Bundeskanzler Helmut Kohl 1990
Der Stadtrat in Magdeburg ist dagegen, eine Straße nach Helmut Kohl zu benennen. Bildrechte: IMAGO

Stadtrat Magdeburg: vorerst keine Helmut-Kohl-Straße

Sollen Straßen nach dem verstorbenen Alt-Kanzler Helmut Kohl benannt werden? Diese Frage stellen sich gerade viele Städte. In Magdeburg hat sich der Stadtrat gegen eine Helmut-Kohl-Straße ausgesprochen.

Bundeskanzler Helmut Kohl 1990
Der Stadtrat in Magdeburg ist dagegen, eine Straße nach Helmut Kohl zu benennen. Bildrechte: IMAGO

Magdeburg wird den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl vorerst nicht mit einem Straßen-, Brücken- oder Platznamen ehren. Der Stadtrat lehnte am Donnerstag einen entsprechenden Antrag ab. Obwohl mehrere Fraktionen den Antrag eingebacht hatten, wurde die Mehrheit verfehlt.

Unterstützt wurden die Pläne für eine Helmut-Kohl-Straße von CDU, FDP, BfM und Gartenpartei. Die anderen Fraktionen im Stadtrat waren dagegen. Die Idee der CDU ist es, die geplante Strombrückenverlängerung zur "Helmut-Kohl-Brücke" zu machen – zu Ehren des Europäischen Brückenbauers Helmut Kohl.

Kohl nein, Genscher ja

Grünes Licht gab der Stadtrat dagegen für eine Umbennung eines Abschnitts der Brandenburger Straße in Hans-Dietrich-Genscher-Straße. Der Antrag wurde zur weiteren Bearbeitung in den zuständigen Ausschuss verwiesen.

Am 31. März 2018 jährt sich der Todestag Genschers zum zweiten Mal. Bis dahin soll die Umbennung in Magdeburg offiziell sein. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe standen bei Genscher vor einer schwierigen Aufgabe. Nötig war ein ansprechender und geeigneter Ort im Stadtzentrum.

Pläne für eine Helmut-Kohl-Straße gibt es in Sachsen-Anhalt aktuell auch in Dessau-Roßlau und Leuna.

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Vor einem Einkaufszentrum steht ein Straßenschild mit der Aufschrift 'Helmut-Kohl-Platz'.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18.08.2017 | 10:00 Uhr

Quelle: MDR/ru

Zuletzt aktualisiert: 18. August 2017, 15:21 Uhr

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13 Kommentare

20.08.2017 11:04 Demokrat 13

@3

1. Gescher stammt im Unterschied zu Kohl aus Sachsen-Anhalt, hat seine Kindheit und Jugend im Land verbracht, studiert und sich sogar noch einige jahre politisch engagiert bei jener Partei (LDP), die bis zu ihrer Gleichschaltung am stärksten gegen die entstehende SED-Diktatur gekämpft hat.

2. Genscher war in keine so gravierenden Korruptionskandale verwickelt wie Kohl.

19.08.2017 18:40 Frank 12

@7: Mike, Hartz IV wurde unter Bundeskanzler Schröder eingeführt. Welcher Partei gehört der an?....... Richtig, der SPD, die Partei die Sozial im Namen trägt.

19.08.2017 03:33 Bunt 11

Der umstrittene Stadtrat ist wohl ein Linksextremist?
Die Karl-Marx-Straßen, Liebknecht-Plätze und Rosa-Luxemburg-Wege gehen ihm sicher flüssiger vom Pinsel.

18.08.2017 01:13 Walter Kiehnscherf 10

Kohl - was hat er hinterlassen ? Eine zerrüttete Familie, eine zunehmend zerrüttete EU, ein Deutschland an dem die Welt wiedermal genesen soll ! Das ist schon öfter schiefgegangen. Da brauchen wir keine " K.- Strasse oder Platz " Der MD - Stadtrat hat richtig gehandelt.

18.08.2017 21:44 Blühende Landschaften 9

Keine Helmut-Kohl-Straße?
Eine gute Entscheidung!

Die CDU, FDP und Gartenpartei werden sich zwar ärgern, aber von mir aus können sie ja ihren örtlichen Parteigebäuden den Namen "Helmut-Kohl-Haus" geben. Stelle ich mir bei der FDP lustig vor.

18.08.2017 18:34 Gert 8

An Schnukenduddel Auch wenn hier in Sachsen- Anhalt die SPD mit der CDU nebst den GRÜNEN eine Regierung bildet, so ist sie immer noch eine eigenständige Partei.

18.08.2017 17:24 Mike 7

ab und an ist die geschichte hinter einem menschen interessant. bei kohl stehen millionen von menschen, mit einem negativen folgeerlebnis da. nach der wende kam für viele die arbeitslosigkeit. gerade sachsen anhalt hat es da hart getroffen. mit der nähe zu den alten bundesländern, sind viele weggezogen oder arbeiten im westen. während hier die einnahmen in den keller gingen, blühte der westen noch einmal auf. zusätzliche aufträge, weil firmen im osten die aufträge entzogen wurden. man konnte nicht mehr so billig produzieren wie zu ddr zeiten. aber das wisst ihr kohl verehrer ja eh nicht. ich find den beschluss gut. viele tausende die von hartz4 leben und das kohl zu verdanken haben auch.

18.08.2017 16:08 jackblack 6

Da es keine direkte Beziehung zu Helmut Kohl gibt besteht kein Grund, eine Straße nach ihm zu benennen, und ohne Gorbatschow gäbe es wohl eher einen Erich Honecker Platz

18.08.2017 12:51 Schnukenduddel 5

Was da gestern im Magdeburger Stadtrat passiert ist, ist einfach unglaublich. Ich schäme mich für die SPD. Der Fraktionsvorsitzende Jens Rösler hat wirklich die Realität verloren. Er sollte sofort nach dieser Geschichte zurück treten. Ich habe noch nie so viel Unsinn aus dem Mund gehört, wie von diesen Mann. Helmut Kohl hatte seine Fehler, aber jeder Stadtrat, der gestern im Plenum saß, würde da nicht sitzen, wenn nicht Helmut Kohl die Deutsche Einheit mitgetragen hätte. Die Ostdeutschen haben den ersten Schritt gemacht, aber die Westdeutschen haben auch die Hand aufgehalten. Schade, für Magdeburg – traurig SPD.

18.08.2017 12:24 Beobachter 4

Über die Personalie Helmut Kohl sollte erst einmal etwas Gras wachsen. Mit etwas mehr historischem Abstand sollte dann bewertet werden, ob seine Verdienste um die deutsche Wiedervereinigung stärker wiegen als sein völlig inakzeptables Agieren in der Parteispendenaffäre. Kohl hat sein Ehrenwort und damit sich selbst über die Gesetze in Deutschland gestellt und ist damit für mich als Vorbild völlig disqualifiziert. Ich bin deshalb auch gegen die Benennung einer Straße nach ihm.