Salzlandkreis : Tauziehen bei Ameos-Kliniken
Die 360 bedrohten Arbeitsplätze bei den Ameos-Kliniken im Salzlandkreis könnten erhalten werden. Ein Kompromiss von Arbeitgebern und Betriebsrat sieht als Bedingung jedoch vor, dass alle 1.600 Ameos-Angestellten an den Standorten Schönebeck, Aschersleben und Bernburg zu erheblichen Einbußen bereit sind. Was passiert, wenn nicht alle zustimmen, ist noch unklar.
Lohnverzicht und Kündigungsschutz
Die neue Einigung sieht individuelle Änderungsverträge vor, mit denen die Arbeitszeit und der Lohn um 12,5 Prozent gekürzt werden. Im Gegenzug wird den Angestellten ein fünf Jahre langer Kündigungsschutz garantiert.
Die Gewerkschaft Ver.di, die an dieser Einigung nicht beteiligt war, kritisierte das Vorhaben scharf. Sie rät den Beschäftigten, den Kompromiss nicht mitzutragen. Gewerkschaftssekretär Jens Berek appellierte bei MDR INFO an die Belegschaft, die Änderungsverträgen nicht zuzustimmen. Er kritisierte, dass Ärzte und leitende Angestellte von den Kürzungen ausgenommen würden, obwohl sie eine größere Last tragen könnten.
Das Vorgehen der drei Betriebsräte bezeichnete Berek als rechtswidrig. Sie hätten über die Köpfe der Beschäftigten hinweg entschieden. Zudem sei unklar, wie rechtssicher der vereinbarte Kündigungsschutz sei. Ver.di hatte vorgehabt, die 360 vakanten Jobs im Rahmen der Tarifverhandlungen zu retten.
Ameos-Betriebsrat weist Kritik zurück
Der Betriebsrat-Chef der Ameos-Kliniken, Olaf Haberecht, wies die Kritik der Gewerkschaft deutlich zurück. Anders als Ver.di behaupte, sei der mit der Klinikleitung gefundene Kompromiss rechtssicher, betonte er bei MDR INFO.
Laut Haberecht ist der Betriebsrat legitimiert zu verhandeln, um Kündigungen zu vermeiden. Unter der Belegschaft gebe es breite Zustimmung. Die Einigung sehe unter anderem vor: Beibehaltung des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst und Fortführung der bisherigen Zuschläge, fünf Jahre Kündigungsschutz, mehr Urlaub, aber weniger Lohn bei entsprechend weniger Arbeit.
Nun müsse jeder Mitarbeiter prüfen, ob er unterschreibe oder nicht. Die 360 bedrohten Arbeitsplätze könnten dadurch erhalten bleiben, sagte Haberecht. Er bestätigte, dass der Kompromiss nicht für alle 1.600 Beschäftigten gelten solle. Ein Gutachten habe festgestellt, dass es es beim mittleren medizinischen Personal einen Überhang und bei den Ärzten eine Unterbesetzung gebe.
Der private Klinikbetreiber Ameos aus der Schweiz hatte Mitte Dezember 2012 angekündigt, wegen akuter Finanznot 360 Stellen streichen zu wollen. Als Grund wurden Verluste im vergangenen Jahr und das Scheitern der Tarifverhandlungen mit Ver.di angegeben. Ameos hatte die Kliniken im März 2012 vom Salzlandkreis übernommen und zugesagt, bis Ende des Jahres alle Mitarbeiter zu behalten.
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