Persönlicher Blick auf die Meile Von Falafel, guter Musik und engagierten Schülern

Sören Thümler war schon bei jeder "Meile der Demokratie" als Reporter dabei, berichtet jedes Jahr über die zahlreichen Aktionen und Teilnehmer mit ihren kreativen Ideen. 2017 blickt er auf seine ganz persönlichen Erlebnisse dieses Tages.

von Sören Thümler

Mein Magdeburg hat an diesem Sonnabend bereits zum neunten Mal ein Zeichen für Weltoffenheit gesetzt. Die "Meile der Demokratie" ist ja schon Tradition und zeigt, dass die Einwohner der Stadt durchaus ein politisches Bewusstsein haben. Wenn sie merken, dass unsere Werte wie Demokratie, Toleranz, Vielfalt und Solidarität mit Schwächeren von einigen in der Gesellschaft in Frage gestellt werden, gehen sie dagegen auf die Straße. Schon bei der Eröffnung machte Ministerpräsident Reiner Haseloff in klaren Worten deutlich, dass die Demokratie verteidigt werden muss und die Meile ein guter und friedlicher Ort dafür ist.

Besucher auf der Meile der Demokratie
Blick auf die Schulmeile. Bildrechte: MDR/Sören Thümler
reporter auf der Meile der Demokratie
Sören Thümler schreibt über sein Magdeburg und die Meile. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Großartig war für mich, wie in jedem Jahr, die Schulmeile! 23 Schulen aus Magdeburg und Umgebung machten deutlich, wie kreativ und intensiv sie sich mit dem Thema Nationalsozialismus und Rassismus auseinandersetzen. Und das freiwillig, und nicht weil die Lehrer oder Eltern es so wollten. Diese jungen Leute machen wirklich Hoffnung für die Zukunft. Und die Meile bot insgesamt noch viele andere sehenswerte Stände und Aktionen.

Islamische Gemeinde gibt Einblick

Gleich neben der Hauptbühne war die Islamische Gemeinde der Stadt zu finden. Hier gab es wichtige Gespräche, Informationen zum Islam und zum Verstehen der uns doch manchmal so fremden Religion. Und hier gab es die besten Falafeln der Meile. Das sorgte für eine richtig lange Schlange.

Musikalisches Programm zur Meile der Demokratie
Mit Musik gegen die Kälte: Die Band "Noch ist Zeit". Bildrechte: MDR/SörenThümler

Auf der Bühne nebenan wurde es auch musikalisch: Die Band "Noch ist Zeit" aus Staßfurt machte gute Laune und vertrieb die Kälte.

Die jährliche Strickaktion der evangelischen Hoffnungsgemeinde Magdeburg glich in diesem Jahr eher einer Nähaktion. Es waren viele Taschen, die an diesem Tag unter dem Motto "Hass wegpacken, Anstand bewahren" für den guten Zweck den Besitzer wechselten. Und bei der Auslandsgesellschaft konnte dann jeder sein persönliches Foto mit seinen Stichworten zur Demokratie machen lassen. Auch hier waren viele Magdeburger dabei.

Der FCM mit Herz für seine Stadt

Ganz stark war auch der Auftritt des Fußball-Drittligisten 1. FC Magdeburg. Hier schrieben die Profis Waseem Razeek und Maurice Exslager Autogramme und machten auch fleißig Werbung für den Behindertentag beim FCM. Den wird es dann im April wieder geben. Fußball und soziales Engagement passt auch gut zur Meile.

Stand auf der Meile der Demokratie
Mit Ob Trümper auf Falafel bei der islamischen Gemeinde. Bildrechte: MDR/SörenThümler

Zum Schluss dann aber auch noch zwei Begebenheiten zum Nachdenken.

Klar war, es heute etwas voller in der Stadt und einige mussten sich auf dem Weg zum Einkaufserlebnis durch Menschengruppen drängeln, auch die Bahn brauchte hier und da länger. Aber dem Herren, der im Gedränge beim Durchgang zum Alten Markt meinte, pöbeln zu müssen, die Menschen auf der Meile seien dumme „Gutmenschen“, wünsche ich von Herzen, dass er immer in einer Gesellschaft lebt, in der er nicht auf die Hilfe guter Mitmenschen angewiesen ist. 

Und dann war da noch die ältere Dame, die mir davon erzählte, wie es damals war, nach dem 16. Januar 1945: Magdeburg war zerstört, der von Deutschland begonnene Zweite Weltkrieg hatte auch hier für so viel Leid gesorgt. Sie freute sich sehr, dass die Magdeburger heute gegen Gewalt und Hass auf der Straße sind. "Denn so etwas wie damals, dürfen wir doch nie wieder zulassen!" Vielleicht der wichtigste Satz des Tages.

Stand auf der Meile der Demokratie
Mehr Nähen als Stricken in diesem Jahr bei der evangelischen Hoffnungsgemeinde: Die Taschen waren bei den Besuchern gefragt. Bildrechte: MDR/SörenThümler

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2017, 10:09 Uhr

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9 Kommentare

22.01.2017 18:30 Agnostiker 9

Spalten und herrschen. So sieht die "Demokratie" der Dienstwagennutzer aus. Dabei tun sie das genaue GEGENTEIL von dem was sie predigen - sie hetzen alle gegeneinander: Deutsche gegen Auslaender, Frauen gegen Maenner, Alte gegen Junge, Hartzer gegen Aufstocker.
Besonders erschreckend dabei die kritiklose "Sprachlosigkeit" der planmaessig verdummten Jugend, die auf die alten Luegner aus Krieche und Politik hereinfallen und Deckchen haekeln, als ob sie den Ausverkauf ihrer Zukunft um sie herum gar nicht bemerken.

22.01.2017 18:02 Der Burger 8

Ich kann mich da nur Dieter und Dämon anschließen. Sehr unkritischer Bericht der Kategorie Hofberichterstattung. Alles super, alles toll in Haseloffs La-la-Land.

22.01.2017 17:57 Dieter Schm. 7

Vielleicht hätten Sie die Kolumne besser "Sören Thümlers unkritischer Blick auf die Meile" nennen sollen. Man hätte zum Beispiel thematisieren können, dass die Veranstaltung mit nur 8.000 Besuchern eher schwach besucht war. Zählen da eigentlich die Aussteller mit? Wer hat die Menschen gezählt? Was könnte man tun, um die Meile attraktiver zu machen? Was ist mit Schülern, die keinen Bock auf die Schulmeile haben? Fragen über Fragen, die dem leicht. Zu begeisternden Herrn Thümler nicht in den Sinn kamen.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Sie kommentieren hier offensichtlich nur, um den Text schlechtzureden. Die Frage, ob unser Reporter leicht zu begeistern ist, wollen Sie doch nicht ernsthaft anhand eines Textes beantworten? Vergessen Sie bitte nicht, dass es sich hier um persönliche Eindrücke von vor Ort handelt. Wenn Sie andere Eindrücke haben, okay. Das ist Ihr gutes Recht. Sie können unserem Reporter deshalb aber nicht vorwerfen, er sei leicht zu begeistern.

22.01.2017 17:53 ralf meier 6

Da lese ich: ' Aber dem Herren, der im Gedränge beim Durchgang zum Alten Markt meinte, pöbeln zu müssen, die Menschen auf der Meile seien dumme „Gutmenschen“, wünsche ich von Herzen, dass er immer in einer Gesellschaft lebt, in der er nicht auf die Hilfe guter Mitmenschen angewiesen ist. ' --> Das wünsche ich dem guten Mann auch, denn von diesen Gutmenschen wird er im Alter wahrscheinlich wenig zu erwarten haben. Nur ein Beispiel dazu : Der Freiburger Flüchtlingshelfer Herr Lehmann stellte bei Frau Maischberger in Ihrer Runde vom 07.12.2016 fest, das anfangs 450 ehrenamtliche Helfer 440 Asylanten in einer Einrichtung betreuten. Für 150 wurde es später ein Vollzeitjob. Fragen Sie mal jemanden , der in einem Altersheim arbeitet, wieviel ehrenamtliche Helfer dort tätig sind und wieviel alte Menschen von einer Vollzeitkraft betreut werden müssen. Da ist es auch eine Frage der Bequemlichkeit, wenn man sich beruflich oder ehrenamtlich lieber für jugendliche Schutzbefohlene engagiert

22.01.2017 17:34 Dieter Schm. 5

Und wo sind dann die kritischen Töne zum Islam? Gerade der Islam ist eine Religion, die genug streitbare Positionen enthält (Zwangsehe, Kinderehe, Antisemitismus, Gewalt gegen Frauen, Apostasie, Gewaltenteilung, Allah als alleiniger Souverän usw. usw.). Sind damit die wichtigen Gespräche und Informationen zum Verständnis des Islam gemeint? Lieber nicht zu kritisch nachfragen, lieber MDR, sonst gilt man schnell als "rechts" und "besorgter Bürger", und was ist schon schlimmer im gebührenfinanzierten Wohlfühlsender?

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Wir haben hier einen subjektiven Eindruck unseres Reporters von der Meile der Demokratie veröffentlicht – kein Erklärstück über den Islam. Und ja, ganz sicher werden mit der von Ihnen zitierten Passage auch solche Fragen gemeint sein, die in der Auseinandersetzung mit dem Islam in einem überwiegend christlichen Land auftreten. Aber noch einmal: Das ist nicht zentrales Thema dieses Textes, sondern nur ein kleiner Teil davon.

22.01.2017 17:13 Dämon 4

Irgendwie muss das Ganze ja schön geredet werden. Und das Palaver von Demokratie kann sich ein Normalbürger nicht mehr anhören.

22.01.2017 16:19 Dieter Schm. 3

Komisch nur, dass Hass, Intoleranz, mangelndes Demokratieverständnis immer nur im sog. "rechten" Spektrum verortet wird. Wer gegen Nazis ist, gehört m. E. nicht automatisch zu den Guten. Gerade der Islam sollte nicht pauschal über den grünen Klee gelobt werden, weil es dort die besten Falafel gibt. Das erscheint mir sehr naiv, undifferenziert und zeugt von mangelnder journalistischer Distanz. Darüberhinaus haben wir in Sachsen-Anhalt auch ein Problem mit dem gewaltbereiten Linksextremismus. Aber das sind ja automatisch auch die Guten, weil gegen "rechts". Man sollte bei diesem Personenkreis nicht nur darauf achten wogegen sie sind, sondern auch wofür sie streiten. Und das unterscheidet sie nur wenig von ihren Gegnern.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Richtig, sollte er nicht. Wenn Sie den Text lesen, stellen Sie auch fest, dass wir an keiner Stelle den Islam "pauschal über den grünen Klee" loben. Unser Reporter ist der Meinung, dass es am Stand der Islamischen Gemeinde Magdeburgs die besten Falafel gab. Nicht mehr und nicht weniger. Dass Sie uns anhand dieser Passage Naivität, Undifferenziertheit und mangelnde Distanz vorwehren, entbehrt jeder Grundlage.

22.01.2017 12:21 SGDHarzer66 2

Nach diesem Fazit von Sören T. wundern sich noch Menschen, das dem Journalismus hierzulande nicht mehr getraut werden kann?

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Obwohl Ihr Kommentar nur einen Satz lang ist, enthält er einen Fehler: Dem Journalismus hierzulande kann sehr wohl getraut werden. Das zuallererst. Im Übrigen finden wir es unangebracht, dass sie den Text schlechtreden, ohne auch nur ansatzweise zu nennen, was Ihnen daran nicht passt. Da drängt sich zwangsläufig der Eindruck auf, Sie wollen das Fazit unseres Reporters schlichtweg nicht akzeptieren.

22.01.2017 08:35 Erni01 1

Gegründet wurde die "Meile der Demokratie" ja wohl ursprünglich als Gegenveranstaltung zu Versammlungen, die an die völkerrechtswidrige Bombardierung der Zivilbevölkerung Magdeburgs erinnerten. Davon war dieses Jahr nichts zu sehen. 8.000 Personen dagegen. Gegen was?

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Es ist nicht wahr, dass die Bombardierung Magdeburgs keine Rolle gespielt hat. Allein in der Eröffnungsfeier wurde mehrfach auf die Zerstörung und das daraus folgende Leid hingewiesen.