Die Landesfahne von Russland neben der Europäischen
Die EU-Sanktionen treffen in Russland neben Einzelpersonen auch Institutionen, Firmen und Organisationen. Bildrechte: IMAGO

Folgen der Russland-Sanktionen Einzelne spüren sie, die Masse nicht

Seit 2014 gelten wegen des Ukraine-Konflikts EU-Sanktionen gegen Russland. Seitdem sind die Wirtschaftsbeziehungen zwischen russischen und deutschen Unternehmen deutlich schwieriger geworden. Das trifft auch die Firma delta p aus Magdeburg.

von Kerstin Palzer, MDR SACHSEN-ANHALT

Die Landesfahne von Russland neben der Europäischen
Die EU-Sanktionen treffen in Russland neben Einzelpersonen auch Institutionen, Firmen und Organisationen. Bildrechte: IMAGO

Sanktionen sollen bestrafen, sie sind sowas wie das wirtschaftspolitische "Du du", der Politik. Seit Juli 2014 gibt es wirtschaftliche Sanktionen der EU gegen Russland. Sie sollen zeigen, dass man mit der Annexion der Krim durch Russlands Führung nicht einverstanden war und ist.

Aber damit sind die wirtschaftlichen Kontakte zwischen russischen und deutschen Unternehmen deutlich schwieriger geworden, auch für einige Unternehmen in Sachsen-Anhalt.

Starke Konkurrenz

Zum Beispiel für die Firma delta p aus Magdeburg. Hier werden Bohranlagen für die Öl- und Erdgasförderung gebaut. Hauptkunde war bisher Russland. Doch die Sanktionen haben die langjährigen Handelsbeziehungen empfindlich gestört. "Durch das Embargo haben wir natürlich bemerkt, dass unsere Kunden in Russland nicht mehr so nett zu uns sind. Dass sie vorrangig aus China Konkurrenz ins Land lassen und die Chinesen uns durch ihre Preispolitik das Leben sehr schwer machen", so Geschäftsführer Ulrich Niele.

Ein Mitarbeiter der Firma delta p steht an einer Maschine
Bei delta-p in Magdeburg werden Bohranlagen gefertigt. Bildrechte: delta p GmbH

Also appelliert Niele an die Politik, die Sanktionen gegen Russland schnellstens zu beenden. Das sieht auch die Industrie- und Handelskammer Magdeburg so. Es gebe in Sachsen-Anhalt etwa 100 Unternehmen, die in und mit Russland Geschäfte machen.

Im Moment – und trotz der Sanktionen – werden die Geschäfte zwischen Sachsen-Anhalt und Russland übrigens wieder mehr. Man schätzt ein Wachstum von 30 Prozent für Umsätze in Russland im Jahr 2017. Insgesamt aber ist auch für Unternehmen in Sachsen-Anhalt Amerika der wichtigere Handelspartner. Fast dreimal so viel Umsatz machen Firmen aus Sachsen-Anhalt mit den USA als mit der Russischen Föderation.

Minister: Unternehmen sollte geholfen werden

Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sagt, dass es in Sachsen-Anhalt das Phänomen gäbe, dass die Sanktionen einzelne Unternehmen hart treffen, vor allem im Anlagenbau. Die breite Masse spüre das aber gar nicht. Der Anteil des Russland-Geschäftes sei hierzulande überschaubar.

Der SPD-Politiker steht den Rufen der Wirtschaft nach einem Ende der Sanktionen gegen Russland aber vor allem aus politischen Gründen skeptisch gegenüber. "Die Sanktionen gegen Russland sind nicht grundlos verhängt worden." Die Ursachen hätten sich seitdem nicht geändert. Man könne da also nicht einfach aussteigen, müsse aber mit Russland im Gespräch bleiben.

Aber: Willingmann findet, dass Firmen in Sachsen-Anhalt, die durch die Sanktionen Einbußen haben, geholfen werden solle. Er denkt an eine Art Lastenausgleich durch die EU und sagt: "Wenn es nachweislich mit den Sanktionen zusammenhängende wirtschaftliche Beeinträchtigungen in Unternehmen gibt, dann ist doch nichts dagegen zu sagen, dass man auf europäischer Ebene diesen Unternehmen, die die Lasten in besonderer Weise tragen, zu Hilfe kommen kann."

Willingmann will handeln

Man bewahre sich damit auf der einen Seite internationale Handlungsfähigkeit. Auf der anderen Seite entlaste man diejenigen, die einseitig stärker die Lasten der Sanktionen zu tragen hätten. Willingmann sagt zwar auch, dass es sich dabei bislang "nur um eine Idee" handelt, aber immerhin will er darüber mit den anderen ostdeutschen Ressortchefs sprechen.

Auch wenn das Geschäft mit Russland für Sachsen-Anhalts Firmen insgesamt nicht so bedeutend ist und die USA der deutlich umsatzstärkere Handelspartner sind: Für einige Firmen ist mit den Sanktionen fast das komplette Geschäft weggebrochen. Und dies, weil eine politische Entscheidung getroffen wurde. Für diese Firmen wäre eine wiederum politische Entscheidung für einen Lastenausgleich die (wirtschaftliche) Rettung.

Russland-Sanktionen Die USA haben vor wenigen Tagen ein Gesetz auf den Weg gebracht, das weitere Sanktionen gegen Russland vorsieht. Die Sanktionen der EU gelten bereits seit 2014. Sie sind eine Reaktion auf die umstrittene Annexion der Krim durch Russland.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 12.08.2017 | 12:00 Uhr

Quelle: MDR/kb/rj

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2017, 09:46 Uhr

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1 Kommentar

13.08.2017 22:45 pudd'nhead 1

war von beginn an gegen die wirtschaftssanktionen wegen der krimkrise, weil die nachfolgenden einbußen für einige betriebe in sachsen-anhalt voraussehbar waren, sprich die eigene bevölkerung damit geschädigt wurde. wenn man sich dann noch historisch mit dem thema beschäftigt, wird man schnell einige politische ungereimtheiten entdecken. darum ein schlußstrich unter diese sanktionen. herr Niele und die IHK haben recht.