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Kulturhistorisches Museum Magdeburg : Kölner Evangeliar für Landesausstellung restauriert

Tausend Jahre und zahlreiche Kriege hatte das Kölner St.-Gereon-Evangeliar überstanden. Dann bauten die Rheinländer eine U-Bahn, ihr Stadtarchiv stürzte ein und das kostbare Buch wurde verschüttet. Nun ist es für die anstehende Landesausstellung Sachsen-Anhalts "Otto der Große und das Römische Reich" restauriert worden. Am 8. August wurde das kostbare Stück der Öffentlichkeit präsentiert. Der Direktor des Kulturhistorischen Museums Magdeburg, Matthias Puhle, in dessen Haus die Landesausstellung Ende August startet, zeigte sich denn auch begeistert. "Solche Highlights braucht man", sagte der Historiker bei der Vorstellung des Buches in Köln.

Magdeburger übernehmen Restaurierungskosten

St. Gereons Evangeliar Köln Kulturhistorisches Museum Magdeburg
Das St.-Gereon-Evangeliar enthält zahlreiche kostbare Illustrationen.

Puhle hat allen Grund, stolz zu sein. Schließlich war es sein Haus, das die Kosten der Restaurierung übernahm. 2.600 Euro musste das Kulturhistorische Museum dafür berappen. "Für uns war das keine Entscheidung, die wir lange vor uns hergetragen haben", erklärte Puhle. Zudem sei ohnehin Geld für die Restaurierung einiger Leihgaben eingeplant gewesen. Das im Mittelalter auf Latein verfasste St.-Gereon-Evangeliar enthält die vier Evangelien, ist reich bebildert und in dickes Leder gebunden. Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs im März 2009 hatte es aus Trümmerbergen geborgen und durch Experten aufwendig restauriert und gereinigt werden müssen.

Glanzstück der Landesausstellung

In Magdeburg wird das Evangeliar ab 27. August ein Glanzstück der neuen Landesausstellung sein. Das kostbare Buch enthält auch drei kleine Porträts des Enkels von Otto dem Großen, König Otto III., seiner Großmutter Adelheid und seiner Mutter Theophanu. Das prächtige Evangeliar wurde wahrscheinlich von der Familie Ottos in Auftrag gegeben und in Köln hergestellt. Die drei kleinen Porträtbilder sind äußerst ungewöhnlich und sollten möglicherweise den Herrschaftsanspruch nach dem Tod Otto des Großen 973 untermauern.

Nur äußerst selten zu sehen

Das Buch, das mit drei Millionen Euro versichert ist, wird normalerweise nur äußerst selten der Öffentlichkeit präsentiert. "Man darf es nicht ständig ausstellen", sagte Bettina Schmidt-Czaia, die Direktorin des Historischen Archivs Köln. "Jede Licht- und Wärmeeinwirkung verändert die Stücke. Es muss eigentlich klimatisiert und dunkel im Magazin liegen." Für die Magdeburger Schau wird da eine Ausnahme gemacht.

Die neue Landesausstellung wird ab Monatsende aus Anlass des 1.100. Geburtstages von Otto I. präsentiert. Bis Anfang Dezember sollen Verbindungen zwischen der Kaiserzeit in Rom und dem Mittelalter in Europa aufgezeigt werden. Mehr als 250 Exponate aus internationalen Museen, Schatzkammern, Bibliotheken und Archiven werden dabei zu sehen sein. Ergänzt wird die Schau durch Jubiläumsausstellungen in den Korrespondenzorten Gernrode, Halberstadt, Memleben, Merseburg, Quedlinburg, Tilleda und Wallhausen.

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Zuletzt aktualisiert: 08. August 2012, 18:59 Uhr

1. Heinz Faßbender:
Da sagt Köln danke nach Magdeburg. Und wenn es Köln nicht tut - dann sage ich danke nach Magdeburg. Tolle Leistung – für uns und zukünftige Generationen.
08.08.2012
18:15 Uhr

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Evangeliare

Die mittelalterlichen Evangeliare wurden in jahrelanger Arbeit von Mönchen geschaffen. Meist arbeiteten mehrere Experten daran, die vier Evangelien des Neuen Testaments auf Latein zu Papier zu bringen und farbige Illustrationen zu malen. Die Bücher konnten auch Verzeichnisse mit den jeweiligen Texten enthalten, die an jedem Tag eines Kirchenjahres gelesen wurden. Damit sollte das Evangelium und auch Christus selbst geehrt werden. Außerdem erfüllten Evangeliare auch repräsentative Funktionen. Wer es sich leisten konnte, ein solches Kunstwerk in Auftrag zu geben und beispielsweise einem Kloster zu stiften, der zeigte damit auch seine eigene Bedeutung.

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