist wie mein eigener Katalog", sagt Sobotzik.

Das perfekte Foto

Bei der Entstehung ihrer Posts ist Sobotzik auf Unterstützung ihres Umfeldes angewiesen. Meist werden die Fotos für ihren Blog entweder von ihrer Mutter, Freundinnen oder dem Freund gemacht. Gepostet wird fast täglich, zumindest auf Instagram. Auf ihrem persönlichen Weblog ist die Frequenz geringer.

Nadine Sobotzik
Nadine Sobotzik sucht meist pastellfarbene Kulissen für ihre Fotos aus. Bildrechte: Nadine Sobotzik

Der mädchenhafte Stil Sobotziks spiegelt sich auch in den Kulissen ihrer Fotos wieder. Als Hintergrund dienen Verandas, blumige Wiesen, malerische Straßen und Häuser oder die eigene Wohnung. Viele Bilder entstehen an schönen Orten, wie am Strand im Urlaub oder auf Events. Sie selbst trägt dabei die Stücke, die sie gerade für modisch aktuell hält und die ihren Stil widerspiegeln. Auf ihren Bildern schaut sie meist verträumt, lächelt oder schaut kokett zur Seite. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Bis das perfekte Foto entsteht, auf dem die Pose und der Ausdruck stimmen, seien in der Regel 30 bis 40 Aufnahmen notwendig, so Sobotzik.

Ist ein passendes Bild gefunden, wird es anschließend bearbeitet, sodass es farblich mit ihrer Instagram-Seite harmoniert. Daher entstehen die Bilder immer am Tag, da Sobotzik ihren Account in hellen Tönen hält. Insgesamt benötigt Sobotzik für einen Post circa zwei Stunden. Deshalb macht die Bloggerin oft einen "Shooting-Tag", an dem sie Bilder mit ausgesuchten Outfits vorab produziert. Das ist aber nicht immer so: "manchmal entstehen Bilder sogar in der Mittagspause", lacht Sobotzik.

Erfahrung, Empfehlung, Produktplatzierung, Werbung

Der Kern eines persönlichen Blogs sind Erfahrungen oder Meinungen des Bloggers. Aus Erfahrungen werden oftmals Empfehlungen – zum Beispiel, wenn Follower nachfragen. Dass die Community den Empfehlungen der Blogger vertraut, hat die Industrie erkannt und kooperiert mit Bloggern, indem sie ihre Marken bei ihnen verbreitet oder sie gar für Werbung bezahlt.

Die ersten Anfragen bekam Sobotzik, als sie die 10.000 Follower-Marke bei Instagram erreichte. Der Ablauf ist meist der gleiche: Sie wird von einer Firma angeschrieben und nach einer Absprache bekommt sie Produkte zugeschickt, die sie testet. Die Produkte reichen von Lebensmitteln über Parfum bis hin zu Hygieneprodukten. Im Anschluss erfolgt ein Post mit der persönlichen Einschätzung, der meist mit einer Verlosung oder einem Rabattcode kombiniert ist. Das ist laut Sobotzik für einige Follower der Anreiz, Bloggern zu folgen.

Jeder muss seinen eigenen Stil finden. Blogs sind dabei nur Inspirationen.

Nadine Sobotzik, Bloggerin

Klingt nach gekauftem Werbegesicht und ist es laut deutschem Gesetz auch. Auch wenn die Kooperationen sich meist lediglich auf Produkttests beziehen und keine Einnahmen erfolgen, so gelten sie in Deutschland bereits als Werbung. Deshalb müssen solche Posts auch gekennzeichnet werden, sonst besteht der Vorwurf der Schleichwerbung. Sobotzik beteuert aber: "Ich kooperiere nur mit Marken und Produkten, die ich auch selbst mag."

Die Konkurrenz um die Likes

Es gibt sehr viele erfolgreiche Social-Media-Profile und viel Konkurrenz. Sich einen Account aufzubauen, ist laut Sobotzik seit dem Zusammenschluss von Instagram und Facebook schwierig geworden. Die kleineren Profile, wie von Sobotzik, würden immer mehr "geschluckt" werden. Für die Reichweite auf Instagram ist die Anzahl der Likes in der ersten Stunde entscheidend. Die Accounts mit einer großen Community bekommen demnach mehr Likes, und damit mehr Reichweite.

In Sachsen-Anhalt wird man als Blogger nicht ernst genommen. Viele haben es am Anfang belächelt.

Nadine Sobotzik, Bloggerin

Als Bloggerin aus Magdeburg hat es Nadine Sobotzik schwerer als ihre Kolleginnen in anderen Großstädten Deutschlands: "In Sachsen-Anhalt gibt es einfach nicht so viele große Firmen, die einen ansprechen", erklärt sie. Und ergänzt: "In Sachsen-Anhalt wird man als Blogger nicht ernstgenommen. Ich sehe das an meinen Kommilitonen oder Freunden. Viele haben es am Anfang belächelt. Durch die Ländlichkeit der Region bekommen es relativ viele schnell mit, wenn jemand bloggt, und darüber wird gesprochen. Ich mache es aber, weil es mir Spaß macht und ich habe mich durchgesetzt."

Unter den Bloggern selbst herrsche jedoch keine Konkurrenz, so Sobotzik. Es gebe sogar gemeinsame Chats und Events, auf denen sie sich austauschen und unterstützen. Austausch findet auch in Form der Kommentare unter den Posts statt. Die Blogger unter sich seien offen und würden sich mit Ratschlägen und Kommentaren gegenseitig helfen.

Schöne inszenierte Welt

Soziale Netzwerke stehen oft in der Kritik, nur eine Scheinwelt abzubilden. Auch Sobotzik gibt zu, dass gerade Instagram sehr oberflächlich ist. "Es spiegelt nur die schönen Seiten meines Lebens. Es ist lediglich ein Bruchteil. Ich würde meine Probleme und negativen Seiten nicht zeigen, da es zu privat ist", so Sobotzik. Durch die Zugänglichkeit eines öffentlichen Accounts für alle Internet-Nutzer würde sie sich sonst zu angreifbar machen und zu viel offenbaren.

Instagram spiegelt nur die schönen Seiten meines Lebens.

Nadine Sobotzik, Bloggerin

Es gibt aber auch viel Echtes bei Instagram, zum Beispiel die Unterstützung der eigenen Community. "Die Kommunikation mit meiner Community ist mir sehr wichtig. Viele große Blogger haben mit Hasskommentaren zu kämpfen. Das habe ich zum Glück nicht." Am Tag verbringt die junge Bloggerin ungefähr vier Stunden mit der Betreuung des Blogs und Social-Media-Kanals. Die Kommunikation mit den Followern nehme ungefähr die Hälfte der gesamten Zeit ein, wobei bei Instagram insgesamt viel mehr Austausch stattfinde.

Wegen des positiven Feedbacks ihrer Fans und der Kooperationen mit Marken hat Sobotzik Lust, weiterzumachen. Im vergangenen Monat hat sie einen Zuwachs von ungefähr 1.000 Abonnenten bekommen. Gerade weil ihre Community wächst, könnten auch die Angebote aus der Industrie interessanter werden. Wohin dann die Entwicklung ihres Blogs führt, lässt sie offen. "Ich will so lange weitermachen, wie es mir Spaß macht", so Sobotzik.

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Bildrechte: First Contact/Andreas Lander

Dieses Thema im Programm: MDR vor Ort | 28.10.2017 | 16:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28.10.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2017, 13:59 Uhr

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2 Kommentare

25.10.2017 10:53 Besorgter Bürger 2

Wahre Worte, Herr Andreas. Blogger oder Fußballprofi, das wollen heutzutage alle werden. Keine Pflichten, keine Disziplin, keine harte Arbeit .. Hauptsache online sein und posten, liken, chatten, WhatsApp spielen ... schöne neue Welt! Die (Volks)Verdummung schreitet stetig voran, denn mit den echten Problemen muß man sich ja nicht auseinandersetzen, solang der Akku voll ist.

24.10.2017 22:10 Andreas 1

Hoffentlich werden alle mal Blogger. Dann hört diese Selbstdarstellung entlich auf. Will den keiner mehr Arbeiten?
Wo soll das noch hinführen. Mein Chef hat keine Lehrlinge bekommen weil diese wärend der Arbeitszeit ihr Handy in den Spind legen sollten. Das war zu viel verlangt. Als Blogger muss man auch immer Online sein. Keine Zeit für Arbeit.