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Vier Fragen und Antworten zu Facebook-Partys Medienwissenschaftler: "Magdeburger Fall war spektakulär"

War die Magdeburger Facebook-Party ein Einzelfall, oder gab es das öfter? Und warum gibt es solche Partys heutzutage nicht mehr? Stefan Stumpp ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Rahmen des Masterstudiengangs Online-Kommunikation an der Hochschule Anhalt. Er forscht auch zur Nutzung von Facebook. Mit ihm hat MDR SACHSEN-ANHALT über die Partys und veränderte Nutzungsverhalten gesprochen.

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MDR SACHSEN-ANHALT: Das Thema „Digitalisierung“ führt uns zurück ins Jahr 2012. Damals gab es eine Facebook-Party in Magdeburg, die aus dem Ruder gelaufen ist. Da sind sehr viele Leute zu der Veranstaltung gekommen, was so aber nicht geplant gewesen war. Spektakulärer Einzelfall oder gibt und gab es sowas häufiger?

Stefan Stumpp: "Von einem Einzelfall kann man nicht sprechen, da in den einzelnen Bundesländern immer wieder von Fällen gesprochen wurde. Beispielsweise hatten wir auch Fälle vor Gericht im Saarland, in Bayern und in Baden-Württemberg. Der Höhepunkt dieser Facebook-Partys war jedoch im Jahr 2012. Sie waren ein Ausdruck der damaligen Jugendkultur und sind besonders in Mode gekommen mit der Veröffentlichung des amerikanischen Spielfilms „Project X“. Das in Magdeburg war jedoch ein wirklich spektakulärer Fall."

Stefan Stumpp, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Rahmen des Masterstudiengangs Online-Kommunikation an der Hochschule Anhalt.
Stefan Stumpp Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Warum ist das Phänomen wieder verschwunden? Liegt es vielleicht auch daran, dass die Nutzer sehr viel dazugelernt haben?

"Im Rahmen unserer Forschungstätigkeit hier im Studiengang Online-Kommunikation konnten wir sehr wohl feststellen, dass Nutzer im Laufe der Zeit eine gewisse Medien- und Methodenkompetenz entwickelt haben und durchaus auch in der Lage sind, zwischen privater und öffentlicher Veranstaltung zu unterscheiden."

Wie haben sie das gelernt? So wie das Kind die Hand am Herd hat und sich dann verbrannt hat und dann danach das nicht mehr gemacht hat?

"Dieser Lernprozess entstand einfach im Laufe der sehr langen Nutzung des Netzwerkes. Das Netzwerk existiert schon sehr lange und die Menschen sind mittlerweile schon sehr gut im Umgang mit den einzelnen Funktionen.

Im ersten Moment war aber durchaus  eine Überforderung  vorhanden. Man muss sich sehr intensiv mit den verschiedenen Privatsphäre-Einstellungen, die Facebook zu bieten hat, beschäftigen. Da gehört ein gewisser Lernprozess einfach dazu."

Hat Facebook die Funktionen geändert, um ähnliche Vorfälle zu verhindern?

"Eine direkte Reaktion von Facebook gab es nicht, aber es gibt nach wie vor die recht simple Unterscheidung zwischen privaten und öffentlichen Veranstaltungen.  Wenn ein Nutzer eine private Veranstaltung durchführt, dann hat er selbst die Kontrolle darüber, wer eingeladen wird und wer einladen darf.  Wenn ein Nutzer jedoch eine öffentlich Veranstaltung durchführt, dann entsteht recht schnell eine sehr hohe Dynamik mit sehr hohen Teilnehmerzahlen, da jeder Teilnehmer einladen darf.

Man muss sich darüber im Klaren sein, welche Auswirkungen das haben kann, wenn man diese Veranstaltung tatsächlich öffentlich durchführt. Und man sollte sich schon mit den Grundprinzipien des Netzwerkes auseinandersetzen."

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28.03.2017 | 5.30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. März 2017, 18:48 Uhr

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