Imker bei der Arbeit: Wie aus der Honig aus dem Bienenstock in Honiggläser gelangt.
Fleißige Bienchen – doch was, wenn der Honig stark belastet ist? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kritik an Glyphosat-Verlängerung Wenn Honig zum Sondermüll wird

Das Thema Glyphosat sorgt nicht nur für politische Streitigkeiten – für Imker kann es richtig teuer werden, wenn das Pflanzengift in ihrem Honig nachgewiesen wird. Denn für Honig gelten strengere Richtwerte als für andere Lebensmittel. Ein Imker aus dem Jerichower Land musste seinen Honig nun als Sondermüll entsorgen.

Imker bei der Arbeit: Wie aus der Honig aus dem Bienenstock in Honiggläser gelangt.
Fleißige Bienchen – doch was, wenn der Honig stark belastet ist? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Glyphosat scheiden sich auch weiterhin die Geister. Politisch belastet das Unkrautvernichtungsmittel derzeit mögliche Gespräche zwischen Union und SPD für eine Neuauflage einer Großen Koalition in Berlin. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte gegen Absprachen in der geschäftsführenden Regierung und den Willen der SPD verstoßen. Er hatte am Montag bei der EU in Brüssel für eine weitere Zulassung des Unkrautgiftes für weitere fünf Jahre in Europa gestimmt.

Große Unterschiede bei Lebensmitteln

Ob Glyphosat schädlich ist oder nicht, da gehen die Meinungen von Experten weit auseinander. In Lebensmitteln wird das umstrittene Mittel immer wieder nachgewiesen. Dabei gibt es große Unterschiede, wie hoch der Anteil von Glyphosat sein darf. Während im Getreide je nach Sorte bis zu 20 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm als unbedenklich gelten, liegen die Nachweiswerte bei Honig bei 0,05 Milligramm pro Kilo.

Glyphosat im Honig und dann?

Für viele Imker wird das zunehmend zum Problem, so auch für Hartmut Berteau aus dem Jerichower Land. Bei ihm wurden zu hohe Glyphosat-Werte im Honig gefunden. Weil der Glyphosatgehalt um das 40-fache über der Nachweisgrenze lag, darf er seinen Honig nicht mehr verkaufen.

Berteau sieht die Getreidefelder hinter seinem Haus als Verursacher. Kurz vor der Ernte versprühe die Agrargenossenschaft Unkrautvernichtungsmittel, um Kornblumen abzutöten. "Da muss die Kornblume vorher erst abgetötet werden, damit diese Blume nicht das Getreide mit Feuchtigkeit versetzt. Darum hat man das gemacht und ich habe darunter gelitten, beziehungsweise mein Honig."

Auch eine zweite Untersuchung der Lebensmittelüberwachung brachte für Berteau keine guten Nachrichten. Im Gegenteil, es wurden deutlich erhöhte Werte von Glyphosat nachgewiesen. Daraufhin wurde sein Honig sichergestellt und als Sondermüll entsorgt.

Für den Imker entstand nach eigenen Angaben bisher ein wirtschaftlicher Schaden in Höhe von mehr als 2.100 Euro. Einen Teil übernahm die Versicherung.

Was ist Glyphosat? Glyphosat wird seit den 1970er Jahren weltweit als Unkrautvernichter eingesetzt. In Europa ist es allerdings stark umstritten. Wissenschaftliche Studien kamen zu unterschiedlichen Schlüssen, ob es krebserregend sein könnte oder nicht. Umweltexperten schätzen das Vernichtungsmittel zudem als Gefahr für die Artenvielfalt ein. Besonders Insekten, darunter auch Bienen, und Vögel seien betroffen. Ende November hat die EU-Kommission die Zulassung von Glyphosat für weitere fünf Jahre verlängert.

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Quelle: MDR/sp/düs

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 29. November 2017 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2017, 14:58 Uhr

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8 Kommentare

01.12.2017 14:45 Th. Rindt 8

Könnte mich mal jemand aufklären?

Wie kann Glyphosat kurz vor der Getreideernte gesprüht werden, ohne das neben der Kornblume auch das Getreide den Bach runter geht?

Ich würde da gerne mal aufgeklärt! Meines Wissens ist das unmöglich - und wenn mein (natürlich nur angelesenes) Wissen stimmt, dann würde ich mich fragen, inwieweit der Rest der Geschichte verifiziert ist?

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Nach unseren Informationen handelt es sich um einen Vorgang, den man in der Landwirtschaft "Sikkation" nennt. Dabei kommt unter anderem Glyphosat als Erntehilfsmittel zur Abreifebeschleunigung zum Einsatz. Die Pflanzen vertrocknen und lassen sich dadurch schneller abernten. Ein willkommener Nebeneffekt für die Landwirtschaft: Unkräuter werden abgetötet, was die Ernte von Getreide erleichtert.

Wenn Sie auf der Suche nach weiteren Informationen dazu sind, können wir Ihnen einige Fachartikel ans Herz legen, die Sie über die Google-Suche unter dem Stichwort "Sikkation" finden.

30.11.2017 21:57 part 7

Chemie ohne Ende auf unseren Äckern und weltweit, auch von einem deutschen Chemieriesen, der gerade im Begriff ist Monsanto zu schlucken. In China müssen heute schon Obstbäume mit Hand befruchtet werden, weil das Insektensterben ungeahnte Ausmaße erreicht hat, in Deutschland schwirren wenigstens noch ein paar Hummel herum. Bienenwagen an den Feldrändern subventioniert vom Staat gab es zuletzt vor über 27 Jahren, heute werden die Giftbauern dauerhaft subventioniert, damit Glyphosat auch in den meisten Biersorten nachweisbar ist. Wenn selbst das Bundeamt für Riskoberwertung nur abschreibt von konzerneigenen Instituten und keine eigenen Studien erlaubt, dann kann etwas grundsätzlich nicht stimmen.

29.11.2017 21:58 Hummellummel 6

Ach, ist das so? Würden wir verhungern? Man sollte doch ein Auge darauf haben, ob das Getreide, welches in deutschen Landen heranreifte auch tatsächlich in überwiegendem Anteil in unseren Nahrungsmitteln vorherrscht. Exportrekorde entstehen nicht allein aus Automobilabsatzmärkten im Ausland und unsere Lebensmittel sind nicht so günstig, weil die Wertschöpfungskette allein im Inland zum Einsatz kam.

Man schaue sich die südamerikanischen Länder an, wo massenhaft glyphosat eingesetzt wird und die Bauern nagen trotzdem mit ihren Familien am hungertuch.

29.11.2017 18:52 jackblack 5

Hallo John Silver, es geht in diesem Fall um die UNTERSCHIEDLICHEN Grenzwerte für Getreide und Honig und die Deklarierung als SONDERMÜLL und nicht um den allgemeinen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, das mit der Landwirtschaft sieht eh schlecht aus bei der Abnahme der Anzahl der Insekten.

29.11.2017 17:56 Frauke Garstig 4

@3 Es gibt immer Alternativen, und erst recht zu einer zur CSU/CDU! Es würde eh sehr vielen Deutschen gut tun, in der Woche auf ein billig hergestelltes Schnitzel aus dem Schweine-KZ zu verzichten! Schon irre, dass wir Lebensmittel in abartig großen Mengen aus dem Ausland importieren und unsere eigenen Landschaften mit genveränderten Raps, Mais und anderen Nutzpflanzen veröden!

29.11.2017 15:44 John Silver 3

Wer will die Energiewende 2.0, nur diesmal in der Landwirtschaft? Glyphosat ist gegenwärtig nicht sinnvoll ersetzbar oder man muß sich dann eben mal entscheiden: Bei einer Bevölkerungsdichte von 226 Einwohner/km² in Deutschland (2014) gibt es zur Industriellen Landwirtschaft mit all ihrem Dünger und Unkrautbekämpfungsmitteln und der Massentierhaltung keine Alternative außer wieder Hungern. Denn man kann nicht zurück zur kleinteiligen "Bio"landwirtschaft es sei denn, wir mindern durch Geburtenkontrolle - und strenge Zuwanderungsregeln wieder auf 76 Einwohner/Km² in 1910 ab - also was soll das Gejammer, wasch mir denn Pelz, aber mach mich nicht nass?

29.11.2017 15:27 vigilando ascendimus 2

Grüße aus Absurdistan!

29.11.2017 15:19 Ach na was denn nun? 1

Unser glorreicher Agraminister, Christian Schmidt, hat jüngst dafür gesorgt, dass auch die nächsten 5 Jahre das Zeugs verwendet werden kann. Angeblich völlig bedenkenlos. Vielleicht sollten die Kosten für die Entsorgung des Sondermülls, Herrn Schmidt in Rechnung gestellt werden. Als betroffener Imker würde ich dies tun.
Man muss sich das mal vorstellen, da wird etwas zugelassen bzw. die Zulassung verlängert und wenn es in Lebensmitteln nachgewiesen wird, werde diese zu Sondermüll. Na dann guten Appetit.