Nashville Magdeburg
Nashville und Magdeburg haben mehr gemeinsam, als man denkt. Bildrechte: Matthias Piekacz

Städtepartnerschaft Ein Stück Nashville in Magdeburg

Johnny Cash kommt nach Magdeburg – zumindest musikalisch. Bei den Nashville-Days werden der Musiker und die Städtepartnerschaft zwischen der Landeshauptstadt und der amerikanischen Musik-Metropole geehrt. Die Veranstaltung findet an diesem Wochenende bereits zum zweiten Mal statt. Was die Städte außerdem verbindet.

von Christine Warnecke, MDR SACHSEN-ANHALT

Nashville Magdeburg
Nashville und Magdeburg haben mehr gemeinsam, als man denkt. Bildrechte: Matthias Piekacz

Worin sind sich Nashville und Magdeburg ähnlich?

Rund 7.400 Kilometer trennen Nashville und Magdeburg und auf den ersten Blick sind sie nicht sehr ähnlich: Magdeburg sieht auf eine Jahrhunderte alte Geschichte mit der ersten Erwähnung 805 zurück, während sich in Nashville 1779 die ersten Siedler niederließen. Heute hat die amerikanische Stadt rund 660.000 Einwohner – deutlich mehr als die Elbstadt mit rund 240.000 Bürgern.

Doch beides sind Kultur- und Musikstädte, wenngleich Nashville noch ein wenig mehr Musikstadt sei, als Magdeburg, meint der ehemalige Beigeordnete für Kultur der Stadt Magdeburg, Rüdiger Koch. Dank der Studios, wo alle großen Musiker gespielt haben und dem berühmten Ryman-Auditorium wird Nashville auch "Music City“ genannt. Doch auch Magdeburg, gerade mit der Bewerbung um die Kulturhauptstadt, habe einiges zu bieten. Christian Szibor, Leiter der Festung Mark, die wieder Schauplatz der Nashville Days sein wird, meint, man könne stolz darauf sein, eine Partnerstadt wie Nashville zu haben. Ein "Pfund" nennt das auch Koch. "Und abgesehen vom musikalischen: Ich habe in den letzten Jahren miterlebt, was sich dort entwickelt hat, Nashville hat zum Beispiel auch Medizintechnik und eine StartUp-Szene, die Region boomt."

Cumberland River und Bürogebäude in Nashville
Die Stadt am Cumberland River ist seit 2003 Magdeburgs Städtepartner. Bildrechte: IMAGO

"Vibrant growing cities", also "lebhafte, wachsende Städte", nennt die Leiterin des Vereins Sister Citys, Heather Cunningham, die Partnerstädte, die "eine exzellente Lebensqualität" böten. "Kultur- und Freizeit-Angebote, Parks und grüne Räume, innovative und unternehmerische Geschäfte" machten beide Städte lebenswert. In Nashville gibt es den "Magdeburg Green Way", eine Parkanlage, die sich von der "German Town", wo früher besonders Deutsche siedelten, bis zur Innenstadt/Downtown erstreckt. In Magdeburg kann man auf der "Nashville Promenade" zwischen Schleinufer und Wohnmobilstellplatz Petriförder an der Elbe entlangwandern.

Was hat Magdeburg mit Country-Legende Johnny Cash zu tun?

"Einerseits ist Johnny Cash untrennbar mit Nashville verbunden", meint Christian Szibor. "Er ist DIE Figur der 'Music City'. Er steht für Country, aber auch Rockabilly und den Geschmack jüngerer Leute." Er hat unter anderem Depeche Mode gecovert und mit dieser Universalität sei er für verschiedene Generationen ansprechend. Auch in Magdeburg gebe es eine Szene, die sich für Cash und seine Musik begeistert.

Johnny Cash at Folsom Prison
Mit "Ring of Fire" oder "I Walk the Line" war Johnny Cash weltweit erfolgreich. Bildrechte: C Films AG

"Music unifies everyone" – "Musik vereint alle", betont Heather Cunningham. Wie Musik verbinden und ganz konkret helfen kann, habe die Flut von 2010 gezeigt, von der auch Nashville stark betroffen war. Bei einem Benefizkonzert in Magdeburg spielte das Sax'n Anhalt Orchester rund 6.000 Dollar ein, die als Spende in die USA gingen. Eher Zufall ist es aber, dass Cash 2003, als die Partnerschaft zwischen Nashville und Magdeburg begründet wurde, in Nashville verstarb.

Was verbindet Nashville und Magdeburg?

"Auf jeden Fall mehr als nur das Standart-Repertoire von Schüleraustäuschen", betont Rüdiger Koch. Der ehemalige Beigeordnete für Kultur der Stadt Magdeburg war selbst mehrmals in Nashville und begleitet die Partnerschaft seit Jahren. "Wir hatten zum Beispiel die Kulturtage Nashville, die Welturaufführung des Theaterstücks 'Treffen - the other side', das in einem einmaligen Projekt ein Stück über zwei Kontinente aufgeführt hat – das hat es so noch nicht vorher gegeben. Dazu verschiedene Ausstellungen, etwa zur Bürgerrechtsbewegung in Amerika und der DDR – man sieht: Trotz aller Unterschiede gibt es immer wieder gemeinsame Interessen und Anknüpfungspunkte", fasst Koch zusammen.

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks wird das so gesehen: "Neben den Delegationsbesuchen und jährlichen Schüleraustäuschen zeichnet sich die Beziehung der Städte durch eine kreative zivile Kollaboration aus, die das Beste der beiden Städte reflektiert", meint Heather Cunningham. Nicht umsonst seien sie 2014 von der Steuben-Schurz-Gesellschaft zur aktivsten Städtepartnerschaft zwischen einer deutschen und einer amerikanischen Stadt gekürt worden, sind Rüdiger Koch und Heather Cunningham stolz.

Nashville Magdeburg
Ein Hauch 50's weht in der Festung Mark durch Magdeburg. Bildrechte: Matthias Piekacz

Kulturtipp Bei den Nashville-Days kommen Rock’n’Roll und Country-Fans auf ihre Kosten. Bei den zweiten Nashville-Days können Besucher neben zahlreichen Konzerten auch das Wirken des amerikanischen Musikers Johnny Cash in einer Ausstellung und in einem Film erleben. Unter dem Motto "Just like Cash" finden die Nashville-Days vom 29. bis 30. September in der Festung Mark in Magdeburg statt. Quelle: Festung Mark

Was bedeutet die Partnerschaft für die Bürger?

"Unsere Einwohner haben die Möglichkeit, bürgerliche Diplomaten zu sein und gleichzeitig eine andere Kultur, neue Menschen, eine fremde Geschichte und Sprache zu entdecken", sagt Heather Cunningham. Die Erfahrungen, die Austauschschüler in Gastfamilien machen, seien "reich und befriedigend", ließen dauerhafte Freundschaften entstehen und Erinnerungen fürs Leben. Studenten und Erwachsene machen dieselben Erfahrungen, die auch ein persönliches Wachsen erlauben, so Cunningham.

Ein Mann posiert mit einer Gitarre vor der Tootsies Orchid Lounge in Nashville
Die 'Music City' Nashville in den USA verbindet eine Städtepartnerschaft mit Magdeburg. Bildrechte: IMAGO

Mit den Nashville-Days soll diese Brücke gefestigt werden. Dass nun, zu den erst zweiten Nashville Days bereits eine 15-köpfige Delegation aus Nashville anreist, darunter der Honorarkonsul für Deutschland in Tennessee, Doug Berry, Mitglieder des Partnerschaftsausschusses und der ehemalige Bürgermeister von Nashville, Bill Purcell, zeige, welches Interesse auch die Amerikaner an der Partnerschaft haben.

Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. September 2017 | 13:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2017, 17:12 Uhr

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