Dampfloks fahren aus einer Halle heraus.
Bleiben derzeit immer öfter in der Halle stehen – die Harzer Schmalspurbahnen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Harzer Schmalspurbahnen Keine Heizer, kein Dampf, keine Züge

Bei den Harzer Schmalspurbahnen herrscht Personalmangel. Deshalb wird derzeit auf der Strecke der Selketalbahn ein Drittel des Fahrplans mit Bussen abgedeckt. Die Bürgermeister der an der Strecke liegenden Gemeinden sind sauer. Sie fürchten um ausbleibende Touristen. Bei der HSB gab es deshalb eine außerplanmäßige Aufsichtsratssitzung.

Dampfloks fahren aus einer Halle heraus.
Bleiben derzeit immer öfter in der Halle stehen – die Harzer Schmalspurbahnen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Wer als Tourist auf Eisenbahnromantik im Selketal hofft, der hat derzeit nur wenig Chancen, mit einem Dampfzug der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) durch das Selketal zu fahren. Über ein Drittel des Fahrplans wird wegen Personalmangels – vor allem bei den Heizern – mit Bussen abgedeckt.

Der Notstand bei den HSB soll so schnell wie möglich behoben werden. Das ist das Ergebnis eines Krisentreffens des Aufsichtsrates am Dienstag in Wernigerode. Der Aufsichtsratschef und parteilose Oberbürgermeister von Wernigerode, Peter Gaffert, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, beim Personal sehe es inzwischen gut aus; es gebe Bewerbungen. Darüber hinaus wolle man ein tragfähiges Personalentwicklungs-Konzept erarbeiten und eine Arbeitsgruppe aus Anwohnern, Tourismus-Anbietern und HSB einrichten. Sie solle die Attraktivität des Selketales stärken und es von seinem "Fünfte-Rad-Status" wegbringen.

Brockenbahn nicht betroffen

Ein Damplokheizer steht in einem Führerhaus einer Lok.
Heizer, wie Tobias Hinsche, sind im Moment Mangelware im Selketal. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Die Anwohner in Harzgerode und Quedlinburg wollten durchsetzen, dass die Ausfälle auch auf die anderen Bahnteile der Harzer Schmalspurbahnen – die Brockenbahn und die Harzquerbahn – verteilt werden, um dem Tourismus im Selketal nicht zu sehr zu schaden. Diese Forderung hat der Aufsichtsrat abgewiesen. Zur Begründung hieß es, die Brockenbahn transportiere wesentlich mehr Fahrgäste und fahre damit auch mehr Geld ein. Es wäre fatal, dort den Dampfzugbetrieb einzuschränken.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02.05.2017 | 17:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 02.05.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ff

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2017, 21:26 Uhr

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12 Kommentare

03.05.2017 20:28 MaBu 12

Fortsetzung

3. Wie wird anderen profitorientierten Unternehmen die Möglichkeit geboten mehrfach ihre personellen Defizite oder die Kommunikation ihrer gestiegenen Endverbraucherpreise unentgeltlich und zur besten Sendezeit im öffentlich rechtlichen Rundfunk zu erläutern?
4. Warum wird die Personalnot bei der HSB nicht vor Ausstrahlung der Beiträge kritisch Hinterfragt?
5. Warum wird bei der Berichterstattung nicht berücksichtigt, dass es sich bei der Harzer Schmalspurbahnen GmbH um ein profitorientiertes Unternehmen mit Gesellschaftern handelt, die weder gemeinnützige GmbH ist, sich nicht in Körperschaft des öffentlichen Rechts befindet, kein Verein ist, keine gemeinnützige Stiftung und auch kein „Volkseigentum“ ist?
Über eine Beantwortung dieser aufgekommenen Fragen würde ich mich sehr freuen
MfG MaBu


ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Die Harzer Schmalspurbahn ist als touristisches regionales Unternehmen in einer Position, die sie von anderen Betrieben insofern unterscheidet, als das an der Berichterstattung über sie ein gesteigertes öffentliches Interesse besteht. Das ist nicht bei jedem anderen Betrieb gegeben – dennoch berichten wir regelmäßig über Betriebe aus anderen Branchen, wenn sie beispielhaft Einblicke in ein Thema geben können oder an anderen Projekten beteiligt sind, an denen ebenfalls ein gesteigertes öffentliches Interesse besteht.
Ein Fernseh- oder Radio-Beitrag kann zudem immer nur Ausschnitte zeigen und nie alle Details berücksichtigen. In redaktionellen Absprachen wird entschieden, wo der Fokus des Berichtes liegen soll - der Status des Unternehmens spielt für den Themenschwerpunkt Personalmangel nur eine untergeordnete Rolle.

03.05.2017 20:24 MaBu 11

Sehr geehrtes MDR Team,
ich freue und bedanke mich über ihr Interesse an meinem Kommentar. Ich habe das Wort "Werbung", in meinem Kommentar, bewusst in Anführungszeichen gesetzt und mich dank ihrer Anmerkungen intensiver mit dem Thema befasst. Dabei ergaben sich folgende Fragen:

1. Warum bedankt sich in dem Videobeitrag der Geschäftsführer der Harzer Schmalspurbahnen GmbH Matthias Wagener für die positive Resonanz auf die mediale Berichterstattung beim MDR, wenn es doch keine indirekte Werbung war?

2. Warum wurde in dem Bericht im April, über den Personalnotstand bei der HSB GmbH, durch den Reporter darauf hingewiesen das Heizer bei der HSB GmbH eigentlich ein Traumjob ist und sie doch bewusst in ihren Artikeln auf „Werbezutat - positivierende Markenbotschaften, konkrete Handlungs- und Kauf-Appelle“ verzichten? (leider nur noch bei youtube unter „Thueringer-Bahn Initiative“ zu finden)

Fortsetzung folgt

03.05.2017 15:35 Bernd 10

@4 aktuell hat die HSB nur 3 Harzkamale die betriebsfaehig sind, davon eines im Rangierdienst. Weisse nicht ob das reicht um hier viel Personal einzusparen. Und viele die zum Brocken hochfahren wollen, moechten eben auch die Dampflok als Lokomotive haben, aber wie hier auch schon geschrieben fuer den Tourismus ist die HSB wichtig!!

03.05.2017 14:26 magdeburg 1965 9

@MaBu: Wo bitte wird in diesem Artikel Werbung für die HSB gemacht? Sie haben den Sinn von Werbung nicht verstanden. Es hilft auch nichts irgendetwas aus einem Wirtschaftslexikon zu zitieren. Ich würde mich jedenfalls nach diesem Artikel dort nicht bewerben.

03.05.2017 12:20 MaBu 8

Denkansatz !
Werbung ist die Beeinflussung von verhaltensrelevanten Einstellungen mittels spezifischer Kommunikationsmittel, die über Kommunikationsmedien verbreitet werden. Werbung zählt zu den Instrumenten der Kommunikationspolitik im Marketing. Durch die Belegung von Werbeträgermedien ist es das auffälligste und bedeutendste Instrument der Marketingkommunikation.
Im engeren Sinne ist im Rahmen der Wirtschaftskommunikation mit Werbung die Adressierung von Absatzmärkten gemeint. Ebenso werben Unternehmen aber auch für Personal, Finanzmittel oder für wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen, die Ihnen die Geschäftsausübung erleichtern.

Kommunikationsmittel MDR + Personalsuche HSB = Werbung

Quelle : Gabler Wirtschaftslexikon, Prof. Dr. Jürgen Schulz, Professor für strategische Kommunikationsplanung


ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Nach Ihrer verkürzten Argumentation wäre jede Form medialer Kommunikation Werbung. Sie vergessen die wichtigste - und in unseren Artikeln natürlich bewusst fehlende Werbezutat - positivierende Markenbotschaften, konkrete Handlungs- und Kauf-Appelle.

03.05.2017 11:34 Wilfried Oppermann 7

Etliche Mitarbeiter sind bei der HSB abgesprungen,
eben der unzeitgemäßen Bezahlung wegen.
Statt zu reagieren bei Kündigungen, wird die Zeit verschlafen bis die Kündigungsfristen abgelaufen sind. wer dann erst sucht (und wieder lächerlich bezahlen will) guckt in die Röhre !
Touritisch ist die HSB l e b e n d s n o t w e n d i g,
wann begreiffen das die Beteiligten und Länderparlamente ? Der Zuschuß muß endlich angepaßt werden, nur mit jährlichen Preiserhöhungen klappt das nicht !

03.05.2017 10:55 MaBu 6

Vielleicht sollte die HSB einfach mal über eine zeitgemäße Bezahlung ihrer Mitarbeiter nachdenken um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Wer denkt, die Mitarbeiter bekommen eine Entlohnung die den Fahrpreisen entspricht, ist im Irrtum. Es wäre wünschenswert, der MDR würde Dieses hinterfragen bevor er "Werbung" für dieses Unternehmen macht. Ich persönlich nutze die HSB aus diesem Grund nicht und rate allen unserer Freunde, die uns in Quedlinburg besuchen, dies auch nicht zu tun. Sollte die HSB weiterhin zum Stopfen diverser Haushaltslöcher der Anteilseigner genutzt werden, sehe ich für die Zukunft dieser touristischen Attraktion schwarz.


ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Dieser Artikel ist ganz sicher keine Werbung. Unsere Berichterstattung über die letzten Fahrpreiserhöhungen wohl auch nicht.

03.05.2017 08:03 Mölle 5

Da hat wohl die Geschäftsführung gedacht, wenn dann mal Leute in Rente gehen, kommt so ohne weiteres Personal nach, nee, da muss man sich schon mal Bemühen, auch Nachwuchs Auszubilden, oder Stellen auszuschreiben, denn wer von den Jungen Leuten denkt heute schon daran sich als Heizer oder Dampflokführer bei den HSB zu Bewerben.

02.05.2017 22:40 Volker 4

Wenn einige Züge zum Brocken mit einer Diesellok ("Kamel") bespannt würden, hätte man Heizer für die Selketalbahn frei. Dieselloks brauchen nur einen Triebfahzeugführer!

02.05.2017 21:43 Ronny 3

Das kommt davon wenn man seine Angestellten nur Ausbeutet und sie mit dem Mindestlohn abfertigen will!Fragt doch mal unsere Kanzlerin Frau DR.Merkel wo unsere Fachkräfte aus dem Ausland sind! Aber die wollen sich ja auch nicht die Finger schmutzig machen!