Junger Storch im Nest
Der Trend vom vergangenen Jahr setzt sich fort: Wieder werden weniger Störche in Sachsen-Anhalt erwartet. Bildrechte: MDR/Doreen Jonas

Storchenjahr 2017 Viele Störche scheuen die Heimreise

Vielfach zeigen sich die Störche, auch Nachwuchs ist auf dem Storchenhof Loburg schon geschlüpft. Allerdings bleibt ein Fünftel der Nester bisher leer im Land. Viele Störche sind wohl zu spät losgeflogen oder werden gleich ganz im Süden bleiben – der Winter verlief nicht optimal. Insgesamt sei es das dritte Jahr infolge, in dem noch weniger Storchenpaare noch weniger Junge ausbrüten, sagt Storchexperte Kaatz vom Hof in Loburg.

Junger Storch im Nest
Der Trend vom vergangenen Jahr setzt sich fort: Wieder werden weniger Störche in Sachsen-Anhalt erwartet. Bildrechte: MDR/Doreen Jonas

Die Storchennester in Sachsen-Anhalt sind in diesem Jahr schlechter besetzt als 2016. Storchexperte Michael Kaatz vom Storchenhof Loburg (Jerichower Land) sagt, nur 80 Prozent der Horste seien von Storchenpaaren bezogen worden. Grund dafür seien vor allem die schlechten Überwinterungsbedingungen, die die Störche in Südostafrika gehabt hätten. Dort habe große Trockenheit geherrscht, so dass sich die Vögel nicht genügend Reserven für die Rückreise zulegen konnten.

So seien bisher ein Fünftel der Nester noch leer, weil die Störche entweder zu spät oder gar nicht losgeflogen seien. "Insgesamt sind sie gerade aber voll im Brutgeschehen drin", sagte Kaatz. Die meisten neu geschlüpften Störche seien zwischen einer und zwei Wochen alt.

Weniger Nachwuchs erwartet

Kaatz führt Statistik über das Vorkommen der Störche in der Region. Er beobachtete in den vergangenen Jahren einen leichten Rückgang der Geburtenzahl bei Jungstörchen: 2015 hatten 626 Storchenpaare noch 1241 Junge ausgebrütet, 2016 waren es 966 Junge von 578 Paaren.

Dieses Jahr rechne er mit noch weniger Nachwuchs. "Jetzt ist schon wieder eine bedenklich trockene Wetterlage", sagte Kaatz mit Blick auf die vergangene Woche. Eigentlich brauche ein Storch alle zwei bis drei Tage Regen – den brachte nun erst das Wochenende. Nur dann fänden die Tiere genügend Regenwürmer.

Futter bei Trockenheit schwer zu finden

Peter Neuhäuser, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Stendal, sagt, später im Jahr ernährten sie sich auch von Fröschen, Heuschrecken und Ringelnattern. Gibt es nicht ausreichend Futter für alle Jungen im Horst, so verspeisten die Altstörche aber ihren eigenen Nachwuchs, erklärt er. "Das klingt grausam, aber die Natur hat das so eingerichtet, damit die Vögel die verwendete Energie wenigstens noch für sich nutzen", sagt Neuhäuser weiter. Sieben bis acht Wochen dauere es, bis die jungen Tiere flügge würden, sagt Neuhäuser.

Und wenig später, etwa am 20. August, fliegen die Jungvögel dann gen Süden. Bis zu 10.800 Kilometer legten sie dabei zurück. Die älteren Störche flögen ihnen etwa eine Woche später hinterher. Doch erst einmal müssen die Storchenküken groß und stark werden. Derzeit zieht Kaatz mit seinen Mitarbeitern verlassene Küken auf, die nicht aufgefressen wurden. Im Nest sitzt dann auch eine Storchattrappe, damit der Nachwuchs an seine Artgenossen gewöhnt bleibt. Nach etwa fünf Wochen werden die kleinen Störche zu Adoptiv-Eltern ins Nest gesetzt und von ihnen weiter mit aufgezogen.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02.06.2017 | 13:00 Uhr

Quelle: MDR/dpa/mg

Zuletzt aktualisiert: 03. Juni 2017, 14:35 Uhr

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