Landgericht Magdeburg : Ex-Autohaus-Chefin wegen 59 Straftaten angeklagt
Seit Donnerstag beschäftigt sich das Magdeburger Landgericht mit verschiedenen Betrugsvorwürfen gegen die ehemalige Chefin eines Autohauses in Blankenburg im Harz. Die heute 52 Jahre alte Prokuristin soll zwischen Januar 2008 und Juli 2009 mehrere Banken um mehr als 900.000 Euro geprellt haben.
In der 182-seitigen Anklageschrift werden der Frau insgesamt 59 Straftaten zur Last gelegt, darunter Betrug, Unterschlagung und gewerbsmäßige Urkundenfälschung. Die manipulierten Unterlagen dienten nach Auffassung der Staatsanwaltschaft dazu, Banken zur Auszahlung von Darlehen auf das Konto des Autohauses zu bewegen. Die Rückzahlung der Kredite war nur in geringen Mengen oder gar nicht vorgesehen. Teilweise existierten weder die Autos noch die Käufer, hieß es.
Angeklagte: "Aus Not gehandelt, um Firma zu retten"
Zum Prozessbeginn sprach die gebürtige Magdeburgerin von Finanzproblemen des Autohauses, das sie 2007 übernommen hatte, um es zu sanieren. "Es fehlte immer an Liquidität", sagte die Angeklagte. Die vorgeworfenen Taten seien aus der Not heraus geboren worden, um die Firma zu retten. "Ich wollte die Arbeitsplätze erhalten und das Autohaus wieder auf gesunde Füße stellen", sagte sie. Es sei nie darum gegangen, sich persönlich zu bereichern. Die Angeklagte kündigte an, sich an den kommenden Verhandlungstagen zu den Details zu äußern.
Laut Anklage fälschte die Frau Ausweise, Fahrzeugzulassungen, Gutachten, Kilometerstände und Einkommensnachweise. Unfälle und Reparaturen seien bewusst verschwiegen worden, um den Wert der Autos nach oben zu treiben. Mit den gefälschten Daten seien mehrere Banken dazu gebracht worden, guten Gewissens Darlehen zur Finanzierung der Autos zu bewilligen. Dabei soll es sich meistens um Gebraucht- und Nutzfahrzeuge gehandelt haben, einige aus dem Luxus-Segment. Manche Fahrzeuge seien nach Osteuropa gebracht und dort sichergestellt worden, heißt es in der Anklage. Um an das Geld zu kommen, seien auch Strohmänner als Kreditnehmer angeworben und bezahlt worden.
Gegen 20 weitere Komplizen wird ermittelt
Staatsanwältin Martina Laue zufolge war das Autohaus keine intakte Firma. "Unter seinem Deckmantel bereicherten sich die Angeklagte und ihre Komplizen." Einer dieser Komplizen wurde bereits im Vorjahr zu einer Haftstrafe verurteilt. Gegen etwa 20 weitere wird gegenwärtig ermittelt – darunter auch Ex-Autohaus-Mitarbeiter.
Laut Staatsanwaltschaft wurde die Frau im August 2012 in Frankreich festgenommen. Sie soll zuletzt sowohl in Frankreich als auch in der Schweiz gewohnt haben. Das Gericht hat zunächst weitere zwölf Verhandlungstage bis Anfang April vorgesehen.
1 Kommentar
Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.
