Hinweisschild des Ski- und Heimatmuseums
Das Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Geschichte des Wintersports Keine Jubiläumsfeier für das Skimuseum Friedrichsbrunn

Das Skimuseum im Harzort Friedrichsbrunn ist das einzige seiner Art in Sachsen-Anhalt. Fast 300 Exponate aus der Geschichte des Wintersports sind dort ausgestellt. Am Montag wird das Museum 20 Jahre alt, doch gefeiert wird nicht.

von Carsten Reuß, MDR SACHSEN-ANHALT

Hinweisschild des Ski- und Heimatmuseums
Das Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Ein fast 100 Jahre alter Klapp-Ski, der Olympiarodel von Rennrodlerin Susi Erdmann oder die letzten Meisterschaftsmedaillen der DDR – das alles sind Raritäten des Friedrichsbrunner Skimuseums. Das Museum wurde vor 20 Jahren, am 2. Oktober 1997, in den Räumen der ältesten Pension in Friedrichsbrunn eröffnet. Es ist ein Jubiläum, das nicht gefeiert wird.

Raritäten aus Privatbesitz

Damals hatte der Eigentümer sein Haus der Gemeinde vermacht, mit der Auflage, dort das Ski- und Heimatmuseum einzurichten. Zu sehen sind fast 300 Exponate aus der Geschichte des Wintersports, allesamt gesammelt von Gerald Fritsch. Der heute 91-Jährige hatte sich stark im Wintersport im Ort engagiert. Als er vor 70 Jahren drei alte Paar Ski geschenkt bekam, begann er zu sammeln.

Gerald Fritsch mit einem historischen Schuh
Seiner Sammelleidenschaft ist das Bestehen des Museums zu verdanken: Gerald Fritsch. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

"Ich bin immer für verrückt erklärt worden, wenn ich im Hochsommer bei Grobmüllabfuhr mit meinen eingesammelten Ski umhergezogen bin. Meine Freunde, die ich in der Umgebung und auch im Erzgebirge oder später in Braunschweig hatte, wussten: Da ist ein Verrückter im Harz, der sammelt Ski“, erinnert sich Gerald Fritsch.

In all den Jahren sind zahlreiche Raritäten zusammengekommen, zum Beispiel der schon erwähnte Klapp-Ski. Der stammt aus den 1920er Jahren und gehörte einst einem Soldaten der Gebirgsjäger in Goslar. In der Mitte des Skis ist ein Scharnier angebracht. Beim Überwinden schneeloser Geländeabschnitte wurde der Ski einfach zusammengeklappt und in den Rucksack gesteckt.

Die letzten Medaillen der DDR sind eine echte Rarität des Museums. Sie wurden für die Wintersportmeisterschaften 1989/90 geprägt, doch diese fanden nicht mehr statt. Statt bei einem Athleten liegen sie nun in einer Vitrine in Friedrichsbrunn.

Notlösung statt Wertschätzung

Dass man heute all die Schlitten, Ski, Schlittschuhe, Fotos, Urkunden und Medaillen bestaunen kann, ist auch ein Verdienst von Edith Jürgens. Die 60-jährige Schriftstellerin, die es von der Nordsee in den Harz verschlagen hat, hält die Stellung im Museum.

Edith Jürgens mit einem Klappski
Edith Jürgens ist es zu verdanken, dass das Skimuseum überhaupt besichtigt werden kann. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Stundenweise öffnet sie das Museum an vier Tagen pro Woche. Eine Notlösung, weil sich sonst niemand findet und sie es nur nebenbei machen kann. Ihre Motivation sei die Geschichte, sagt sie. Die Ausstellung müsse unbedingt erhalten werden.

Das ist aber nicht so einfach. Bevor sich Edith Jürgens als Museumsaufsicht zur Verfügung stellte, war das Museum sogar zwei Jahre geschlossen. Friedrichsbrunn gehört seit acht Jahren zur Stadt Thale und dort bekommt es nicht die von Fritsch und Jürgens erwünschte Beachtung. Fritsch hätte vor zwei Jahren ein Konzept eingereicht und bisher habe niemand in Thale darauf reagiert, mokiert sich Jürgens angesichts der immer umfangreicheren Sammlung.

Das Museum platzt inzwischen aus allen Nähten und müsse dringend erweitert werden. Räume dafür gäbe es im Erdgeschoss. Doch dort wird noch nicht einmal, eine vor Monaten zerschlagene Scheibe, repariert. Obendrein macht das Haus äußerlich einen maroden Eindruck. Es schrecke Besucher ab, findet Gerald Fritsch.

Wintersport-Geschichte im Harz Ein Blick in das Skimuseum Friedrichsbrunn

Skimuseum-Exponate
Das Skimuseum in Friedrichsbrunn ist das einzige seiner Art in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Skimuseum-Exponate
Das Skimuseum in Friedrichsbrunn ist das einzige seiner Art in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Ski-Museum-Exponate
Neben zahlreichen historischen Skiexponaten finden sich Skibekleidung und sonstiges Wintersport-Zubehör … Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Schneereifen
… wie zum Beispiel diese Schneereifen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Schlitten-Ausstellung im Ski-Museum Friedrichsbrunn
Der kleine Bruder des Skis – der Schlitten – ist auch zahlreich vertreten. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Wintersportmedaillen im Ski-Museum
Auf die Medaillen-Sammlung ist Gerald Fritsch besonders stolz. Hier findet sich eine echte Rarität … Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
DDR-Medaillen
… diese Madaillen sind die letzten der DDR. Sie wurden für die Wintersportmeisterschaften 1989/90 geprägt, doch diese fanden nicht mehr statt. Deshalb sind sie nie an Athleten übrreicht worden. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Schwarz-Weiß-Malerei der ersten Skiläufer in Friedrichsbrunn
Dass Wintersport in Friedrichsbrunn eine Geschichte hat, zeigen Postkarten, Malereien und … Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Plakat der Wintersport-Meisterschaften
… Plakate. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Ski-Museum Friedrichsbrunn
Von innen liebevoll eingerichtet, macht das Museum von außen einen ganz anderen Eindruck. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Fassade des Skimuseums
Die ehemalige Pension ist stark sanierungsbedürftig. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
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Jürgens und Fritsch wünschen sich mehr Unterstützung und eine dringliche Sanierung des stadteigenen Hauses. Dass der 20. Museumsgeburtstag nicht begangen wird, passt ins Bild. Niemand habe reagiert, weder im Ortschaftsrat noch in der Stadt Thale, so Fritsch. "Das tut ein bisschen weh", sagt er.

"Von außen schäbig, von innen gelebte Geschichte mit viel Herz" – das schrieb ein Besucher aus Bayern ins Gästebuch. Treffender lässt sich der Zustand des einzigen Skimuseums in Sachsen-Anhalt kaum beschreiben. Ob es so auch den nächsten runden Geburtstag erlebt, ist wohl fraglich.

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Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. Oktober 2017 | 15:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2017, 10:17 Uhr

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