Blick auf das im 2. Weltkrieg stark zerstörte Industriegebiet von Magdeburg.
Im Januar 1945 wurden weite Teile Magdeburgs durch einen Bombenangriff zerstört. Das Bild zeigt das Industriegebiet der Stadt. Bildrechte: dpa

Zerstörung am 16. Januar 1945 Magdeburg gedenkt der Opfer des Bombenangriffs

Magdeburg hat am Montag der Zerstörung der Stadt am 16. Januar 1945 gedacht. Damals hatten britische Alliierte bei einem Bombenangriff Magdeburg weitgehend zerstört und etwa 2.500 Menschen umgebracht. Der Angriff kam allerdings nicht von ungefähr: Über Jahre hatten die Nationalsozialisten Magdeburg zu einem bedeutenden Rüstungsstandort ausgebaut. In der Stadt wurden unter anderem Panzerteile produziert.

Blick auf das im 2. Weltkrieg stark zerstörte Industriegebiet von Magdeburg.
Im Januar 1945 wurden weite Teile Magdeburgs durch einen Bombenangriff zerstört. Das Bild zeigt das Industriegebiet der Stadt. Bildrechte: dpa

Magdeburg hat am Montag der Zerstörung der Stadt vor 72 Jahren gedacht. Damals, am 16. Januar 1945, hatten Alliierten bei einem Bombenangriff zwischen 2.000 und 2.500 Menschen getötet und einen großen Teil der Stadt in Schutt und Asche gelegt.

Bei einer Kranzniederlegung auf dem Westfriedhof wurde am Nachmittag an die Getöteten und Verletzten erinnert. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (parteilos), Sachsen-Anhalts Vorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Dieter Steinecke, sowie weitere Vertreter der Stadt legten auf dem Westfriedhof Kränze nieder. In einer Rede mahnte Trümper: "Die Erinnerung an dieses schmerzliche Kapitel unserer Geschichte muss wach gehalten werden."

Nicht nur heute, sondern zu jeder Zeit müssen wir gegenüber Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus achtsam sein.

Lutz Trümper, Oberbürgermeister Magdeburg, parteilos
Menschen vor niedegelegten Kränzen
Die Opfer sollen nicht vergessen sein. Bildrechte: MDR/Sören Thümler

Der Oberbürgermeister rief zugleich dazu auf, sich mit Achtsamkeit, Zivilcourage und Engagement für Demokratie, die Gesellschaft und die Zukunft einzusetzen. Nur so könne gemeinsam eine Zukunft geschaffen werden, in der nie wieder ein so dunkles Kapitel geschrieben werde, und in der Individualität, Herkunft und Glaube keine Auslöser mehr für Hass und Gewalt seien.

Trümper sagte weiter: "Wir tragen die Verantwortung für unsere Zukunft, unser Land und unsere Stadt." Dabei verwies er auch auf die «Meile der Demokratie», mit der am Samstag unter dem Motto "Magdeburg - eine Stadt für alle" zum 9. Mal ein Zeichen für Demokratie gesetzt werden soll.

Glockengeläut um 21:28 Uhr

Neben der Kranzniederlegung auf dem Westfriedhof fanden in der Stadt am Abend Konzerte statt. Im Opernhaus war beim Konzert "Für eine friedliche Welt" Beethovens neunte Sinfonie zu hören, im Kloster Unser Lieben Frauen stand ein Konzert unter dem Motto "Ach Herr mein Gott, straf mich doch nicht in deinem Zorn".

Blick auf das im 2. Weltkrieg stark zerstörte Industriegebiet von Magdeburg.
1945: Magdeburg in Schutt und Asche Bildrechte: dpa

Später am Abend fand im Dom eine ökumenische Andacht statt. Um 21.28 Uhr setzte dort, wie in vielen Kirchen der Stadt, das Glockengeläut ein. Zu dieser Uhrzeit hatte der Angriff am 16. Januar 1945 begonnen. Er dauerte knapp 40 Minuten. Trümper nannte den Angriff im Zweiten Weltkrieg die "zweite verheerende Zerstörung unserer Stadt". Magdeburg war bei einem Angriff im 30-jährigen Krieg schon einmal zerstört worden.

Im Zweiten Weltkrieg hatte es mehrere Angriffe auf Magdeburg gegeben. Die Nationalsozialisten hatten die Stadt unter anderem wegen ihrer zentralen Lage als einen der bedeutendsten Rüstungsstandorte auserkoren. Unter anderem wurden hier Teile für Panzer und Schiffe der Kriegsmarine produziert.

Dieses Thema im Programm: • MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16.01.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2017, 06:28 Uhr

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23 Kommentare

17.01.2017 18:59 Agnostiker 23

"Moral Bombing": „Ich nehme an, daß klar ist, daß die Ziele bebaute Gebiete und nicht z. B. Schiffswerften oder Flugzeugwerke […] sein werden. Dies muß jedem klargemacht werden, falls es noch nicht so verstanden worden ist.“ (Generalstabschef der britischen Luftwaffe Charles Portal am 15.2.1942)

17.01.2017 16:50 Luftikus 22

@21 Fan Achim/ Zu dieser komplizierten Thematik, machen Sie es sich etwas zu leicht. Schließlich hat das Deutsche Reich zumindest nicht Frankreich und GB den Krieg erklärt sondern umgekehrt. Auch planten Churchill und der französische MP Daladier ab Mitte September 1939 Angriffskriege gegen Norwegen und Schweden, um Deutschland von der Erzzufuhr abzuschneiden. Die Wehrmacht kam den Engländern in Noregen(Narvik)nur um Stunden zuvor. Ein Großadmiral Raeder wurde dafür als Kriegsverbrecher verurteilt. Ein Sieger der Geschichte wie Churchill wurde später Nobelpreisträger. Stalin führte von von 1939 -1945 auch vier Angriffskriege (Polen, Finnland,Iran-zusammen mit GB,Japan). Er fehlte allerdings auch in Nürnberg auf der Anklagebank, u.a. für das Massaker von Katyn an mehr als 20.000 polnischen Intelektuellen und Offizieren. Ansonsten sind nicht alle Kriege Verbrechen, wie Sie schreiben. Dienen sie zu Verteidigung nach einem Angriff, sind sie durchaus gerechtfertigt.

17.01.2017 14:52 Fan Achim 21

Hallo Realist Sie haben noch vergessen zu schreiben,das deutsche V Waffen weder belgische noch britische Städte erreicht haben und Stalingrad wurde dann bestimmt von einen Erdbeben verwüstet! Geschichtsunterricht kann nicht ihre Stärke gewesen sein. Krieg ist immer ein Verbrechen. P.s. Realist wer hat denn den Krieg angefangen, wissen sie das wenigstens, oder waren sie da gerade Kreide holen ?

17.01.2017 14:45 Gast 20

In Bälde wird dann den Anghörigen der Anschlagsopfern in Deutschland von der Politik Toleranz und Vielfalt gepredigt werden. Damit auf Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus nicht zukünftig erneut Flächenbombardments auf Wohnhäuser folgen müssen. Warum lässt man diese Feiern nicht einfach, wenn man die politische Predigten nicht schön sein lassen will. Sonst klingt das so als wäre das Wegbomben von ganzen Stadtteilen die unmittelbare Folge des unterlassene Widerstand zur Beseitigung der Regierung durch die Opfer. Und das ist doch sehr Populistisch!

17.01.2017 12:31 Realist (der Richtige wegen dem Identitätenklau) an wessi 19

2. Teil die ehemaligen Gegner bestätigen diese Verfahrensweise. Die LW hat nicht einen einzigen dieser beim Gegner üblichen Angriffe auf die Zivilbevölkerung geflogen. Es ist eine Frechheit z. Bsp. die Bombardierung Hamburgs (Operation Gomorra) als irgendeine akzeptable Kriegshandlung darstellen zu wollen. Im Bezug auf die Historiker lieber MDR abgesehen von Groehler war man sich international bereits 1986 einig, diese Art der Kriegsführung eindeutig als Kriegsverbrechen zu definieren. Das gezielte töten von Nichtkombatanten ist dies und bleibt es auch bis Heute. Manche nennen es dann nur Kollateralschäden. Als letztes bleibt übrigends noch festzuhalten, Großbritannien hat Deutschland den Krieg erklärt und nicht Deutschland GB.

17.01.2017 12:26 Realist (der Richtige wegen dem Identitätenklau) an wessi 18

wenn ich auch glaube, das Ihnen die nachfolgenden wahrheiten nicht zur Kentnissnahme der kriegs- und völkerrechtlichen Realitäten verhelfen dennoch ein paar Richtigstellung zu Ihren Behautungen. 1. Rotterdam war eine umkämfte Stadt welche die Waffen streichen sollte unter Andrehung des (Achtung wichtig!! taktischen Bombardements) man hat sich nicht entscheiden können und die LW hat den Angriff gestartet. Als die Kapitulation dann doch kam wurden unverzüglich alle Masdchinen zurückbeordert, nur wenige konnten nicht mehr vor erreichen Ihrer Angriffsziele (übrigend immer militärische, keine zivilen) zurückbeordert werden 2. Warschau absolut gleiche Einsatzlage, Gefechtsgebiet und taktische Luftangriffe auf ausschließlich milit. Ziele 3. Coventry (ja gern von Realitätsverweigerern als Argemunt genommen) ebenfalöls nicht mit Alliierten strategischen Bombardierungen zu vergleichen, da hier ebenfalls nur milit. Ziele angegriffen wurden (die Einsatzbefehle geben dies ausdrücklich wieder und

17.01.2017 11:50 helga 17

meine mutti,jahrgang 1921 hat dieses grauen am eigenen leibe erlebt.sie hat in dieser nacht alles verloren was sie hatte.mit ihrer 5 wochen alte tochter auf dem arm,stand sie vor den trümmern der zerstörten stadt.sie und viele andere wurden dann ,bei bitterer kälte auf einem offenem lkw stundenlang herum gefahren,bis sie dann irgendwann in zerbst eine ,,bleibe''gefunden hatten.bei einer dame,die hitler sehr verehrt hat.da kann sich wohl jeder vorstellen,mit wieviel mitgefühl diese flüchtlinge aufgenommen wurden.Mit 3erwachsenen und 2babys waren sie nun in einem zimmer untergekommen.ohne jegliche mittel,um ein baby zu versorgen,geschweige sich selbst.mir geht soetwas,egal welcher mensch,welcher rasse,welcher religion er abstammt immer wieder zu herzen.aber diese flüchtlinge war froh und glücklich über ihr neues dach über dem kopf.obwohl sie sehr angefeindet wurden von ihrer neuen hausherrin.

17.01.2017 10:58 Luftikus 16

Historiker und Völkerrechtler streiten sich, ob es sich bei der Bombardierung von Städten im 2.WK um Kriegsverbrechen handelte oder nicht. Sicher wurde auch meine Heimatstadt gegen Luftangriffe durch Flak und Jagdflieger verteidigt. Im Januar 1945 war aber die Wehrmacht an allen Fronten geschlagen. Eine militärische Notwendigkeit für solch einen Angriff gab es m.E. nicht mehr. Hier tendiere ich eher ohne ideologische Scheuklappen, zu der These der SED Oberen in meiner Jugendzeit. Mit dem Angriff, auch auf kleinere Städte (Halberstadt), sollte systematisch die Infrastruktur der zukünftigen SBZ zerstört werden. Außerdem wußte das Bomber Command nicht mehr wohin mit den vielen Bomben. Klingt zynisch, wurde aber von allierten Militärs so bestätigt. Da verklappte man schließlich nach Kriegsende auch vieles in die Ost-und Nordsee.

17.01.2017 10:13 MAGDEBURGER 15

… ⚠ ANTWORT auf ➳
16.01.2017, 17:15 | Demokrat 4
„Die Sache ist halt nun mal ganz einfach: Hätte das massenmordende rechte Hitler-Regime nicht andere Länder überfallen, Städte ausradiert und Millionen Menschen vergast, wäre keine einzige Bombe auf Magdeburg gefallen. Auch rechtsradikale Propaganda wird an diesen Tatsachen nichts ändern.“
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Mein Vater Jahrgang 1917 war Flieger(Major) in der Wehrmacht, er hat Militärgebäude zerstört, aber nie Kirchen oder Schulen bzw. Wohnhäuser und er hätte schon gar nicht wie z.B. die AMIS Atombomben auf Hiroshima am 6. August und Nagasaki am 9. August 1945 abgeworfen.
➡ Die AMIS haben nach 1945 über 40 Kriege geführt.
Ps. Nicht die Amis waren es: Der Luftangriff britischer Bomber am Abend des 16. Januar 1945 hatte große Teile der historischen Innenstadt Magdeburgs in Schutt und Asche gelegt, dadurch waren am Kriegsende rund 60 Prozent der Stadt an der Elbe völlig zerstört.

17.01.2017 09:47 ralf meier 14

Die Überschrift lautet: 'Magdeburg gedenkt der Opfer des Bombenangriffs' . Danach wechselt der Autor das Thema und auch der zitierten Prominenz scheint es weniger um das Gedenken der Opfer zu gehen.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

Nach unserer Intention bleibt der Autor beim Thema und Teil 2 Ihrer Bemerkung verstehen wir nicht.