Region Magdeburg

Gedenken an Zerstörung Magdeburgs : Fünfte "Meile der Demokratie" setzt Zeichen gegen Rechts

Am 16. Januar 1945 wurde die Innenstadt von Magdeburg bei einem der verheerendsten Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges fast vollständig zerstört. Rund 2.500 Menschen kamen dabei ums Leben. Alljährlich nutzen Rechtsextreme den Zeitraum um den Gedenktag für Propaganda-Aufmärsche. Die Stadt hält mit einer "Meile der Demokratie" dagegen. Auch zur fünften Veranstaltung dieser Art am 12. Januar 2013 sind zahlreiche Aktionen geplant.

Mit einer "Meile der Demokratie" will Magdeburg am 12. Januar erneut ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen. Anlass für die mittlerweile fünfte Veranstaltung dieser Art ist der erwartete Aufmarsch von Neonazis anlässlich des 68. Jahrestages der Bombardierung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg. Wie die Stadt und das "Bündnis gegen Rechts" am Montag mitteilten, werden hierzu bis zu 2.000 Rechtsextreme aus ganz Deutschland erwartet. "Da muss die Gesellschaft einfach mobil machen", sagte Oberbürgermeister Lutz Trümper am Montag.

Buntes Programm gegen Rechtsextremismus

Mit der alljährlichen Protestaktion entlang des Breiten Weges soll nach Angaben der Organisatoren einmal mehr dokumentiert werden, wie bunt und vielgestaltig das Leben in einer demokratisch verfassten Gesellschaft ist. Geplant seien zahlreiche Informationsstände und ein Programm auf drei Bühnen. Auch Theateraufführungen und Lesungen in einer Straßenbahn stünden auf dem Programm. Noch ist allerdings offen, ob die Rechtsextremisten am 12. Januar oder am darauffolgenden Wochenende auf die Straße gehen. Daher sind auch für den späteren Termin Gedenkkundgebungen geplant. Trümper rief die Magdeburger auf, mit kulturellen Beiträgen und Begegnungsangeboten "einen ganz persönlichen Fußabdruck" auf der "Meile" zu hinterlassen. Zugleich sagte der SPD-Politiker, er wünsche sich angesichts der hohen Zahl erwarteter Neonazis eine stärkere Beteiligung der politischen Prominenz. Neben Trümper werden unter anderem Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) und Landtagspräsident Detlef Gürth (CDU) erwartet.

Stadt rechnet mit "besonderer Bedrohungslage"

Magdeburgs OB sagte, auch diesmal sei damit zu rechnen, dass Nationalisten und Rechtsradikale das Gedenken an die Zerstörung der Stadt 1945 nutzen, um für ihre antidemokratische und fremdenfeindliche Gesinnung zu werben. Der Organisator der städtischen Gegenkundgebungen, Magdeburgs Beigeordneter Holger Platz sprach von einer "besonderen Bedrohungslage": "Gerade jetzt ist es wichtig, dass die Magdeburger Gesicht zeigen." Mit der "Meile" werde verhindert, dass Rechtsextremisten in den inneren Innenstadtbereich vordringen könnten. Er werde aber aus rechtlichen Gründen keine Blockaden organisieren, sagte Platz. Die Initiative "Magdeburg Nazifrei" kündigte hingegen an, den Rechtsradikalen an beiden möglichen Demonstrationstagen Straßenblockaden entgegenstellen zu wollen.

An der vergangenen "Meile der Demokratie" im Januar dieses Jahres hatten sich mehr als 10.000 Menschen beteiligt. Zeitgleich fand ein Aufmarsch von 1.200 Rechtsextremisten statt. Diese nutzen den Zeitraum um den Gedenktag an die Zerstörung Magdeburgs alljährlich für ihre Aufmärsche.

Einer der schwersten Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges

Blick auf das im 2. Weltkrieg stark zerstörte Industriegebiet von Magdeburg.
Magdeburg nach seiner Zerstörung 1945

Am eigentlichen Gedenktag, dem 16. Januar, finden auf Einladung von Stadt und Kirchen traditionell ein Schweigemarsch und eine Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer der Bombenangriffe statt. Magdeburg war 1944 und 1945 Ziel von alliierten Luftangriffen. Bei der schwersten Bombardierung durch die Royal Air Force am Abend des 16. Januar 1945 kamen mehr als 2.500 Menschen ums Leben. Etwa 190.000 wurden obdachlos. Bei dem 39 Minuten dauernden Angriff mit Luftminen, Spreng-, Brand- und Phosphorbomben wurden 90 Prozent der Innenstadt zerstört. 15 Kirchen und der Breite Weg - seinerzeit eine der prächtigsten Barock-Straßen Deutschlands - wurden fast vollständig verwüstet. Der Magdeburger Dom blieb von dem Angriff weitgehend verschont. Der Bombenangriff auf Magdeburg gehörte zu den schlimmsten des Zweiten Weltkrieges überhaupt.

Zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2012, 16:41 Uhr

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