Wiederansiedlung Wie die Lachse in der Nuthe heimisch werden

Lange Zeit gab es in der Elbe und den zahlreichen Nebenflüssen keine Lachse mehr. Doch langsam kehren die Tiere wieder zurück. In der Nuthe bei Zerbst spüren Wissenschaftler die seltenen Fische auf.

von Stephan Schulz

Am Vormittag, Punkt 9.30 Uhr, legen Ingo Borkmann und Robert Frenzel mit ihrem grünen Kahn ab. Sie fahren die Nuthe bei Zerbst hinunter – auf der Suche nach Lachsen. Mit Hilfe eines unter Strom stehenden Keschers gehen ihnen wahre Prachtexemplare ins Netz: "Der Tag ist sehr erfolgreich. Wir haben zwölf Lachse gefangen, vermessen, gewogen, markiert und wieder freigelassen. Das größte Lachsweibchen war fast ein Meter lang."

Tausende Lachse ausgesetzt

Robert Frenzel und Ingo Borkmann (v.l.) vom Institut für Binnenfischerei Potsdam in einem grünen Kahn auf einem Fluss
Robert Frenzel und Ingo Borkmann (v.l.) auf der Jagd nach Lachsen. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Für den Diplom-Biologen Ingo Borkmann ein Riesenerfolg. Er arbeitet am Institut für Binnenfischerei in Potsdam. Vor acht Jahren begann das Institut ein Wiederansiedlungsprojekt für Lachse. Angler aus Zerbst und Umgebung wurden die wichtigsten Unterstützer. Sie setzten Jahr für Jahr zigtausende Junglachse aus. Diese Tiere wandern ins Meer.

Wenn sie ausgewachsen sind, schwimmen sie beispielsweise von der Küste Grönlands oder Norwegens wieder zurück in ihre Heimatflüsse – in diesem Fall in die Nuthe bei Zerbst. Die Lachse wissen genau, wie sie wieder an ihren Geburtsort gelangen, sagt Robert Frenzel vom Institut für Binnenfischerei Potsdam: "Die Lachse haben ganz fein abgestimmte Sinnesorgane, die den Weg wahrnehmen können. Beispielsweise über den Geruch finden sie ihre Heimatgewässer wieder. Dafür ist es aber notwendig, dass die Gewässer durchgängig sind, es keine Hindernisse gibt."

Wenig Hindernisse – beste Bedingungen

In diesem Jahr finden die Lachse beste Bedingungen vor. Es fließt viel  Wasser die Elbe hinab, dadurch gibt es auch in den Nebenflüssen keine Niedrigwasserstände. Die Lachse kommen so leichter an ihr Ziel. Olaf Saar vom Anglerverein Zerbst kämpft seit Jahren dafür, dass die majestätischen Tiere in Sachsen-Anhalt wieder heimisch werden.

Robert Frenzel vom Institut für Binnenfischerei Potsdam und Olaf Saar vom Anglerverein Zerbst (v.l.) mit einem Lachs
Die Lachse werden gefangen, vermessen, gewogen, markiert und wieder freigelassen. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Mit seinen Anglerfreunden hat er Hindernisse wie umgefallene Baustämme beseitigt, alles im Ehrenamt: "Man sieht, dass das ein Riesenerfolg ist. Schade, dass uns die Politik oft nicht so richtig unterstützt. Zum Beispiel sind die ganzen Unterhaltungsmaßnahmen, die an der Nuthe durchgeführt werden, nicht ausreichend. Es gibt zwar ein Entwicklungskonzept für die Nuthe, aber es müsste auch umgesetzt werden, damit solche Fische wie der Lachs auch wirklich eine Zukunft haben."

Der Anfang ist aber gemacht. Die ersten großen Lachse haben den Weg in die Nuthe zurückgefunden. Sie haben Laichnester gebaut und sorgen nun für weitere Nachkommen.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06.07.2017 | 14:00 Uhr

Quelle: MDR/ms

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2017, 08:53 Uhr

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