Demonstrationen in Magdeburg : Polizei rüstet sich für Großeinsatz
Rund 2.000 Polizisten aus ganz Deutschland sollen am Sonnabend in Magdeburg einen Aufmarsch von Rechtsextremen und linken Gegendemonstranten sichern. Anlass ist der bevorstehende Jahrestag der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg.
Reiterstaffel und Wasserwerfer stehen bereit
Innenminister Holger Stahlknecht sagte, 1.400 Neonazis und 2.000 Teilnehmer aus dem linken Spektrum würden Sonnabend in Magdeburg erwartet. 700 Angehörige der linken Szene würden als äußerst gewaltbereit eingestuft. Verstärkung erhielten die Beamten von einer Reiterstaffel, außerdem stünden Wasserwerfer bereit.
Stahlknecht zufolge ist neben den Demonstrationen auch wieder eine "Meile der Demokratie" geplant, zu der bis zu 14.000 Menschen erwartet würden. Damit solle wie in den vergangenen Jahren ein Zeichen gegen Rechts gesetzt werden. Rechtsextreme hätten außerdem eine weitere Demonstration für den 19. Januar angemeldet, bei der mit etwas weniger Teilnehmern gerechnet werde, sagte der Minister.
"Meile der Demokratie"
Ministerpräsident Reiner Haseloff und Landtagspräsident Detlef Gürth riefen die Bürger auf, sich an den Protesten gegen den Neonaziaufmarsch zu beteiligen. Die "Meile der Demokratie", die am Sonnabend bereits zum fünften Mal stattfindet, wird von Politikern, Vereinen, Kirchen, Parteien und Gewerkschaften getragen. Am 19. Januar sind unter dem Motto "Kein Tag für Nazis" Mahnwachen und Kundgebungen geplant.
Im vergangenen Jahr war es in Magdeburg zu Ausschreitungen von Mitgliedern der linken Szene gekommen. Sie hatten von einem Haus aus eine Betonplatte und andere Gegenstände auf Polizeibeamte geworfen.
Zerstörung im Zweiten Weltkrieg
Am 16. Januar 1945 waren bei zwei anglo-amerikanischen Luftangriffen große Teile Magdeburgs zerstört worden. Mehr als 2.500 Menschen kamen ums Leben, mehr als 11.000 wurden verletzt und etwa 190.000 obdachlos.
Vor allem bei dem nur 39 Minuten dauernden Nacht-Angriff der US Air Force mit Luftminen, Spreng-, Brand- und Phosphorbomben wurden 90 Prozent der Innenstadt zerstört, darunter 15 Kirchen, das sogenannte Knattergebirge am Elbufer und der Breite Weg - seinerzeit eine der prächtigsten Barock-Straßen Deutschlands.
Allein der Magdeburger Dom blieb von den Zerstörungen weitgehend verschont. Die Angriffe auf Magdeburg am 16. Januar 1945 gehörten zu den schwersten im Zweiten Weltkrieg überhaupt.
Seit Jahren nehmen Neonazis das Datum zum Anlass für einen Aufmarsch in der Stadt. Magdeburg gilt neben Dresden und Köln als eine der am schwersten zerstörten Städte im Zweiten Weltkrieg. Auch in Dresden nehmen Neonazis den Jahrestag des Angriffs regelmäßig zum Anlass für Aufmärsche. Das Bündnis "Dresden Nazifrei" rechnet zum 13. Februar mit 1.000 bis 1.500 Rechtsextremen in der sächsischen Hauptstadt. Es will unter dem Motto "Nicht lange fackeln - Nazis blockieren" mit Blockaden einen Aufmarsch der Rechten verhindern. Auch in den vergangenen Jahren hatte es Blockaden gegeben.
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