Magdeburger Dom, Sachsen-Anhalt
Beunruhigung bei den Kirchen in Sachsen-Anhalt nach der Bundestagswahl. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Reaktionen zur Bundestagswahl Kirchen besorgt über Wahlerfolg der AfD

Kirchenvertreter aus Sachsen-Anhalt haben sich über das gute Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl besorgt gezeigt. Sie sehen darin eine große Herausforderung für die Gesellschaft. Eine Wählerbefragung zeigt jedoch: Auch Katholiken und Protestanten haben in größerer Zahl die rechte Partei gewählt.

Magdeburger Dom, Sachsen-Anhalt
Beunruhigung bei den Kirchen in Sachsen-Anhalt nach der Bundestagswahl. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Nach dem Wahlerfolg der AfD bei der Bundestagswahl haben sich Kirchenvertreter aus Sachsen-Anhalt besorgt gezeigt. Von einer großen Herausforderung spricht die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann. "Es ist für alle Demokraten unerträglich, dass rechtsextreme und -populistische Positionen so große Unterstützung finden." Vertreter der AfD würden "mit hoch aggressiv vorgetragenen, menschenfeindlichen Äußerungen" schockieren.

Junkermann sprach sich für eine respektvolle Auseinandersetzung mit der AfD und ihren Anhängern aus. Offenbar fühle sich ein nicht unerheblicher Teil der Menschen nicht genügend wahr- und mitgenommen. Es sei vor allem wichtig, mit denjenigen ins Gespräch zu kommen, die die Partei aus Enttäuschung gewählt hätten. "Dabei muss eines deutlich bleiben: Die Menschenwürde darf nie infrage gestellt werden, sie gilt, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion", betonte Junkermann.

Bischof verurteilt unchristliche Methoden

Kritische Worte kommen auch von der katholischen Kirche. Der Bischof des Bistums Magdeburg, Gerhard Feige, hatte bereits Anfang September bei einer Wallfahrt ins Kloster Huysburg bei Halberstadt vor Tausenden Gläubigen Stellung bezogen. Christen könnten "unmöglich schweigen, wenn manche meinen, ein sogenanntes christliches Abendland und seine Werte mit unchristlichen Methoden retten zu wollen".

Bischof Gerhard Feige
Gerhard Feige, Bischof des Bistums Magdeburg Bildrechte: IMAGO

Dass nun mehr Parteien in den Bundestag einziehen, nennt Bischof Feige "belebend". Er fügt hinzu: "Nicht jeder aber, der demokratisch gewählt wurde, ist ein Demokrat." Daher sollten die, denen Menschenwürde, Freiheit und Solidarität als unveräußerliche Werte gelten, sich dafür einsetzen, die Gesellschaft sozial gerechter zu gestalten und extremistische Entwicklungen abzuwehren. Rassistische Tendenzen sowie Hass und Hetze seien mit dem Christentum nicht zu vereinbaren. Christen hätten den Auftrag, Herausforderungen menschenfreundlich und konstruktiv zu lösen. Zugleich gelte es, Sorgen und Ängste ernst zu nehmen, diese aber nicht zu missbrauchen, sagt Feige.

Mit großer Sorge blickt auch die Evangelische Landeskirche Anhalts auf die Ergebnisse vom vergangenen Sonntag. Kirchenpräsident Joachim Liebig sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Gewinne für die AfD seien Ausdruck einer grundlegend veränderten politischen Stimmung im Land. Liebig erwartet nun deutlich intensivere Debatten im Bundestag.

Theologe: Nicht von Hass anstecken lassen

Der Theologe Friedrich Schorlemmer steht am 28.09.2015 in seinem Arbeitszimmer in Lutherstadt Wittenberg.
Der Theologe Friedrich Schorlemmer in seinem Arbeitszimmer. Bildrechte: dpa

Der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer sprach von einem dunklen Tag für die Demokratie. Entscheidend sei, sich vom Hass nicht anstecken zu lassen. Er gehe davon aus, dass die AfD das politische Klima im Bundestag spürbar verändern werde. Nachdem die AfD als drittstärkste Kraft eingezogen sei, müssten jetzt alle Demokraten achtgeben, mahnte Schorlemmer. Er forderte, die AfD mit Sachargumenten zu stellen. Nicht auf jede Provokation der Rechtspopulisten müsse man eingehen.

Mit 19,6 Prozent der Stimmen war die AfD in Sachsen-Anhalt hinter der CDU zweitstärkste Partei geworden. Einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen zufolge hatten deutschlandweit elf Prozent der Protestanten bei der Bundestagswahl die AfD gewählt. Bei den Katholiken waren es neun Prozent. Von den Nichtkirchenmitgliedern entschieden sich 17 Prozent für die AfD.

Mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 26.09.2017 | 5:00 Uhr

Quelle: MDR/dpa/epd/kna,fw

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2017, 15:15 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

37 Kommentare

28.09.2017 09:41 @27.09.2017 19:55 Wiesel 37

"Die Macht der Kirchen beruht doch heute immer noch darauf dass staatliche Vereidigungen noch immer zwangsläufig den Zusatz "Sowahr mir Gott helfe" haben. "
Das ist falsch. Diese Formel kann der zu Vereidigende ohne Probleme weglassen. So geschehen bei Schröder und Zypries.

27.09.2017 19:55 Wiesel 36

Ich wünsche mir für Deutschland eine absolute Trennung von Staat und Religion inklusive der damit verbundenen Vorzüge dieser Religionsgemeinschaften wie Kirchensteuer etc. Leider stehen dafür nur ganz wenige Parteien. Nicht mal die AfD will das. Für mich ist die Religion die Wurzel allen Übels und auch heute noch für die meisten Konflikte auf der Welt verantwortlich.

Die Macht der Kirchen beruht doch heute immer noch darauf dass staatliche Vereidigungen noch immer zwangsläufig den Zusatz "Sowahr mir Gott helfe" haben. Was für einen Aufschrei gab es damals als Gasprom-Gerd diesen Satz bei seiner Vereidigung abgelehnt hat.

Wie viele Leute sind denn heute doch noch tatsächlich gläubig? Für wie viele Leute will denn die Kirche sprechen? Für mich auf keinen Fall. Atheist aus Überzeugung.

27.09.2017 19:04 Grubenotter 35

Na, dann gibt's neben den besorgten Bürgern auch eine besorgte Kirche - aber der Allmächtige und Allah werden es schon im Sinne dieses Heuchelvereins richten.

27.09.2017 17:33 Wieland der Schmied 34

Schorlemmer ist weit um die Lutherstadt herum bekannt. Noch im Herbst 89 war er ein gesuchter Gesprächspartner für die Westmedien, wobei ein Bild entstand, als ob er ein Unterstützer des Bürgeraufstands , wenn nicht sogar der „Revolutionspfarrer“ war. War er nicht, denn er war schon zu jungen Zeiten ein eingefleischter Linker Kleriker, die heute weit verbreitet sind inklusive der Ergänzung grün. In dieser turbulenten Zeit im Jahre 89 war er Mitbegründer einer Initiative „Für unser Land“, die sich der Wiedervereinigung in den Weg stellte und die DDR als sozialistischen demokratischen Staat erhalten wollte.Diese Einstellung prägte wohl stets seine Haltung. Wen wundert es , wenn er jetzt einen dringenden Appell an die Öffentlichkeit richtet, den Einzug der Patrioten in den BT als dunklen Tag zu sehen und sich von deren Hass nicht anstecken zu lassen. So der Verkünder des Wort Gottes. Es gehe wie es gehe.

27.09.2017 14:55 Müller an Susan (32 u.a.) 33

... "Glauben an den "allheiligen Markt" mit seiner "unsichtbaren Hand", die den Wettbewerb so toll reguliere: Das passt nicht nur bestens zur Dreifaltigkeit "Gottvater", "Gottsohn" und "Heiliger Geist", .."

Hallo Susan, wenn Sie nicht so weit ausholen würden bzw. solche großen bombastische Vergleiche aufstellen würden, könnte man Sie besser verstehen.

27.09.2017 13:24 Susan 32

@MDR: Oh danke für die Gnade, dass sie meinen ketzerischen Kommentar trotzdem stehen lassen. Das Problem, liebe Kollegen, ist bloß, dass Glauben nicht Wissen ersetzt. :-) Lassen wir unsere Staatskirchen mal außen vor und nehmen den Glauben an den "allheiligen Markt" mit seiner "unsichtbaren Hand", die den Wettbewerb so toll reguliere: Das passt nicht nur bestens zur Dreifaltigkeit "Gottvater", "Gottsohn" und "Heiliger Geist", sondern ist auch die am weitesten verbreitete Religion, an die sogar die meisten Journalisten glauben :o))) - und dementsprechend berichten. Und das ist nach meiner Auffassung schon ziemlich bekloppt. Weil jeder Beweis bisher zeigte: Für den größten Anteil der Weltbevölkerung funktioniert genau das eben nicht, weil es nur wenigen die Taschen vollmacht. Genauso ist es mit allen anderen Religionen. Nutznießer sind natürlich nicht die kleinen, oft gutmeinenden und eifrigen Gläubigen ;-)

27.09.2017 12:49 @27.09.2017 10:54 Wieland der Schmied 31

Wenn ich Sie richtig verstehe, werfen Sie der Kirche also vor, nicht Ihrer Meinung zu sein. Sehr egozentrisch.

27.09.2017 12:19 @26.09.2017 19:59 W. Merseburger 30

"Heute will auch die Kirche die AfD in die ähnliche Ecke wie die Nazis stellen. Da ist wohl Demut und Verhältnismäßigkeit gefragt."
Vielleicht hat die Kirche ja im Gegensatz zu anderen aus der Vergangenheit gelernt ?

27.09.2017 10:54 Wieland der Schmied 29

Die Kirchen und ihre fülligen Domherren hatten 4 Jahre Zeit, um ihre Haltung zu den zahlreichen Unmutsbekundungen des Wahlvolkes gegen die alleinherrschende Kanzlerin zu finden, was sie verspielt haben und den Platz den Gesellschaftskritikern von AfD und PEGIDA überlassen. Viele von ihnen waren auch schon 89 auf der Straße und mit die ersten, die den Staffelstab wieder aufnahmen. Ihnen schlug nicht nur Ablehnung der Heiligen Kirche entgegen, sondern die schäbige Difammierung als Nazis(„unser Kreuz hat keine Haken“), als Fremdenhasser und Hetzer. Das Wahlergebnis ist darüber hinweggegangen, als habe man die Verkündiger Gottes Worte nicht gehört. Schaufelt man mit Vehemenz sein eigenes Grab? Die Kirchendoktrin 33-45 hat nicht gepaßt, war von 45 bis 89 vorsichtig ausgedrückt gespalten und seit 90 systemergeben. Der Diener des Herrn im Schoß der Volksgemeinschaft wird noch gesucht, man wird die Kirchen lassen wie sie sind. Kein Amen.

27.09.2017 10:33 Otto Freundlich 28

Bin selber nicht gläubig, habe aber tatsächlich einige Bekannte, die sich zum Beispiel in der kirchlichen Flüchtlingshilfe engagieren. Von denen haben die meisten entweder DiB oder Grüne gewählt, keiner AfD.