Besucher an der Gedenkstätte Marienborn
Die Gedenkstäte am ehemaligen Grenzübergang Marienborn war am Dienstag einer der Anziehungspunkte. Bildrechte: MDR/Marila Zielke

Zum Tag der Einheit Einheitsfeiern locken Tausende Besucher

Bestes Herbstwetter hat am Feiertag die Sachsen-Anhalter nach draußen gelockt. Besonderer Anziehungspunkt war der frühere Grenzübergang Marienborn. Auch auf dem Brocken wurde gefeiert – mit einem Ehrengast.

Besucher an der Gedenkstätte Marienborn
Die Gedenkstäte am ehemaligen Grenzübergang Marienborn war am Dienstag einer der Anziehungspunkte. Bildrechte: MDR/Marila Zielke

Der Tag der Deutschen Einheit ist auch in Sachsen-Anhalt mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert worden. Die Gedenkstätte am ehemals größten deutsch-deutschen Grenzübergang Marienborn zählte allein am Dienstag mehr als 6.000 Besucher. "Der Andrang ist sehr groß", so Gedenkstättenleiterin Susann Baumgartl. Es seien auch viele Familien mit Kindern gekommen. Der Austausch über die deutsche Geschichte finde nicht nur zwischen Zeitzeugen, sondern auch zwischen den Generationen statt.

Erinnerungen teilen in Marienborn

Neben der Dauerausstellung und einem begehbaren ehemaligen Kommandoturm sei ein neu eingerichtetes Interview-Studio bei den Gästen gut angekommen, berichtete Baumgartl. Dort konnten Besucher von ihrer eigenen Geschichte erzählen. Beispielsweise habe sich ein 77 Jahre alter Lastwagenfahrer gemeldet und von seinen Erfahrungen berichtet. Er habe seit 1958 den Grenzübergang bei Marienborn regelmäßig passiert.

Brocken-Feier mit Ehrengast

Gefeiert wurde am Tag der Einheit auch traditionell auf dem höchsten Berg Mitteldeutschlands, der vor der Wende Sperrgebiet für Menschen aus Ost und West war. Die Festrede zur Gedenkfeier des Harzklubs auf dem Brocken sprach dabei der letzte DDR-Regierungschef Lothar de Maizière. Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT verwies er am Einheitstag auf die traditionellen Unterschiede in Deutschland, die es immer gegeben habe. Eine Vollendung der Einheit werde es nicht geben. "Wir sind eben ein Volk mit vielen Stämmen, mit vielen unterschiedlichen Geschichten", so der erste demokratisch gewählte und zugleich letzte DDR-Ministerpräsident.

Lothar de Maizère, letzter Ministerpräsident der DDR (Mitte), besucht am 03.10.2017 zum Tag der Deutschen Einheit  das Brockenmuseum und die Ausstellung zur Brockenöffnung auf dem Brocken (Sachsen-Anhalt).
Bildrechte: dpa

Die Politiker müssen wieder näher an die Menschen heranrücken, müssen mehr zuhören, was ihre Sorgen und Nöte sind. Wir haben die blühenden Landschaften, aber die Menschen fühlen sich nicht wohl darin.

Lothar de Maizière im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT

Seit der Wiedervereinigung 1990 richtet der Harzklub jedes Jahr am 3. Oktober eine Gedenkfeier aus. Der Verein mit heute rund 13.000 Mitgliedern begann unmittelbar nach der Grenzöffnung damit, die Wanderwege im Ost- und Westharz miteinander zu verbinden. Zur Feier am Dienstag gab es sieben geführte Wanderungen auf den Gipfel im ehemaligen Sperrgebiet. An keiner Stelle im Harz werde die Wiedervereinigung so beispielhaft sichtbar und erlebbar, hieß es in einer Mitteilung des Harzklubs. 

Quelle: MDR/ap

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | Tagesreport | 03. Oktober 2017 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Oktober 2017, 17:41 Uhr

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1 Kommentar

04.10.2017 18:14 Ureinwohner 1

Eine Vollendung der Einheit werde es nicht geben. "Wir sind eben ein Volk mit vielen Stämmen, mit vielen unterschiedlichen Geschichten", so der erste demokratisch gewählte und zugleich letzte DDR-Ministerpräsident. Hendrick Berth erklärt: "Wir können zum Beispiel nachgucken, wer 1989 schlechter in der Schule war, was für eine Partei wählt der denn im Jahr 2017.Böhmer hielt den Ostdeutschen vor, zu sehr auf ihre eigenen Angelegenheiten zu schauen. So unterschiedlich sind sie ,die Meinungen der "Experten".

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Die Flagge der BRD weht auf dem Reichstag in Berlin.
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