Der noch nicht sanierte Haltepunkt Beyendorf.
Alt, dreckig und vermoost sind die Bahnsteige in Beyendorf. Doch das soll sich bald ändern. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Bahnstrecke Magdeburg – Halberstadt Eine Million Euro pro Kilometer

55 Millionen Euro investieren Bahn, Bund, Land und Kommunen in die Sanierung der Bahnstrecke von Magdeburg über Oschersleben nach Halberstadt. Davon profitieren viele kleine Stationen.

von Mario Köhne, MDR SACHSEN-ANHALT

Der noch nicht sanierte Haltepunkt Beyendorf.
Alt, dreckig und vermoost sind die Bahnsteige in Beyendorf. Doch das soll sich bald ändern. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Pünktlich erreicht der kleine weiß-blau-gelbe Zug des Harz-Elbe-Expresses auf seiner Fahrt von Magdeburg nach Oschersleben den Halt in Beyendorf. An der kleinen Station im Süden Magdeburgs hat der Zahn der Zeit ganz schön genagt: Die Platten auf dem Bahnsteig sind alt, dreckig und teilweise voller Moos. Rund 50 Fahrgäste nutzen den kleinen Bahnhof täglich. 2014 stand sogar eine Schließung im Raum. Die Beyendorfer um Jürgen Tiedge haben damals 900 Unterschriften für den Erhalt gesammelt – mit Erfolg.

Dass der Bahnhof jetzt saniert wird, freut Tiedge umso mehr: "Wir hoffen, dass das eine Weichenstellung für die Zukunft wird." Die Bauarbeiten sind für das erste Halbjahr 2018 geplant. 200.000 Euro sind dafür vorgesehen.

Investition von fast einer Million

Insgesamt geben die Bahn, der Bund, das Land und die Kommunen rund 55 Millionen Euro entlang der 59 Kilometer langen Strecke aus. Viel Geld wird in neue Technik gesteckt. Das ist auch in Beyendorf zu erkennen: Neben dem Gleis ist ein Kabelschacht ausgebuddelt. Hier verbindet künftig ein Glasfaserkabel die beiden Stellwerke in Magdeburg und Halberstadt. Sie sind dann für die komplette Strecke verantwortlich. Die Schrankenwärter, die derzeit noch an einigen Bahnübergängen Dienst tun, sind dann überflüssig.

Fertiggestellte und für die Sanierung geplante Bahnhaltepunkte an der Strecke Halberstadt – Magdeburg
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neue Bahnunterführung für Oschersleben

In Oschersleben fährt der Harz-Elbe-Express über die größte Einzelmaßnahme: Seit anderthalb Jahren wird mitten in der Stadt an der Unterführung im Zuge der Bundesstraße 246 gebaut. Mitte November sollen die Arbeiten soweit fertig sein, dass Autos, Fußgänger und Radfahrer die Unterführung nutzen können.

Die Bahnunterführung Oschersleben wird erneuert.
Die Bahnunterführung in Oschersleben ist die größte Einzelmaßnahme entlang der Strecke. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Drei Bahnübergänge werden dafür aufgegeben. Die Oschersleber müssen sich also auf neue Wege in die Stadt einstellen. Zehn Millionen Euro sind in diese Maßnahme geflossen. "Bundesweit gibt es sowas sicher häufiger. Hier in an der Strecke ist es das einzige Bauwerk dieser Dimension und Größe", erklärt der Projektleiter bei der Deutschen Bahn für die Strecke Magdeburg – Halberstadt, Mathias Lorenz.

Sanierung kleiner Bahnhöfe

Der Bahnhof in Oschersleben ist bereits seit einigen Jahren saniert. Und auch in Halberstadt, Hadmersleben und Nienhagen sind die Bauarbeiter bereits fertig. In Nienhagen lässt sich erkennen, was es künftig auch in Beyendorf geben wird: höhere und neue Bahnsteige, neue Beleuchtung, neues Wartehäuschen. Und vor allem: alles barrierefrei.

Bis 2020 sollen außerdem noch die Bahnhöfe in Dodendorf, Langenweddingen und Osterweddingen restauriert werden. Danach ist nicht nur das Ein- und Aussteigen für die Fahrgäste angenehmer. Es geht auch schneller: die Züge sollen auf der Strecke künftig bis zu 120 Stundenkilometer schnell fahren dürfen, 20 Kilometer pro Stunde mehr als bisher.

Insgesamt gibt es in Sachsen-Anhalt 291 Bahnstationen. Seit 2009 sind davon 93 saniert worden.

Der sanierte Bahnhaltepunkt Nienhagen bei Halbertstadt mit dem unsanierten Bahnhofsgebäude.
Der erneuerte und nun barrierefreie Bahnhof in Nienhagen. Eine Sanierung des alten Bahnhofsgebäude ist nicht vorgesehen. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11.10.2017 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2017, 20:52 Uhr

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13 Kommentare

14.10.2017 13:54 Berggeist 13

Ich glaube, Könnern war das, der Bahnhof wurde auch barrierefrei umgebaut , mit Fahrsstuhl und so. Doch der Fahrstuhl war immer außer Betrieb/kaputt ... Also was nutzt das ganze? Oder "rauchfreier Bahnhof" - wenn niemand danach schaut.

14.10.2017 11:33 roje 12

der Bahnhof bzw Haltepunkt in Krottorf wurde vergessen, eine Buslinie nach Halberstadt wird auch eingestellt, Prima, die Kinder können ja zum Glück den Führerschein mit 16 machen.

13.10.2017 16:43 Ureinwohner 11

Insgesamt gibt es in Sachsen-Anhalt 291 Bahnstationen. Seit 2009 sind davon 93 saniert worden. höhere und neue Bahnsteige, neue Beleuchtung, neues W a r t e häuschen. Und vor allem: alles barrierefrei. Oh , wie angnehm und das soll ein Bahnhof sein.Wieviel Bahnhöfe mussten die
Komunen kaufen ,um dieDB börsentauglich zu machen? Der Eisenbahner Mehdorn sollte es wissen.

13.10.2017 11:42 Raimund 10

@9, Weißenrau: Naja, aber bei den ganz modernen Zügen ist das doch so, dass ein Bioreaktor verwendet wird. Zur Verlängerung der Entleerungszyklen wird bei neuen Zügen ein geschlossenes Toilettensystem mit einem Bioreaktor eingebaut. Nach einer Behandlung und einer definierten Verweilzeit wird die fertig aufbereitete Flüssigkeit in definierten Chargen während der Fahrt auf den Gleiskörper abgegeben.

Also irgendwie kommt es doch auf die Schiene, oder? Wird so etwas hier auf der Strecke auch verwendet?

12.10.2017 23:05 Weißenrau 9

@5, Raimund: "Bahnunterführung, pfui. Dass einem das Pipi aus den Zügen auf den Kopf läuft."

Sie sind wohl schon seit 20 Jahren keine Bahn mehr gefahren, oder? Weil: Züge haben heutzutage geschlossene WC-Systeme.

Auch auf der Strecke Magdeburg- Halberstadt fahren moderne Triebwagen. Da gibt es schon lange kein DDR-Plumpsklo mehr.

Da muss man sich eher Sorgen machen, dass alkoholisierte Männer vor Ort die Unterführung als Latrine benutzen. Solche Ferkel gibt es leider immer wieder. Und dazu dann noch Graffiti-Schmierer, die dann die Betonwände mit häßlichen Buchstaben-Kritzeleien vollsauen.

12.10.2017 22:20 Gert 8

Wurde DAS Hordorf auch saniert?
An @optnator(4) 18:27 Uhr: Ich finde Großraumwagen besser als Abteilwagen. Großraumwagen bieten mehr Unterhaltung.

12.10.2017 22:18 Paulchen 7

@6 auf vielen Strecken können Sie auch 1. Klasse kaufen. Dort ist es fast immer relativ ruhig und ausreichend Sitzplätze sind frei. Machmal im Fernverkehr/mit Sparpreis sogar zum gleichen Preis ;-)

12.10.2017 18:27 @optinator (4) 6

Früher hat Bahnfahren auch wirklich noch Spaß gemacht. Man saß in kleinen Abteilen und nicht in solchen Großraumwagons wie heute, wo man den Telefonierer aus der letzten Reihe noch mitbekommt. Überhaupt müsste das Telefonieren in Zügen verboten werden oder zumindest Ruhezonen eingerichtet werden. Ich komme mir heutzutage vor als würden wir alle in der 3. Klasse fahren.

12.10.2017 17:52 Raimund 5

Bahnunterführung, pfui. Dass einem das Pipi aus den Zügen auf den Kopf läuft.

12.10.2017 17:22 optinator 4

Vor 30 Jahren gab es nur diese Art von Verkehr, Nahverkehr. Was hat man alles für Leute getroffen, Bekanntschaften geschlossen.
Ja, wir haben uns manches mal die Beine in den Bauch gestanden und gewartet weil entweder der Zug Verspätung hatte oder gar ausgefallen ist. Die Zeit spielte da keine so große Rolle da das Leben nicht so auf Tempo gedrillt war.
Schön wenn das mal wieder alles funktionieren würde. Gerade für die älteren Generation die dann Zeit hat und vielleicht das Auto nicht mehr nutzen kann.
In Zukunft ist das Auto eh ein Auslaufmodel in punkto Mobilität.

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Abbruch- und Neubauarbeiten an einer Eisenbahnbrücke in Halle (Archivbild) Bildrechte: MDR/Stefan Bringezu