Finger weist auf ein WhatsApp-Icon auf einem Smartphone-Display
Bildrechte: IMAGO

WhatsApp, Facebook & Co. Per Chat noch schnell was erledigen

Mit Freunden und Familie über Kurznachrichtendienste zu chatten, ist längst Alltag. WhatsApp, Facebook und Co. haben viele auf ihrem Smartphone installiert. Nun lassen sich darüber schon Medikamente vorbestellen oder Kinotickets ordern, auch in Sachsen-Anhalt. Doch dabei ist Vorsicht geboten: Datenschutzexperten warnen vor den Risiken, wenn persönliche Daten über solche Dienste verschickt werden.

von Mandy Ganske-Zapf

Finger weist auf ein WhatsApp-Icon auf einem Smartphone-Display
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Zwei Bildschirme stehen bereit, daneben prangt das Festnetz-Telefon – und neuerdings liegt noch ein Smartphone auf dem Schreibtisch des Kundenzentrums einer Magdeburger Bankfiliale. Dort laufen die Anfragen ein, die über den Kurznachrichtendienst WhatsApp kommen.

Mann vor Computerbildschirm
Christian Volkmann war selbst zunächst skeptisch, ob man WhatsApp nutzen sollte. Eine Testphase hat ihn überzeugt: "Das hat gut funktioniert." Bildrechte: MDR/Mandy Ganske-Zapf

Christian Volkmann ist verantwortlicher Mitarbeiter für Soziale Medien bei der Volksbank und hat das vor wenigen Monaten initiiert. Er sagt, 50 bis 60 Anfragen im Monat seien es schon. Die Mitarbeiter wechseln sich ab, um den WhatsApp-Kanal zu betreuen. Volkmann: "Der Mitarbeiter verknüpft das mit seinem PC und beantwortet die Anfragen, wie er das auch per E-Mail oder Telefon tut."

Schon lange sind Messenger-Dienste bei vielen Menschen aus der privaten Kommunikation mit Familie und Freunden nicht mehr wegzudenken. Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom verwenden gut zwei Drittel der Internetnutzer ab 14 Jahren in Deutschland einen Kurznachrichtendienst, allen voran WhatsApp oder den Facebook-Messenger.

Wie bei der Volksbank Magdeburg halten diese Dienste nun auch Einzug in den Servicebereich von Unternehmen. Timm Lutter, Bereichsleiter für Digitale Medien bei Bitkom, prognostiziert: "Messenger werden mittelfristig eine ganze Reihe von Appfunktionen integrieren und das Zentrum des Smartphones bilden."

Weitere Services: Kino, Taxi, Apotheke

Wer genau hinschaut, findet tatsächlich weitere solcher Chat-Angebote in Sachsen-Anhalt: Im Domstadtkino in Merseburg zum Beispiel lassen sich per WhatsApp Tickets vorbestellen. In Magdeburg, aber auch in anderen größeren Städten, lassen sich Taxen ordern – bisher per Facebook-Messenger, künftig auch per WhatsApp. Der Berufsverband Taxi Deutschland erklärt, dass ein marktübergreifendes Bestellsystem diese Messenger sowie weitere Taxi Apps mit den Taxizentralen verbindet. "Das landet direkt im System und wird beim Fahrer ausgegeben", erläutert Anja Floetenmeyer von Taxi Deutschland.

Finger zeigt auf PZN-Nummer eines Medikaments
Die PZN-Nummer, die für eine Medikamentenbestellung nötig ist, steht beim Barcode. Bildrechte: MDR/Mandy Ganske-Zapf

Auch einige Apotheken bieten einen WhatsApp-Service an. So zum Beispiel Claudia Meffert in ihrer Magdeburger Apotheke: "Der Kunde hat zuhause ein Rezept oder eine Packung, wo er nachfragen möchte, ob wir das vorrätig haben." Die Mitarbeiter antworten, ob das Medikament da ist, und bei einem Kaufwunsch, ab wann es abholbereit vorliegt.

Claudia Meffert sagt, besonders wichtig seien Angaben zur so genannten Pharmazentralnummer (steht häufig über dem Barcode) sowie Stärke, Packungsgröße und Artikelname nebst Hersteller. Foto von Rezept, Medikamentenpackung oder Teilen davon, aber auch eine Textnachricht allein genügen ihr für das jeweilige Anliegen. Damit wolle sie den Leuten abnehmen, zwei Mal in die Apotheke zu kommen: zum Bestellen und zum Abholen.

Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom ist WhatsApp der beliebteste Messenger in Deutschland. 63 Prozent der Internetnutzer verwenden ihn zum Versenden von Kurznachrichten. Mit großem Abstand folgen Skype (16 Prozent), der Facebook-Messenger (15 Prozent), iMessage von Apple (9 Prozent), Google Hangouts (5 Prozent) und Snapchat (2 Prozent). Mit speziellen Sicherheitsfunktionen ausgestattete Messenger wie Threema, Telegram oder Signal konnten sich laut Bitkom bislang nicht in der Breite durchsetzen.

Wer wie Bank-Mitarbeiter Christian Volkmann und Apothekerin Claudia Meffert einen Messenger in seinem Unternehmen einsetzt, betritt Neuland. Große Unsicherheit herrscht da noch beim Datenschutz. Volkmann meint deshalb, es sei wichtig, Grenzen in den Chatdialogen zu ziehen. "Wir kommunizieren über den Kanal keine persönlichen Daten, ganz klar. Sie können zum Beispiel keine Kontostände, keine Kontoumsätze und Ähnliches darüber schreiben." Eher gehe es um alltägliche, allgemeine Probleme oder organisatorische Fragen: "Zum Beispiel, wie lange ist heute noch offen. Oder ich habe meine PIN im Online-Banking gesperrt, was kann ich tun. Oder ich hätte gern einen Termin."

Claudia Meffert hat eigens ein Smartphone für den Chatdienst gekauft, über das nichts anderes abgewickelt würde. Den Chatverlauf lösche sie umgehend nach Abfertigung des jeweiligen Anliegens. Ihre Kunden weise sie ausdrücklich auf die Grauzone beim Umgang mit sensiblen Daten hin: "Wir können nur für uns garantieren, dass wir sie nicht an Dritte weitergeben. Aber man weiß ja: Whatsapp hat andere Datenschutzrichtlinien. Das muss jeder Kunde im Hinterkopf haben."

Apothekerkammern sehen den neuen Trend vielfach kritisch, raten eher ab, auch in Sachsen-Anhalt. Allerdings gibt es dazu bisher keine offizielle Handlungsempfehlung.

Datenschützer warnt: Hoheit über Daten geht verloren

Datenschutzexperten wie Peter Leppelt mahnen zur Vorsicht und warnen vor den Risiken. Leppelt berät Einrichtungen deutschlandweit zu diesem Thema. Er sagt, man dürfe solche Chatdienste generell nicht sorglos nutzen: "Aufgrund der Tatsache, dass die ganzen Anbieter immer noch der Jurisdiktion der USA unterliegen, ist die Wahrscheinlichkeit extrem groß, dass die Geheimdienste dranhängen." Sprich: Dass Dritte mitlesen, könne nicht ausgeschlossen werden - auch wenn WhatsApp inzwischen zum Beispiel Ende-zu-Ende verschlüssle. Auch Sicherheitslücken wurden in der Vergangenheit immer wieder beklagt. Ein Dilemma: Einerseits werden solche Chatdienste immer beliebter, durchdringen bereits die Privatsphäre, während sich für Unternehmen andererseits viele Fragen auftun.

Es geht nicht nur um Nutzerdaten, sondern viel interessanter sind Metadaten, sprich: Wann hat ein Nutzer mit welchem Gerät was benutzt? Wen hat er kontaktiert? Das sind Dinge, die sich aus dem Verhalten erschließen.

Datenschutzexperte Peter Leppelt

Leppelt betont, es sei prinzipiell eine gute Idee, alternative Kommunikationskanäle für junge Leute anzubieten – auch im medizinischen Bereich. Immerhin verliere man sonst ganze Generationen. Zu definieren sei jedoch, welche Daten dabei genau übertragen werden. Für den Fall, dass es sich um sensible Daten handele, sei es klüger, beispielsweise einen selbst programmierten Kanal zu nutzen. Nur so könne man die Kontrolle über die Daten tatsächlich behalten. Wer trotzdem auf WhatsApp, Facebook und Co. setzen wolle, für den gebe es beim "Wie" bisher keine Patentlösung. Leppelt empfiehlt: "Nichts Kritisches, nichts Personenbezogenes, nichts, von dem ich meine, dass es nicht morgen in der Zeitung stehen sollte, sollte ich über diese Kanäle verschicken."

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2016, 19:45 Uhr